Herbrechtingen Draufgeblickt (28): Das Merz-Areal vorher und nachher

Herbrechtingen / Günter Trittner 02.09.2018
Im Jahr 2003 feiert die Stadt die gelungene Sanierung des Klosters. Wenige Meter entfernt wird mit der Spinnerei Merz ein industrielles Erbe planiert.

Tiefer reicht die Herbrechtinger Ortsgeschichte nicht als an der Eselsburger Straße. Aufgrund einer Schenkungsurkunde Karls des Großen lässt sich das hier entstandene benediktinische Kloster auf das Jahr 774 datieren. In seiner wechselvollen Geschichte ist das Kloster – eigentlich ein Ort der Besinnung – am Ende auch zu einem zentralen Industriestandort des Ortes geworden. Der Industriepionier Ludwig von Hartmann kauft 1829 die ganze Anlage und richtet hier eine Musterspinnerei ein, die sein Sohn Eduard bis 1909 betreiben wird.

1933 übernimmt der aus Mössingen stammende Textilunternehmer Otto Merz die stillgelegte Spinnerei und macht aus dem Industriedenkmal wieder eine florierende Fabrik. Merz wird zu einem der größten Arbeitgeber am Ort.

Mehrere hundert Menschen finden hier auch in wirtschaftlich kritischen Zeit Lohn und Brot. 1987 schließlich muss der Betrieb geschlossen werden. Zuletzt hatte das Unternehmen ausschließlich Trainingsanzüge gefertigt.

Mit dem kulturellen Erbe geht die Stadt ganz unterschiedlich um. Die erhaltenen Klostergebäude werden aufwendig saniert. Zehn Millionen bringen Land und Stadt gemeinsam auf, um in den historischen Mauern ein modernes Kulturzentrum mit Volkshochschule, Musikschule, Bücherei, Familientreff und Gastronomie zu etablieren. Nach fünf Jahren Bauzeit findet am 13. September 2003 die Einweihung statt.

Ein Wahrzeichen fällt

Der Spinnerei Merz aber blüht der Abriss. Für 1,25 Millionen Mark hatte die Stadt die Anlage erworben. Und während östlich der Klostermauer die Sanierung ihrem Ende zugeht, rücken auf der anderen Seite bereits die Abrissbagger an. Am 27. Februar 2003 fällt mit dem 21 Meter hohen Wasserturm, der bereits von der Spinnerei Hartmann errichtet worden war, ein Wahrzeichen der Stadt binnen zwei Stunden.

Das Ende der Spinnerei Merz ist freilich auch der Beginn einer anderen Geschichte. Die Kreisbau als neue Eigentümerin des Industrieareals investiert hier in ein schmuckes Wohngebiet und seit 2007 findet sich hier das von der Ulmer Gesellschaft Compassio errichtete Seniorenheim Haus Benedikt, das zusammen mit dem Karl-Kaipf-Heim den älteren Bewohnern der Stadt ausreichend Heim- und Pflegeplätze sichert. 14 Millionen Euro haben die Baukosten für das neue Heim betragen.

Integriert wurde in die Anlage das denkmalgeschützte Hofmeister-Wohnhaus, das als Eingang und Verwaltungsbereich die alte Geschichte Herbrechtingens auch hier am Leben hält.

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