Dischingen Dischingen: Suevit ist weiterhin der Stein des Anstoßes

Das am Riesrand vorkommende Gestein Suevit: Der Regionalverband berät heute erneut über eine Vorrangfläche für einen möglichen Abbau bei Hofen.
Das am Riesrand vorkommende Gestein Suevit: Der Regionalverband berät heute erneut über eine Vorrangfläche für einen möglichen Abbau bei Hofen. © Foto: Archiv/Geopark Ries
Dischingen / Klaus Dammann 16.05.2018
Bei der Sitzung des Regionalverbands am heutigen Mittwoch geht es auch erneut um die schon einmal gestrichene Vorrangfläche bei Hofen.

Eigentlich schien die Diskussion um Vorrangflächen für den Abbau des seltenen Gesteins Suevit in einem Areal beim Dischinger Teilort Hofen erledigt: Im April 2017 war die Verbandsversammlung des Regionalverbands Ostwürttemberg mehrheitlich dem Dischinger Wunsch gefolgt und hatte das Hofener Vorranggebiet aus der Fortschreibung des Regionalplans herausgenommen. Doch nach Beanstandungen über die Abwägung steht die Angelegenheit heute erneut auf der Tagesordnung.

Dass Dischingens Bürgermeister Alfons Jakl darüber nicht erfreut ist, ist klar. Von ministerialer Seite aus Stuttgart sei die Entscheidung über die Herausnahme der Flächen beanstandet worden, schildert er. Was ihn allerdings wesentlich mehr aufbringt, ist die Tatsache, dass für den heutigen Mittwoch eigentlich gar kein Sitzungstermin der Verbandsversammlung mit Beschlussabsicht vorgesehen war. Geplant war lediglich eine Sitzung des Planungsausschusses des Regionalverbands mit vorbereitender Beratung – plangemäß würde die entscheidende Verbandsversammlung erst am 13. Juli tagen. Und bei dem heutigen Termin im Landratsamt des Ostalbkreises in Aalen kann er wie auch Landrat Thomas Reinhardt aufgrund anderweitiger amtlicher Verpflichtungen nicht anwesend sein.

Demonstration der Macht?

Jakl ist verärgert über diese Terminwahl. Am 13. Juli habe er zwar auch einen anderen Termin, doch wäre er zunächst zur Sitzung des Regionalverbands gegangen, sagt er. „Ich wäre in jedem Fall dagewesen.“ Bis zuletzt hätten sich er wie auch der Landrat um eine Verlegung bemüht. „Die wollten das nicht. Da wollte jemand seine Macht demonstrieren“, so Jakl.

Thomas Eble, Verbandsdirektor des Regionalverbands, bestätigt, dass die nächste Sitzung des Gremiums ursprünglich für 13. Juli geplant war. Man habe aber viele Gutachten und fachliche Auskünfte zu den örtlichen Gegebenheiten der Flächen bei Hofen eingeholt. Es habe Anhörungen und Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange gegeben. Alle Facetten der Rohstoffsicherung seien beleuchtet worden. Der Ältestenrat des Regionalverbands habe entschieden, dass es nun an der Zeit sei, die Satzung für die Ausweisung der Flächen zu beschließen, und so den heutigen Sitzungstermin festgelegt.

Jakl, selbst Mitglied des Ältestenrats, sieht das etwas anders. Es sei tatsächlich vorgeschlagen worden, die Verbandsversammlung an den Sitzungstermin des Planungsausschusses am 16. Mai anzuhängen. Er habe jedoch gesagt, dass der Termin wegen seiner Teilnahme bei der HVG-Aufsichtsratssitzung für ihn nicht möglich ist. Seiner Ansicht nach sei über den Termin also zwar gesprochen worden, aber keine Festsetzung erfolgt. Wenn der betroffene Bürgermeister nicht da sein kann, könne es so nicht gemacht werden, habe es geheißen. Daher müsse nochmals überlegt werden, erinnert sich das Dischinger Gemeindeoberhaupt an die Besprechung im Ältestenrat.

Drei Tage später habe er eine Einladung für den 16. Mai erhalten, so Jakl. Er habe Verbandsdirektor Eble daraufhin angeschrieben, aber keine Antwort erhalten.

„Es wird nicht besser, wenn man weiter zuwartet“, so Eble. Für Unternehmen sei es wichtig, dass die Rohstoffsicherung im Regionalplan beschlossen wird, denn sie würden darauf warten, um mit ihrem Abbau weiterkommen zu können.

Im Regionalplan seien zum einen Flächen enthalten, die für einen Abbau in den nächsten 25 Jahren vorgesehen sind. Zum anderen würden Gebiete aufgenommen, die für die Zeit danach gesichert werden sollen, um andere Nutzungen auszuschließen. Dies treffe eben auf den Bereich Hofen zu, sagt der Verbandsdirektor. Vor einem eventuellen Abbau würden weitere Prüfungen erfolgen.

Auf die Problematik mit dem neuen Sitzungstermin angesprochen, den der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde nun eben nicht wahrnehmen kann, um seine Sicht der Dinge darzulegen, sagt Eble, dass diese Schwierigkeiten erst im Nachhinein bekannt geworden seien. Und: „Es gibt immer Mitglieder der Verbandsversammlung, die Terminschwierigkeiten haben. Man kann es nie allen rechtmachen, so dass alle da sind.“

Areal bei Hofen verkleinert

In der Planung sei man außerdem Dischingen entgegengekommen. Es seien Flächen herausgenommen und das Areal bei Hofen verkleinert worden, schildert Eble. Dem Punkt, dass in der Härtsfeldgemeinde vielleicht der Eindruck entstehen könnte, man habe den Sitzungstermin so gelegt, dass der „Gegner“ nicht dabei sein kann, widerspricht er deutlich: „Das wäre keine gute Reaktion, weil es so nicht beabsichtigt war.“ Der Termin sei nicht willentlich so festgesetzt worden.

Bürgermeister Jakl glaubt das eben doch: „Was mich ärgert, ist, dass man den Termin so gelegt hat und mir somit nicht die Gelegenheit gibt, nochmals die Meinung der Gemeinde und die Interessen der Bürgerschaft darzulegen. Das finde ich schon richtig hart. Ich bin sauer und bitter enttäuscht von bestimmten Personen.“

Suevit – Entstehung und Verwendung des „Schwabensteins“

Bekannt ist der Suevit als Gestein aus dem Bereich des Nördlinger Rieses. Er fand auch Verwendung beim Bau des dortigen Kirchturms „Daniel“.

Der Einschlag eines Meteoriten ist die Ursache für die Entstehung von Suevit. Dabei vermischen sich Grundgestein, zu Impaktglas erstarrte Schmelzen und verschiedene Minerale, die nur bei extrem hohem Druck und Temperaturen entstehen.

Das poröse Gestein ist leicht zu bearbeiten und findet bis heute Verwendung in der Herstellung von Spezialzementen. Es wird daher in manchen Steinbrüchen abgebaut.

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