Königsbronn / Catrin Weykopf Seit 23 Jahren unterstützt Helene Dingler soziale Projekte in Uganda. Im Fokus stehen vor allem Jugendliche, die eine Ausbildung bekommen sollen.

Es vergeht kaum Tag, an dem Helene Dingler nicht in ihr Gartenhaus auf dem Seegartenhof geht und Gestecke bindet. Oder Tonfiguren formt. Oder in der Natur umherstreift und Zweige oder Kräuter sammelt, die später Teil eines kleinen Kunsthandwerks werden. Das Ziel dieser täglichen Arbeit liegt weit weg – oder besser der Zweck, wofür sie das alles macht: in Uganda.

Seit inzwischen 23 Jahren sammelt Dingler Geld für mehrere Projekte in dem zentralafrikanischen Land. Der Erlös aus ihren Verkäufen, aus Tombolas und anderen Benefizaktionen fließt dorthin. Und immer wieder fährt sie selbst nach Uganda, um sich ein Bild zu machen, was aus den geförderten Projekten wird.

Aktuell sind es drei, die ihr besonders am Herzen liegen. Für alle drei bittet Dingler auch über das HZ-Portal „Unsere Hilfe zählt“ um Spenden. Zahlreiche HZ-Leser haben diese Vorhaben bereits unterstützt.

Eines der Projekte ist der Neubau einer Schwestern- und Hebammenschule im nordugandischen Kitgum. Mit Hilfe auch von Spenden aus dem Kreis Heidenheim konnte der Rohbau errichtet werden. Im Januar nun überwies Dingler Geld für Türen und Fenster. „So geht es Schritt für Schritt weiter“, berichtet sie. Unabhängig von dem Bauvorhaben schickt Dingler regelmäßig Pakete mit Verbandsmaterialien, Medikamenten und Operationsbedarf nach Kitgum. Denn diese Dinge sind in dem von Mangelwirtschaft geprägten Land kaum zu bekommen. Obendrein hat der Staat seine Zuschüsse für das Krankenhaus reduziert. Jedes Paket aus Königsbronn wird in Kitgum sehnlichst erwartet, denn sein Inhalt kann helfen, ein Menschenleben zu retten.

Das zweite Projekt hat wie die Hebammenschule die Ausbildung von jungen Erwachsenen zum Ziel. In Gulu, ebenfalls in Norduganda, betreibt ein mit Dingler befreundeter Pater eine Handwerkerschule. Dort werden vor allem ehemalige Kindersoldaten aber auch die Jugend aus den umliegenden Dörfern in praktischen Berufen ausgebildet. Aktuell sind es 300 Azubis. Vergangenes Jahr konnte Dingler dabei helfen, neue Klassenzimmer und ein Labor auszustatten. Letzteres deswegen, weil die Schule in eine ugandische Hochschule integriert werden soll. Zudem konnten Ausbildungsgelder für Waisen und für junge Flüchtlinge aus dem Südsudan beschafft werden, die dadurch eine sechsmonatige Kurzausbildung als Anlernkräfte bekommen und somit eine Chance haben, Arbeit zu finden.

Der dritte Schwerpunkt von Dinglers Arbeit ist die Unterstützung für Bruder Bernhard Hengl im benachbarten Südsudan, ein blutiger Bürgerkrieg ausgefochten wird. Hengl beschafft Nahrungsmittel und verteilt diese unter Flüchtlingen, die im eigenen Land verfolgt werden. Wenn Dingler ihm Geld oder Medizinprodukte zukommen lässt, dann gleicht dieses Unterfangen allerdings einer logistischen Großoperation, die zugleich im Verborgenen stattfinden muss. Denn Waren und Geld direkt in den Südsudan zu schicken, ist unmöglich. Dies funktioniert nur über Umwege, denn Vetternwirtschaft, Korruption und Gewalt würden verhindern, dass die Hilfsgüter bei Hengl ankommen, so Dingler. Doch die Königsbronnerin hat Helfer und Kontakte vor Ort, die das Unmögliche möglich machen. So gelingt es ihr immer wieder, Lieferungen an Hengl hinzubekommen.

„Der Erlös fast aller unserer Aktionen 2018 ging für die Beschaffung von Nahrungsmitteln zu Bruder Bernhard, damit vor allem Mütter mit Babies, Waisen und alte und kranke Menschen eine Chance zum Überleben bekommen“, erklärt Dingler. Im Vergleich zu Uganda sei die humanitäre Lage im Südsudan katastrophal. Hengl berichte ihr regelmäßig in E-Mails von Greueltaten an der Bevölkerung, von Hunger und Not. Gemeinsam mit einer österreichischen Hilfsaktion hat Dingler zudem einen Container auf den Weg gebracht, der Werkzeug, Geräte und Maschinen zum Bau beinhaltet. Er soll demnächst im Südsudan ankommen.

Wer Dingler unterstützen möchte, kann dies über das HZ-Spendenportal „Unsere Hilfe zählt“. Dort sind die Handwerkerschule, die Hebammenschule und die Hilfe für Bruder Bernhard als Hilfsprojekte angelegt, für die man spenden kann. Überdies kann man Dingler selbst treffen, wenn sie am kommenden Samstag, 15. März, an ihrem Stand beim Basar im Foyer des Heidenheimer Klinikums Naturfloristik für den guten Zweck anbietet.

Uganda: Geprägt von jahrzehntelanger Diktatur

35 Millionen Einwohner hat das Land im Herzen von Afrika, das an Fläche um etwa ein Drittel kleiner ist als Deutschland.

Seit 1962 ist Uganda unabhängig. Zuvor stand es unter britischem Protektorat.

Unter der Diktatur von Idi Amin starben in den 1970er-Jahren mehrere Hunderttausend Oppositionelle. In diese Zeit fiel auch die Befreiung von Geiseln eines entführten Air-France-Flugzeugs auf dem Flughafen von Entebbe.

Auch nach Amins Diktatur kam das Land nicht zur Ruhe. Die Verfolgung von Volksgruppen, Terror, Folter und politisch motivierte Ermordungen setzten sich fort.

Bis heute werden Menschenrechte und politische Freiheit nicht gewahrt und das Land autoritär regiert. Weniger als 60% der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Alphabetisierungsrate liegt bei knapp 75%, wobei Frauen deutlich schlechtere Bildungschancen haben. Beim Aufbau von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen spielt die Kirche in Uganda eine wesentliche Rolle.