Sontheim im Stubental / Klaus-Dieter Kirschner  Uhr
Ein alter Bierkeller am Burgstallweg mausert sich zum Winterquartier für Fledermäuse. Aktuell sind zehn Aktive der Dorfgemeinschaft Altes Backhaus damit beschäftigt, den Schutt aus dem 15 Meter langen Bierkeller herauszuholen.


Über dem Eingang zu diesem Bierkeller, der ehedem in Sontheim zum Gasthof Rössle und die dortige Brauerei gehörte, fand sich die Jahreszahl der Erbauung: 1812. Der Name Jakob Sperle weist nicht auf den Baumeister, sondern auf den damaligen Gastwirt und Bierbrauer und das Rössle hin.

Zu dem Bierkeller am Burgstallweg gehörte früher sogar das Armenhaus, das Anfang der 1950er Jahre wegen seines maroden Zustands eingerissen worden war. Dort wollte keiner mehr auf 69 Quadratmeter Wohnfläche in spartanischer Umgebung leben. Der Bierkeller blieb bestehen, der Zugang wurde geschlossen und im Zuge des Neubaus des Burgstallwegs zugeschüttet und begrünt.

Der Bierkeller im Dornröschenschlaf geriet in Vergessenheit. Im Sommer besann sich Hans-Peter Mack, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, des Bierkellers. Verfallen sei er und folglich nicht mehr begehbar, warnten ihn ältere Sontheimer. Dass das aber nicht stimmte, brachte der Einsatz eines Minibaggers zutage. Wohl war im Eingangsbereich die aus Ziegelsteinen gemauerte Wölbung kaputt, im Innern erwies sich der Keller als sehr robust. Dorthin war man über ein Loch im Gewölbe vorgestoßen. Das „Klima“ im Keller? Er ist ungewöhnlich trocken.

Kleine Tropfsteine hatten sich geblidet

Im hinteren Bereich des Bierkellers hatte Sickerwasser dem Mörtel von einst reichlich zugesetzt und für die Bildung von kleinen, nur wenige Zentimeter lange Tropfsteine gesorgt. Ansonsten sind zwischen den „Altwürttemberger Ziegeln“ (30 Zentimeter lang, fünf Zentimeter hoch und geschätzte 15 cm breit) genug Ritzen vorhanden, an denen sich die Fledermäuse zum Winterschlaf einkrallen können, sagte Hans-Peter Mack. Bei den jetzigen Arbeitseinsätzen wurde aus dem bis zu sechs Meter breiten Keller viel Schutt geräumt. Etwa 60 Tonnen mögen es gewesen sein. Solche Gewölbekeller hatten unterschiedliche Funktionen. Die Erbauer nutzten die Felswand des Burgstalls und bauten daran das Gewölbe an.

Teilweise waren noch die Rundhölzer vorhanden, auf denen einst die Bierfässer eingelagert waren. Eine Ziegelwand, die den hinteren Bierkeller vom vorderen Bereich trennte, war vor langer Zeit schon eingestürzt. Mit dem Schubkarren wurden jetzt die Ziegelsteine ins Freie gekarrt, dort warteten Freiwillige, um den uralten Mörtel abzukratzen oder abzuklopfen. Mit den Steinen wird das Gewölbe an der Zugangstüre zum Bierkeller erneuert und im vorderen Bereich ein Teil des Gewölbes erneuert, das beim Abbruch des Armenhauses wohl Schaden genommen hatte.

Noch im Dezember fertig werden

„Im Dezember wollen wir auf jeden Fall fertig werden,“ sagte Hans-Peter Mack bei der Frage nach dem weiteren Zeitplan. Provisorisch wird der Eiskeller verschlossen, damit die Fledermäuse in Ruhe ihren Winterschlaf beginnen können. Im kommenden Jahr soll dann eine richtige Türe angebracht werden.

Obwohl er gewisse romantische Züge an sich hat, soll der Eiskeller nicht zum Partykeller ausgebaut werden.