Dischingen Dischingen: Neue Arztpraxis gegenüber des Awo-Heims geplant

Auf dem Grundstück gegenüber des Awo-Pflegeheims in Dischingens Ortsmitte soll ein Mehrfamilienhaus mit Arztpraxis und Räumen für die Sozialstation im Erdgeschoss gebaut werden.
Auf dem Grundstück gegenüber des Awo-Pflegeheims in Dischingens Ortsmitte soll ein Mehrfamilienhaus mit Arztpraxis und Räumen für die Sozialstation im Erdgeschoss gebaut werden. © Foto: Entwurfsansicht: Architekt Hüll
Dischingen / Klaus Dammann 10.10.2018
Die Dunstelkinger Firma Gepa plant den Neubau eines Mehrfamilienhauses in Dischingens Ortsmitte. Im Erdgeschoss sind Räume für einen Arzt und die Sozialstation vorgesehen.

Aktuell gibt es in der Gesamtgemeinde Dischingen nur noch eine Arztpraxis von ehemals drei. Insofern beschäftigt die Sorge um die zukünftige medizinische Betreuung der Einwohner sowohl Gemeindeverwaltung wie Gemeinderat. Der praktizierende Mediziner Andreas Polarczyk, der seine für die Patientenzahl zu beengten Räume nach Übernahme der Praxis Eckstein bislang am Seeweg 3 hat, erwarb vor einiger Zeit das historische fürstliche Forsthaus an der Torstraße 15. Dort plante er einen Umbau mit großzügig angelegter Praxis sowie Räumen für die neu in Dischingen ansässige Sozialstation St. Elisabeth. Dieses Vorhaben gilt mittlerweile aber als gescheitert.

Bürgermeister Alfons Jakl schilderte in der Sitzung des Gemeinderats am Montagabend, dass die Auflagen unter anderem des Denkmalschutzes wie auch die Kosten für den Umbau laut Informationen des Arztes nicht zu stemmen seien. Der katholischen Sozialstation habe die Gemeinde daraufhin die Räume des ehemaligen Notariats als Übergangslösung überlassen, so Jakl. Die Suche der Verwaltung nach Möglichkeiten für die Einrichtung einer modernen Praxis habe zuvor kein Ergebnis gebracht, doch jetzt habe sich ein Investor gefunden.

Als Bauherr trete die Firma Gepa Hausbau aus Dunstelkingen auf, berichtete der Bürgermeister. Voraussetzung sei allerdings, dass die Gemeinde das unbebaute Grundstück an der Ecke Grabenstraße/Turnstraße, das derzeit als Parkplatz und zur Aufstellung von Glascontainern genutzt wird, an die Firma verkauft. Ferner müsse die Gemeinde die Erdgeschossräume erwerben, in denen die Arztpraxis und die Sozialstation untergebracht würden, um diese dann an die Nutzer zu vermieten.

Die Planung vorgestellt

Im Gemeinderat erläuterte der Heidenheimer Architekt Roland Hüll die Pläne für das Bauvorhaben. „Wir haben es in der Konzeption Ärztehaus genannt, da die Arztpraxis für uns im Mittelpunkt stand“, sagte Hüll. Die Fläche im auskragenden Erdgeschoss für den medizinischen Betrieb umfasse 280 Quadratmeter, die für die in der westlichen Ecke eingeplante Sozialstation etwa 90 Quadratmeter – beides mit ebenerdigem barrierefreiem Zugang von der Grabenstraße her. Hinzu gehören ein separates Treppenhaus und ein Aufzug. Vor dem Gebäude würden insgesamt vier Stellplätze angelegt.

Im ersten Obergeschoss sind drei Wohnungen von 57 bis 83 Quadratmeter Wohnfläche als Dreieinhalb- bzw. Zweizimmerwohnungen geplant, jeweils mit 45 Quadratmeter Terrassenfläche nach Süden. Die drei Wohnungen im Stockwerk darüber sollen vom Zuschnitt her identisch sein, jedoch statt Terrassen über zurückgesetzte Balkone verfügen. Im Dachgeschoss – das Gebäude erhält keinen Keller – sind Abstellräume für alle Nutzer vorgesehen.

Da es für diesen Bereich in der Ortsmitte keinen Bebauungsplan gibt, wolle man sich mit der Dachform als Satteldach an der baulichen Umgebung orientieren, schilderte der Architekt.

Bürgermeister Jakl betonte anschließend, dass es sich bei dem Vorhaben, in dem die Gemeinde eine wesentliche Rolle als Verkäufer und Käufer spielt, nicht um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handelt. Die ärztliche Versorgung sei jedoch für Dischingen wichtig. Daraus resultiere die Aufgabe, gute Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Arztes zu schaffen. Erster Ansprechpartner sei sicherlich der Mediziner Polarczyk.

Jakl: „Es gibt schon die Angst, dass man keinen Arzt mehr im Ort hätte und dann vielleicht auch keine Apotheke mehr. Es zieht einen Rattenschwanz nach sich.“ Die Sozialstation St. Elisabeth habe ihr Interesse signalisiert, sich in dem Neubau einzumieten.

Ob es theoretisch auch möglich sei, dass ein zweiter Arzt nach Dischingen kommt, erkundigte sich Gemeinderat Hans-Peter Danner. Die Situation sei völlig ergebnisoffen, antwortete Jakl. Gespräche habe es aber mit Polarczyk gegeben – auch über den Mietpreis.

Zwei Förderanträge im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum habe die Gemeinde gestellt, so der Bürgermeister. Für die Arztpraxis seien 20 Prozent Förderung, für die Sozialstation zehn Prozent möglich. Eine Förderung über den Ausgleichsstock werde noch geprüft.

Steigende Verschuldung?

Franz Göttle befand die Umsetzung des Vorhabens als wichtig für Dischingen. Dem pflichteten auch Monika Mai, Stefan Kragler und Reinhold Sporer bei. Anton Scherer schloss sich dem an, hob aber hervor, dass immer mehr Aufgaben auf die Kommune abgeladen würden – von der Schule über den Kindergarten bis zur Ganztagsbetreuung. „Dischingen musste hier Millionen investieren“, sagte er. Jetzt komme das Ärztehaus und angesichts in Gesprächen kursierender Investitionssummen werde die Pro-Kopf-Verschuldung wieder um 150 Euro steigen. Scherer: „20 Prozent vom Land reißt niemand vom Hocker.“

Jakl sah dies ähnlich, nannte hier auch den Breitbandausbau: „Es sind finanzielle Kraftakte.“ Doch könne nichts Schlimmeres passieren, als wenn die ärztliche Versorgung verloren geht. Selbst wenn der letzte Arzt die Gemeinde verlassen sollte, sei es für die Zukunft wichtig, die Räumlichkeiten anbieten zu können. Über Kauf- und Verkaufspreise könne er in öffentlicher Sitzung nicht sprechen, beantwortete er eine Frage Georg Wörners.

Michael Raunecker wies darauf hin, dass das Bauvorhaben nur ein erster Schritt bei der Dorfkernentwicklung sein könne, vor allem im Blick auf das begrenzte Parkplatzangebot. „Wir haben drei Jahre versucht, etwas auf die Beine zu stellen“, so Scherer. Jetzt solle man nicht nochmals drei Jahre brauchen, um eine perfekte Parkplatzlösung zu finden.

Der Gemeinderat votierte dann einstimmig für die vorgelegte Planung des Mehrfamilienhauses mit Praxis und Sozialstation, ebenso für den Verkauf der notwendigen Grundstücke an die Firma Gepa und den Erwerb der Räume im Erdgeschoss. Auf Nachfrage wurden ein Baubeginn im späten Frühjahr 2019, eine Fertigstellung Ende 2020 als möglich genannt.

Arztpraxen in Dischingen

Bis vor ein paar Jahren gab es in der Gesamtgemeinde Dischingen drei Hausarztpraxen mit vier praktizierenden Medizinern. Heute ist es nur noch eine Praxis mit einem Arzt. Andreas Polarczyk, Hausarzt und Chirurg, übernahm die aus Altersgründen schließenden Praxen eine um die andere. Mitte 2013 war dies die Praxis von Dr. Eckstein am Seeweg 3 in Dischingen. Ein Jahr später übernahm Polarczyk den Patientenstamm von Dr. Magalas, dessen Praxis in Eglingen aufgegeben wurde. Im Frühjahr 2017 kamen die Patienten der Hausarztpraxis des Ehepaars Schöneberger in Dischingen für Polarczyk hinzu. Die Doctores Schöneberger hatten trotz längerer Suche keinen Nachfolger für ihre Praxis gefunden, die daher ebenfalls geschlossen wurde. So reduzierte sich die Anzahl der medizinischen Praxen und der Ärzte in der Gemeinde binnen vier Jahren auf eins.

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