Herbrechtingen / Günter Trittner SWU und TWH bauen in Herbrechtingen eine Ladesäule an der Badstraße auf und stellen für drei Jahre einen Renault Zoe zur Verfügung.

Nach Wissen von Marc Gräßle, dem kaufmännischen Leiter der Technischen Werke Herbrechtingen, gibt es bundesweit bereits 2,5 Millionen Car-Sharing-Kunden. Damit es mehr werden, dazu möchten die Technischen Werke einiges beitragen. Deren Partner, das Versorgungsunternehmen SWU in Ulm, bietet seit vergangenem Jahr ein Car-Sharing-Modell an. Im Landkreis sind Hermaringen und Niederstotzingen schon dabei. Herbrechtingen wurde als weitere Gemeinde angesprochen, und Herbrechtingen hat zugesagt. Bei zwei Enthaltungen war sich der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung einig, dass, wie es Martin Müller formulierte, das E-Auto eine gute Sache sei, „aber nicht die Lösung aller Probleme“.

Fahrzeug bleibt drei Jahre

Vorgesehen ist, dass die SWU der Stadt über einen Zeitraum von drei Jahren einen Renault Zoe samt Ladesäule mit zwei Anschlüssen zur Verfügung stellt. Das kostet die Stadt 7500 Euro brutto. Da die TWH die Säule aber werblich für sich nutzen wollen, sind sie bereit, der Stadt jährlich 1000 Euro zu überweisen, sodass an dieser nur noch ein jährlicher Betrag von 1500 Euro hängen bleibt.

Bedingung der SWU ist nur, dass sich Interessierte für das Car-Sharing im Rathaus anmelden können. Wunsch der Partner ist, dass die Stadt am Bauhof eine überdachte Fläche zur Verfügung stellt, wo das Fahrzeug gereinigt und gewartet werden kann.

Standort in der Stadtmitte

Aus heutiger Sicht sollen Fahrzeug und Ladesäule am Parkplatz im Bereich der Badstraße (Getränke Göbel) platziert werden. Dort muss es der Fahrer nach Gebrauch auch wieder abstellen und an die Ladesäule anschließen. Der zweite Anschluss an der Ladesäule ist öffentlich und kann von jedem E-Mobilisten zum Aufladen genutzt werden. Sollte die technische Anbindung der Ladesäule an der Badstraße scheitern, sehen die TWH den Bahnhof als eine immer noch zentral gelegene Alternative an. Am Bahnhof wäre aber für die Leitung eine Straßenüberquerung nötig.

Ergänzung zum ÖPNV

Bislang, so Gräßle, würden Car-Sharing-Modelle eher in Großstädten verwirklicht. „Das wollen wir ändern.“ Dies umso mehr, als im ländlichen Raum auch noch der ÖPNV schlechter ausgebaut sei. Für Gräßle ist Car-Sharing eine Ergänzung zum ÖPNV und eine Alternative zum Zweitfahrzeug.

Für die SWU berichtete Nicole Hahnauer, dass diese inzwischen 70 Ladesäulen betreiben und „alle Wehwehchen“ durchgemacht haben. Für den Renault Zoe spreche seine Reichweite von 300 Kilometer. „Wir haben dieses Fahrzeug selbst getestet und viel Erfahrung gesammelt.“ Garantiert würden für jede Fahrt eine Reichweite von 150 Kilometer. Zwischen einem Wechsel der Nutzer müsse das Fahrzeug mindestens eine halbe Stunde an der Ladesäule aufgeladen worden sein. „Es gibt da eine Blockzeit.“ Garantiert werde zudem ein kostenloser Schlepp zur nächsten Säule, wenn dennoch der Strom ausgehe.

Standort in der Kritik

Der SPD-Stadtrat Thilo Eckermann und wohnhafte Bolheimer war nicht der Einzige, dem der Standort nicht einleuchtete. „Wie komme ich dorthin? Ich muss ja dazu bereits ein Verkehrsmittel nutzen.“ Ein Wohngebiet als Standort wäre Eckermann naheliegender erschienen. Auch die Bissinger Stadträtin Annette Rabausch (Freie Wähler) hielt den Standort für falsch. Von der Badstraße aus seinen die Geschäfte in Herbrechtingen alle fußläufig zu erreichen. Nicole Hahnauer berichtete, dass es nach den Erfahrungen der SWU keine eigentliche Zielgruppe gebe. Gemietet würden die Fahrzeuge von Personen jeden Alters und aus jeder Schicht. Offen sei man, wenn aus Herbrechtingen alternative Standortvorschläge gemacht werden. „Sie kennen ja die Lage besser.“ Das Leihauto müsse immer an seinen Standort zurückgebracht werden. Für ein anderes System brauche es viel mehr Fahrzeuge. „Das ist nicht finanzierbar oder die Preise werden zu hoch.“ „Oneway rentiert sich nur in einem sehr engen Netz.“

Zoe fährt mit Naturstrom

Aufgeladen, so Hahnauer, werde das Fahrzeug in Herbrechtingen mit Naturstrom. „Wir müssen das sogar nachweisen.“ „Das ist sehr vorbildlich“, meinte Stadtrat Andreas Hof. Er riet dazu, gleich an eine Erweiterung der Ladestation zu denken. „Da wird noch mehr kommen.“ Marc Gräßle hätte grundsätzlich nichts dagegen, auch die Teilorte oder Wohngebiete mit einem E-Mobil auszustatten. „Aber dann bräuchten wir vier oder fünf Fahrzeuge.“ Müller bat bei der Diskussion um das E-Car-Sharing, nicht zu vergessen, dass man für die Stadt auch noch ein Rufbus-System plane. Da werde noch ein Träger gesucht.

Kosten des Car-Sharings

Um den Renault Zoe fahren zu dürfen, muss man sich bei den SWU anmelden. Dafür werden einmalig 20 Euro fällig. Grundsätzlich wird bei den Privatkunden zwischen regelmäßigen Nutzern und Gelegenheitsnutzern unterschieden. Der regelmäßige Nutzer zahlt pauschal monatlich 10 Euro, dafür kostet ihn das Auto pro Stunde nur 2,50 Euro. Der Gelegenheitsnutzer zahlt nur den Stundentarif und der liegt für ihn bei 6,80 Euro. Nachts (zwischen 20 und 7 Uhr) sind die Tarife niedriger. Dafür kommt noch eine Kilometergebühr von zehn Cent in Anschlag. Ein Tag mit dem Zoe kostet den regelmäßigen Nutzer 25 Euro, den Gelegenheitsnutzer 45 Euro. gt