Narren Ein Luftschloss für die Enkeltochter

Dischingen / Joelle Reimer 26.02.2014
Am Sonntag, 2. März, wird Dischingen wieder zur Hochburg der Narren: Der große Faschingsumzug ist dann dort zu sehen. Start: 13.33 Uhr. Für das kleine Prinzenpaar hat der Großvater der Prinzessin extra einen neuen Wagen gebaut.

Schon so gut wie fertig ist der Wagen für Denise Randler und Hendrik Strohm, die darauf beim Faschingsumzug ihren großen Auftritt haben werden. Und mit seinem Ausmaß fällt er sicher auf: Auf 4,30 Metern Länge und in luftiger Höhe von 5,20 Meter dürfen die beiden als kleines Prinzenpaar den Umzug erleben und Süßigkeiten werfen. „Ich finde den Wagen richtig gut“, sagt Hendrik Strohm, der dem kommenden Sonntag entgegen fiebert.

Urheber dieses Bauwerkes ist Richard Jooß, der Großvater von Denise Randler. Der 68-Jährige hatte die Idee für die Gestaltung des Wagens und hat ihn eigenhändig zusammengebaut. „Ungefähr 200 Stunden Arbeit habe ich dort hineingesteckt“, sagt Jooß. Begonnen habe er im August vorigen Jahres. „Zuerst habe ich daheim in meiner Doppelgarage die Einzelteile zusammengebaut“, so Jooß. Zum Zusammensetzen musste er dann in den Neresheimer Bauhof, da der Wagen einfach zu hoch für seine Garage wurde.

Auffallend: ein lebensgroßes Einhorn

Das auffälligste Element des Wagens ist neben seiner Höhe ein lebensgroßes Einhorn an der Vorderseite. „Das Gerüst dafür ist aus Eisen und einem Gittergewebe, worauf ich dann etwa 30 Kilogramm Gips gestrichen habe“, erklärt Jooß. Der Bau des Wagens sei schon mit einem großen Aufwand verbunden gewesen, aber für seine Enkeltochter habe er das gerne gemacht.

Schon im Alter von 17 Jahren hat Jooß seine ersten Wagen gebaut – zuletzt 2001 den des großen Prinzenpaares. „Das liegt mir einfach, es macht Spaß, immer neue Motive zu verwirklichen“, so begründet Jooß seine Motivation. Neben dem Einhorn musste er für den Wagen verschiedene Schreiner- und Schweißarbeiten machen und den Wagenunterbau erneuern, da dieser schon verrostet war. Am Ende musste der Wagen dann noch vom Tüv abgenommen werden, bevor er bereit war für seine Auftritte am Sonntag in Dischingen und am Dienstag in Neresheim.

Neben dem kleinen Prinzenwagen werden noch sechs weitere Wagen des Faschingsvereins Dischingen (FVD) am Umzug zu sehen sein. Der FVD sorgt dafür, dass aktuelle Themen aufgegriffen werden und in die Gestaltung der Wagen mit einfließen. Das Vereinsheim gleicht in der Zeit vor dem Umzug einer Werkstatt, überall stehen Bretter, Gips und große Styroporfiguren. „Vier Wägen bauen wir dieses Jahr komplett neu, die anderen werden nur erneuert“, sagt Bernd Grandy, Vorsitzender des Vereins. Nach dem Eröffnungsball Mitte Januar ging die Themenfindung los, danach wurde fleißig gehämmert und geschraubt. „Das meiste machen die Elferräte und die Eisbühlgoischdr, es gibt aber auch noch freiwillige Helfer“, so Grandy.

Vorweg fährt der Mottowagen

Vorneweg fährt wie immer der Mottowagen, die anderen Wagen zeigen vorwiegend politische und regionale Themen. Zu viel verraten die Mitglieder des FVD noch nicht – doch beispielsweise werden die Bundeskanzlerin und der US-Präsident zu sehen sein und auch ein in die Schlagzeilen geratenes Kirchenmitglied wird thematisiert.

Die Materialien der Wagen vom vorigen Jahr werden zum Großteil wieder verwendet, denn vieles davon lässt sich leicht umgestalten. Manchmal muss dann aber auch etwas improvisiert werden. In den zwei Wochen direkt vor dem Umzug arbeiten die Helfer jeden Abend an den Wagen, meist von 19 bis 23 Uhr. „Dass wir unsere Wägen noch selbst bauen, hebt uns von anderen Faschingsvereinen ab“, sagt Grandy.

Er selbst hat als Umzugsleiter einen gut gefüllten Terminkalender, wenn es um die Vorbereitungen geht. So kümmert er sich um die Umzugsausschreibungen und Einladungen, regelt das Organisatorische mit der Polizei, Feuerwehr und der Gemeinde und legt die Reihenfolge der Umzugsteilnehmer fest. „Dazu kommen noch die 10 000 Umzugskrawatten, die gefaltet werden müssen“, sagt der 34-jährige Dischinger. Er ist auch beim Umzug als Koordinator und Ansprechpartner mit drei anderen Helfern vor Ort.

Grandy rechnet mit 1500 Umzugsteilnehmern und etwa 10 000 Zuschauern. Neben dem FVD sind noch zehn weitere Faschingsgesellschaften vertreten, beispielsweise die Bachtalia, die Wemdosia oder die Faschingsfreunde Kösingen. Zudem gibt es dieses Jahr 111 Gruppen, die beim Umzug mit dabei sind – 2013 waren es nur 103. „Jetzt hoffen wir noch auf schönes Wetter“, sagt Grandy.