Ballmertshofen Eigene Kläranlage ist Vergangenheit

Ballmertshofen / Klaus-Dieter Kirschner 30.11.2018
Ballmertshofen ist jetzt ans Gruppenklärwerk Dattenhausen angeschlossen. Dischingen und der Abwasserzweckverband Härtsfeld lassen sich das 700 000 Euro kosten.

Aus und vorbei: Nach 42 Betriebsjahren braucht Ballmertshofen seine Kläranlage nicht mehr. Das Abwasser aus dem Dorf wird seit Donnerstag ins bayrische Dattenhausen geleitet und in der dortigen Sammelkläranlage aufbereitet. Bei frostig kaltem Wetter wurde unter freiem Himmel mit drei kurzen Reden das Ereignis gefeiert und das bisherige Klärwerk außer Betrieb genommen. Etwas mehr als 700000 Euro wurden investiert, das Land übernahm 66 Prozent der Baukosten. Und die waren vor allem wegen der vollen Auftragsbücher des Handwerks noch deutlich gestiegen.

Darüber informierte Ingenieur Helmut Kolb vom gleichnamigen Steinheimer Planungsbüro. Er rief die Zeit der Planung wie der Bauausführung in den letzten fünf Monaten in Erinnerung. Die Höhenlage des Verbandssammlers östlich der Egau stellte eine gewisse Hürde dar, denn aufgrund des Egau-Wasserspiegels war ein Anschluss im Freispiegel nicht möglich. Daher musste ein Pumpwerk errichtet werden.

Rückhaltebecken vergrößert

Da die Regenwasserbehandlung eine Aufgabe der Gemeinde Dischingen ist, wurde neben dem Gasthaus Hirsch ein Rückhaltebecken vergrößert. Geschaffen wurde ein Trennbauwerk, das notwendige Stauvolumen im bestehenden Kanal aktiviert. Eine bewegliche Wehrklappe verhindert, dass es künftig noch zu einem Rückstrom der Egau bei hohem Wasserstand in die Kanalisation kommen kann.

Wie Kolb weiter ausführte, war ein erster Anlauf für diese umfangreichen Tiefbauarbeiten im Sommer 2017 gar nicht erst unternommen worden, weil die Ausschreibungsergebnisse der Gewerke in keinem Verhältnis zur Kostenhochrechnung standen. Bei den Zuschussanträgen wurden Nachträge formuliert und seitens des Staats war noch einmal das Zuschussfüllhorn geöffnet worden. Eine abermalige Ausschreibung der Arbeiten erfolgte, die Angebote waren nur bedingt günstiger.

Die Tiefbauarbeiten erledigte die Firma Scharpf (Zöschingen), das Pumpwerk und das Trennbauwerk fertigte die Firma Kiffer; Elektro-Jerg zog die Strippen für die Stromversorgung, die Fernüberwachung installierte die Firma Stark. Die Zimmerei D und D montiert im Moment die Holzverkleidung. Die Firma Ehnle hatte die Sanitärarbeiten ausgeführt.

Verbandsvorsitzender Thomas Häfele sprach von einem besonderen Tag für Ballmertshofen. Das Projekt sei als solches nicht einfach gewesen, manche Klippe habe man dann doch erfolgreich umschifft.

Nächste Aufgabe Katzenstein

Dischingens Bürgermeister Alfons Jakl erinnerte daran, dass das Gruppenklärwerk Dattenhausen 1993 in Betrieb ging und dass das Land in den vergangenen Jahren bei jedem Förderbescheid mahnte, nun auch die Kläranlagen Katzenstein und Ballmertshofen an diese leistungsstarke Einrichtung in Bayern anzuschließen. Nur Demmingen werde aufgrund der schwierigen topografischen Lange weiter ein Klärwerk haben. Als nächstes werde man sich planerisch Katzenstein zuwenden, kündigte der Redner an. Sein Dank galt auch dem Landratsamt für vielfältige Unterstützung.

Kreisverwaltungsdirektor Georg Feth nahm dies dankend zur Kenntnis und will es Landrat Thomas Reinhardt ausrichten. Jakl: Für Ballmertshofen sei der erfolgte Anschluss schon ein Ereignis. Und für Josef Bernhard als Klärwärter gleichbedeutend mit dem Abschied aus einer mit viel Fleiß erledigten Aufgabe.

Mit 84 Jahren ist Schluss für Klärwärter Josef Bernhard

42 Jahre lang wurde vor den Toren von Ballmertshofen das im Ort angefallene Abwasser in eigener Kläranlage gereinigt und in die Egau als Vorfluter eingeleitet. Jetzt ist Schluss damit. Die Kläranlage ist Geschichte - seit der Inbetriebnahme einer Rohrleitung, die Ballmertshofen mit dem Gruppenklärwerk im bayrischen Dattenhausen verbindet.

Für Dischingens Bürgermeister Alfons Jakl wie auch für den Verbandsvorsitzenden des Abwasserzweckverbands Härtsfeld, Neresheims Bürgermeister Thomas Häfele, war die Einweihung Anlass, einem Mann besonders zu danken: dem 84-jährigen Josef Bernhard. Als Klärwärter habe er sich mit besonderer Hingabe um die Ballmertshofener Anlage gekümmert. Erinnert wurde in dem Zusammenhang auch an Eugen Gaier, der von 1976 bis 1985 Klärwärter gewesen ist.

Etwas wehmütig schaute Josef Bernhard schon drein, als er letztmals auf der Brücke des Klärwerks stand. Unter ihm drehte sich (noch) das Rührwerk im Schmutzwasser.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel