Königsbronn Die Klosterbrauerei und ihre bewegte Geschichte

Auch historische Ansichten der Brauerei sind Teil der Ausstellung der Klosterbrauerei.
Auch historische Ansichten der Brauerei sind Teil der Ausstellung der Klosterbrauerei. © Foto: Kulturverein
Königsbronn / Gerhard Stock 03.05.2018
Der Kulturverein gibt mit einer Ausstellung Einblick in die wechselhafte Geschichte des Königsbronner Braubetriebs. Eröffnung ist am Sonntag.

Längst hat sie ihre besten Zeiten hinter sich und aktuell wünschen sich viele Königsbronner dem Ortsbild zuliebe nichts mehr, als dass die baufällige Klosterbrauerei nun endlich von der Bildfläche verschwinden möge.

Der im Spätherbst 2017 in Angriff genommene Abbruch wurde jedoch wegen fehlender Unterlagen durch behördliches Eingreifen unterbrochen und noch ist nicht klar, wann der Abriss weitergehen kann.

Derweil macht sich der Kulturverein die anhaltende öffentliche Aufmerksamkeit für das weitere Schicksal des bröckelnden Gemäuers zunutze und organisiert eine Ausstellung zur Geschichte der Klosterbrauerei. Die soll, so Vorsitzender Ulrich Knöller, „zeigen, wie’s früher mal war“ und umfassend Einblick geben in einen einst blühenden Betrieb. Zu seinen besten Zeiten versorgte er im Kreis Heidenheim und darüber hinaus insgesamt zehn eigene, jeweils verpachtete Brauerei-Gaststätten mit Königsbronner Klosterbier. Das waren in Lorch im Remstal die Ratsstube, in Heidenheim die Wirtshäuser König Karl, Kronprinzen, Mohren und Sonneneck, in Schnaitheim die Gaststätten Krone und der Hirsch und in Königsbronn selbst Schlegel, Hecht und Weißes Rößle.

Seinen Namen verdankt das „edle Getränk“ dem einstigen Kloster Königsbronn, das König Albert im Jahre 1302 gründete - „in einem mit allen Reizen der Natur ausgestatteten Tal, am Fuße des Herwartstein und am malerischen Quelltopf der Brenz“, wie es in einer Festschrift aus dem Jahr 1954 dazu verklärend heißt.

Getränkeautomaten reaktiviert

Um die süffige Geschichte des Brauereibetriebs nachvollziehbar zu machen, wartet der Kulturverein mit allerhand Exponaten auf: alte Ansichten, sehr viele Fotos und einige originale Pläne sowieso, aber auch Gläser, Krüge, Bierdeckel und Etiketten zum Beispiel. Und wer’s gerne haptisch mag, wird Gefallen finden an einem wieder reaktivierten alten Getränkeautomaten. Was diverse Gegenstände zum Themenkreis Brauerei betrifft, ist der Kulturverein insbesondere auch Sammler Roman Loschonsky dankbar dafür, dass er diese in die Ausstellung mit einbringt.

Die Idee zu dieser Präsentation war Ulrich Knöller anlässlich eines Besuchs im Rathaus gekommen, bei dem ihm zufällig Neubau-Pläne aus den Jahren 1901 und 1902 unterkamen, die der damalige Besitzer Georg Maier bei Architekten in Auftrag gegeben hatte. Maier verunglückte im April 1904 tödlich und die Witwe verkaufte das ausgebaute und mit neuen Einrichtungen versehene Anwesen sowie den ganzen Wirtschaftsbetrieb mit den dazugehörigen Grundstücken an Adolf Haible und Fritz Weischedel. Nach dem Tod der Seniorchefs 1950 bzw. 1953 übernahmen jeweils die Söhne Eugen Haible und Hans Weischedel das Unternehmen, so dass die Ära Haible-Weischedel nahtlos weiterging.

1954 feierte man 50-jähriges Bestehen, auch die neuen Inhaber betrachteten es als „ihre erste Aufgabe, den Betrieb nicht nur auf der Höhe zu halten, sondern ihn weiter zu modernisieren und technisch zu vervollkommnen“. Das Anwesen umfasste damals Brauerei, Mälzerei und Landwirtschaft mit 30 Hektar Ackerland und Wiesen. Stolz blicke man anlässlich des Jubiläums auf eine gleichmäßig ansteigende Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zurück.

Lastkraftwagen ersetzten die Pferdegespanne, die Flaschen- und Abfüllanlage wurde erneuert, der Lagerkeller mit Stahltanks ausgestattet. 1927 entstand ein neues Sudhaus, 1938 der Neubau einer Zwei-Horden-Malzdarre. Den Bau eines gekühlten Hopfenkellers verband man mit einer großzügigen Verbesserung der sozialen Einrichtungen.

Enge persönliche Fühlungnahme

„Die Belegschaft verfügt seither über vorbildliche Wasch-, Dusch-, Bade- und Aufenthaltsräume“, heißt es in der 1954 herausgegebenen Festschrift. Im gleichen Jahr konnte in Heidenheim als eine der zehn eigenen Brauerei-Wirtschaften der „König Karl“ als „mustergültiger Neubau“ eingeweiht werden.

Weil es „die Art des Unternehmens so mit sich brachte“, legte man auch großen Wert auf „enge persönliche Fühlungnahme“ zwischen Betriebsleitung und Mitarbeitern. Als „heikles Problem“ galt damals wie überall die Wohnungsfrage. Immerhin: Für die Verheirateten konnten Werkswohnungen zur Verfügung gestellt werden. Doch ob verheiratet oder nicht: Das Streben aller im Betriebe Wirkenden sei und bleibe, so der Festschreiber weiter, „aus bestem Malz unhd Hopfen und aus gutem Wasser ein vortrefflich mundendes, gesundes Bier herzustellen“.

Um dessen Absatz zu fördern, ehrte man im Jubiläumsjahr 1954 die langjährigen Bezieher des Königsbronner Klosterbiers. Für 50 Jahre und länger die Gasthäuser Traube in Neresheim, Kanne in Großkuchen, Krone und Ochsen in Königsbronn sowie die Maschinenfabrik Voith in Heidenheim.

Immer weniger Grund zum Feiern gab es in den folgenden Jahrzehnten, bis der Betrieb schließlich eingestellt und die Immobilie verkauft wurde. Die Brauerei verfiel zusehends, wurde schließlich von einem Aalener Abbruchunternehmen erworben und soll nun dem Erdboden gleichgemacht werden.

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