Herbrechtingen Osram: Umweltsimulationslabor wird ausgebaut

Alle Bauteile von Autolampen werden im Umweltsimulationslabor von Osram auf ihre mechanische, chemische und thermische Belastbarkeit getestet. Das Labor wird nun von 86 auf 150 Messstände erweitert – auch weil man verstärkt externe Kunden gewinnen möchte.
Alle Bauteile von Autolampen werden im Umweltsimulationslabor von Osram auf ihre mechanische, chemische und thermische Belastbarkeit getestet. Das Labor wird nun von 86 auf 150 Messstände erweitert – auch weil man verstärkt externe Kunden gewinnen möchte. © Foto: Osram
Herbrechtingen / Günter Trittner 12.10.2018
Das Umweltsimulationslabor wird um 1000 Quadratmeter ausgebaut und zu einem der modernsten in ganz Süddeutschland. Der Anteil externer Kunden soll sich erhöhen.

Eine Spezialkamera von Google Street View war zu Testzwecken schon hier und die Scheinwerfer eines ebenso teuren wie exotischen Sportwagens. Medizingeräte-Hersteller gehören zu den Kunden und auch in der Luftfahrtindustrie und beim Deutschen Wetterdienst hat das Umweltsimulationslabor von Osram in Herbrechtingen einen guten Namen. Bei der Gründung im Jahr 2002 mit vier Messeinrichtungen ausgestattet, kennt die Einrichtung seither nur eine Entwicklung: Expansion. Noch diesen Herbst wird das Fundament für einen 1000 Quadratmeter großen Anbau gelegt. Von derzeit 86 Messstationen wird das Labor dann auf 150 wachsen und deutschlandweit zum Zentrallabor des gesamten Osram-Geschäftsbereichs Specialty Lighting werden.

Entfesselte Gewalten

Das gründliche Prüfen der im eigenen Unternehmen hergestellten Scheinwerfer, Lampen und aller ihrer Bauteile ist das Hauptgeschäft des akkreditierten Labors. Hier können alle mechanischen, thermischen und chemischen Belastungen nachgestellt werden, denen die Teile im Laufe ihrer Lebenszeit ausgesetzt sind.

Im Inneren der Maschinen werden dabei elementare Gewalten entfesselt. Mit 100 bar Druck schießt aus Düsen 80 Grad heißes Wasser auf die Abdichtung eines Scheinwerfers, über einen anderen legt sich feinster Staub. Wahlweise umfließen ein Nebel aus Salz oder Schadgase, welche Korrosion auslösen können, ein metallenes Bauteil. Ein anderes wird im Sekundentakt einem Temperaturwechsel von Minus 30 bis plus 104 Grad ausgesetzt. Eine Hülle erlebt Stöße, welche denen gleichkommen, wenn auf hoher See bei einem Frachtschiff Container ins Rutschen kommen. Die Teststation, welche die Belastung mit Sonnenstrahlen imitiert, setzt den Prüfling allen Klimazonen der Erde aus und zeigt wie diese altern. „Die Maschine ist bis Ende März 2019 ausgebucht“, weiß Lukas Faber, der im Labor für die externe Kundenakquise zuständig ist.

Noch kommen 75 Prozent aller Aufträge von Osram selbst. Aber die externen Kunden werden mehr, und das sei vom Management auch so gewollt, sagt Dr. Sascha Zelt, der Leiter des akkreditierten Umweltlabors. An die 70 Adressen von Kunden hat Faber in seiner Kartei, 30 lassen regelmäßig bei Osram prüfen. Auch aus dem benachbarten Ausland kommen Aufträge. Um das Miteinander zu vertiefen, die Messstationen vorzuführen und fachliche Angelegenheiten an Ort und Stelle regeln zu können, gab es diese Woche für diese Kunden einen Tag der offenen Tür. „Wir wollten zeigen, was wir können“, sagt Faber.

Sicherheit für den Kunden

Auch wenn die meisten Prüfverfahren exakt einer Norm folgen, an deren Ende Regelkonformität dargestellt werden soll, ist man im Osram-Labor gern bereit, sich für Innovationen und Prototypen Neues einfallen zu lassen. Dies kann schon bei der Konstruktion der Halterung eines Prüflings beginnen, welche sich neutral zu dessen Eigenschaften verhalten muss. „Wir können auch die ganze Produktentwicklung für einen Kunden begleiten“, sagt Zelt. „Wir validieren und revalidieren, denn der Kunde will Sicherheit haben.“

Mit dem geplanten Anbau wird das Zentrallabor zu einer der führenden Testeinrichtungen für Umwelteinflüsse in ganz Süddeutschland. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter haben hier ihren Arbeitsplatz. Gerne nimmt Osram auch Studenten auf, welche hier forschend für ihre wissenschaftlichen Abschlüsse tätig werden können. Manch einer ist wie auch Faber auf diese Weise bei Osram geblieben.

Auf der Höhe der Zeit bleiben

Und noch ein Grund legt den Ausbau der Prüfstationen nahe. „Wir müssen auf der Höhe der Zeit sein“, sagt Zelt. Die Prüfverfahren müssten der technischen Entwicklung folgen. Wie rasch diese fortschreitet, weiß man bei Osram gut genug, wo man im Lampenbau für die Automobilindustrie selbst den Wechsel der Lichtquelle von Halogen zu Xenon und nun zu LED vorangetrieben hat.

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