Brauch Ein Maibaum-Meschnaismus, der patentreif ist

Ochsenberg / Timo Landenberger 03.05.2013
Stolze 30 Meter hoch und bolzengerade ragt er in den wolkenbedeckten Himmel. Gut zehn Mann sorgten in einem patentreifen Verfahren dafür, dass nichts schief geht oder steht. Nun kann den Ochsenberger Maibaum eigentlich nichts mehr umhauen.

14 Jahre zuvor: Zahlreiche gestandene Männer haben sich auf dem Ochsenberger Lindenplatz eingefunden. Wie in jedem Jahr soll dort am 30. April und ganz im Sinne der Tradition ein Maibaum aufgerichtet werden. Etliche Zuschauer sind versammelt, um aus sicherer Entfernung dem Spektakel beizuwohnen. Wie spektakulär dieses allerdings werden würde, hätten sie wohl nicht erwartet:

Die Männer ziehen an den Seilen was das Zeug hält, um den Baum in eine senkrechte Position zu bringen. Doch das Zeug hält nicht. Eine Windböe reißt den Baum aus der Verankerung und dieser einige Stromleitungen nebst Halterungen von den Dächern. Verletzt wurde niemand, dennoch sitzt der Schock und die Enttäuschung tief.

Heinz Elser, einst Bürgermeister des früher selbstständigen Ortes und Begründer der Maibaumfreunde Ochsenberg, erinnert sich als „Tüftele“ noch gut. „Wir mussten etwas ändern“, sagt der heute 82-Jährige. „Die Maibäume wurden immer höher, das war allein mit Muskelkraft irgendwann nicht mehr zu machen.“ Das bis dato gängige Verfahren war demnach im wahrsten Sinne des Wortes nicht länger anzuwenden.

„Ich habe dann ein Konzept entwickelt, mit dem nach menschlichem Ermessen nichts mehr passieren kann“, sagt Elser. Ein in der Tat patentreifes Verfahren vom Stellen bis zum Fällen.

„Fällen ist eigentlich der falsche Begriff“, korrigiert einer der Helfer. „Vielmehr wird der Baum mit Hilfe von Seilwinden langsam umgelegt, um die Krone nicht zu beschädigen“. Mit ebensolcher Vorsicht geht es dann an den Abtransport in Richtung Festplatz, wo der Auserwählte von der Dorfgemeinschaft bereits erwartet wird. Von den Frauen zuvor geflochtene Reisiggirlanden und -kränze werden angebracht, kleine und große Kinder geben der Maibaumkrone mit bunten Fähnchen den letzten Schliff, bevor diese 30 Meter über dem Boden thront.

Zwei Forstfahrzeuge stehen bereit. Zusätzliche Umlenkspulen im Boden, akkurat ausgemessen und felsenfest verankert, sorgen für Stabilität aus drei Richtungen. Das Kommando fällt, innerhalb weniger Sekunden wird der Baum in die Senkrechte befördert. Ein paar Männer sind zur Stelle, verkeilen das Schmuckstück in seiner Verankerung. Applaus ertönt von den Zuschauerrängen, doch noch ist man nicht fertig. Die Seile werden wieder gelöst, selbst gemachte Zunftzeichen mit Hilfe einer Hebebühne angebracht.

Zwei Stunden nachdem der Maibaum aus dem Wald gezogen wurde, steht er und erstrahlt in neuem Glanz auf dem Ochsenberger Festplatz. Stolz blicken die Maibaumfreunde in den wolkenbedeckten Himmel.

Mitmachen, dabei sein und gewinnen

„Noch größer und schönes als sein Vorgänger“, sagen sie und begründen damit ihre Ambitionen, einen ganz besonderen Titel zu verteidigen. Denn im vergangenen Jahr stand der „schönste Maibaum im Heidenheimer Land“ in Ochsenberg und auch 2013 macht sich die Heidenheimer Zeitung auf die Suche nach dem prächtigsten Exemplar. Bislang hat jedoch noch kein Baum zweimal abgeräumt, so ist der Ausgang des Wettbewerbs keinesfalls absehbar. Einige Anmeldungen haben die „Maibaumredaktion“ bereits erreicht, etliche werden noch erwartet und mitmachen kann jeder. Einfach ein Bild und eine kurze Beschreibung des Schmuckstücks bis zum Sonntag auf www.hz-online.de/maibaum selbst hochladen und dabeisein. Dem Gewinner gebühren neben Ruhm und Anerkennung auch eine schicke Ehrenplakette sowie ganze 100 Liter Freibier von der Härtsfelder Familienbrauerei Hald. Wer das Rennen macht entscheiden die Leser, denn diese können ab Dienstag, 7. Mai, für ihren Lieblingsbaum knapp eine Woche im Internet abstimmen. Das allerletzte Wort behält sich allerdings die Maibaum-Jury der Redaktion vor.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel