Porträt Ein Leben zwischen Feldsalat und Bananen

Er hatte unter anderem einen Stand auf dem Nördlinger Wochenmarkt, heute ist das passé: Der Nattheimer Michael Beck hat seinen Obst- und Gemüsehandel aufgegeben.
Er hatte unter anderem einen Stand auf dem Nördlinger Wochenmarkt, heute ist das passé: Der Nattheimer Michael Beck hat seinen Obst- und Gemüsehandel aufgegeben. © Foto: Dieter Mack
Nattheim / Annika Sinnl 28.05.2013
Ob Walderdbeeren zu Silvester oder frischer Trüffel: Michael Beck hat versucht, alle Kundenwünsche zu erfüllen. Fast 30 Jahre lang war er im Obst- und Gemüsehandel tätig. Jetzt hat er die Selbstständigkeit an den Nagel gehängt.

Ein Leben zwischen Feldsalat und Bananen. Zwischen Abrechnung und Konkurrenzdruck. Zwischen Kundenkontakt und Kalkulationen. Michael Beck hat es gelebt. Fast 30 Jahre lang war er im Obst- und Gemüsehandel tätig. Unter dem Namen „Obst Beck“ belieferte er in erster Linie den Einzelhandel – Kantinen, Eiscafés, Metzgereien. Einmal die Woche öffnete er aber auch die Pforten seiner Lagerhalle neben dem Ramensteinbad in Nattheim – und bediente Kunden. Auch auf Wochenmärkten war er vertreten.

Jetzt hat er die Halle geschlossen. Ein für alle mal. Er beliefert keine Kunden und auf Wochenmärkte geht er auch nicht mehr. Kurzum: Er hat dem Obst und Gemüse den Rücken gekehrt. „Schweren Herzens“, wie der 50-Jährige sagt, der in Köln geboren und in Nattheim groß geworden ist.

Mehrmals pro Woche um Mitternacht aufstehen

Er hat Gründe: Das Geschäft sei zu hart geworden. Ja, seine Arbeitswoche hatte es in sich. Mehrmals musste er um Mitternacht aufstehen, sich auf den Weg nach Stuttgart machen, um dort Obst und Gemüse abzuholen. „Um drei Uhr musste ich dort sein.“ Sommer wie Winter ist er die Strecke gefahren. „Im Winter hat man dem Schneepflug die Spur gemacht.“ Dann hieß es, Kunden abfahren. Mit Büroarbeit saß er ab und an bis 19 Uhr im Geschäft. Am Ende des Tage sei einfach zu wenig „herum gekommen“. Die Relation stimmte nicht. Also hat sich Michael Beck entschlossen, aufzugeben, die Selbstständigkeit an den Nagel zu hängen.

Nach seiner Banklehre stieg Michael Beck 1983 in den Obst- und Gemüsehandel seines Vaters ein. Im Jahr 2000 hat er ihn dann übernommen. Michael Beck kennt sich also aus, war er doch fast 30 Jahre mit Kiwi, Kraut & Co. betraut. Er kennt das Geschäft in- und auswendig. Er kennt die Kundenwünsche, weiß, wie sich der Handel verändert hat.

Lebensmittelskandale geben nur kurzen Auftrieb

„Wie überall: Die Filialisten machen den kleineren Betrieben zu schaffen. Der Verdrängungswettbewerb ist groß“, sagt der zweifache Vater. Die Deutschen wollten kaum Geld für Essen ausgeben. Diese Tendenz habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Ein Wermutstropfen: „Vor allem junge Familien und ältere Leute achten in vergangener Zeit mehr darauf, was sie essen. Das habe ich gemerkt.“ Lebensmittelskandale hingegen sorgten bei kleineren Betrieben nur kurze Zeit für Aufwind, so der Nattheimer. „Wenn man heute seinen Umsatz halten kann, ist es eigentlich schon ein Plus.“ Deshalb ist sich Michael Beck sicher, dass sich der Fachhandel weiter lichten wird.

Michael Beck weiß aber auch, dass sein Handel geschätzt wurde: „Bei mir konnte man eben eine Banane und zwei Pfirsiche kaufen – und nicht gleich ein ganzes Kilo wie im Discounter.“ Und: „Ich konnte alle Wünsche erfüllen. So ist mir etwa in Erinnerung geblieben, dass ein Kunde mal zu Silvester Walderdbeeren haben wollte. Ich konnte sie besorgen.“

Doch Michael Becks Entscheidung ist gefallen. Der Kundenkontakt fehlt ihm heute. Sehr. Jetzt will er erst einmal den Kopf frei bekommen. Er radelt oder fährt mit seinem Oldtimer – ein Framo Baujahr 1952 – durch die Gegend. Was er in Zukunft beruflich machen will, weiß er noch nicht. Eines ist jedoch sicher: Es hat sich ausverkauft.

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