Dischingen Der 351-Millionen-Euro-Mann

Seit Monatsbeginn ein Ruheständler: Friedrich Kilacsko – hier an seinem Arbeitsplatz im Rathaus – war 40 Jahre lang Kämmerer in Dischingen und kümmerte sich erfolgreich darum, dass die Finanzen der Härtsfeldgemeinde stimmen.
Seit Monatsbeginn ein Ruheständler: Friedrich Kilacsko – hier an seinem Arbeitsplatz im Rathaus – war 40 Jahre lang Kämmerer in Dischingen und kümmerte sich erfolgreich darum, dass die Finanzen der Härtsfeldgemeinde stimmen. © Foto: Markus Brandhuber
Dischingen / Klaus Dammann 13.08.2018
40 Jahre lang betreute der Neresheimer Friedrich Kilacsko die Finanzen der Gemeinde Dischingen. Eine Menge Geld ist in dieser Zeit durch seine Buchhaltung geflossen. Jetzt ist er im Ruhestand.

Ein Start-Ziel-Sieg ist es quasi, was Friedrich Kilacsko in Dischingen hingelegt hat: Am 2. Mai 1978 begann er nach Ausbildung und Studium seine berufliche Karriere in Diensten der Härtsfeldgemeinde und mit dem Eintritt in den Ruhestand zum August 2018 schloss er sie ab. Knapp über vier Jahrzehnte arbeitete er hier in der Verwaltung als Kommunalbeamter, unter den drei Bürgermeistern Hermann Zeyer, Bernd Hitzler und Alfons Jakl. Und vom Anfang bis jetzt zu seinem Ausscheiden war der 63-Jährige der Mann der Zahlen, denn er kümmerte sich als Kämmerer um die finanziellen Belange Dischingens.

Die Erstellung der Gemeindehaushalte und später auch der Wirtschaftspläne für die Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung waren Kilacskos Hauptaufgabe. Hinzu kam aber vieles mehr wie etwa die Überwachung und Ausführung des Etats während des Haushaltsjahrs, die Erstellung der Abschlüsse, die EDV-Einführung, das Ausarbeiten von Zuschussanträgen oder auch die Betreuung von Vorhaben im Bereich Wasser und Abwasser.

Eine beachtliche Summe Geld ist in diesen 40 Jahren durch die von Kämmerer Kilacsko gepflegte Buchhaltung geflossen: Insgesamt rund 351 Millionen Euro – so seine Berechnung – wurden von ihm gewissenhaft betreut, verwaltet und verplant. Als Amtsleiter hatte er durchschnittlich fünf Mitarbeiter um sich in der Finanzverwaltung. „Als ich angefangen habe, war es in Dischingen vom Altersdurchschnitt her eine der jüngsten Verwaltungen im Landkreis“, erzählt Friedrich Kilacsko.

Heimatstadt Neresheim

Er habe es nie bereut, für die Härtsfeldgemeinde zu arbeiten. „Ich bin mit Dischingen so lange verbunden – fast mehr als mit meinem Heimatort. Das ist etwas, dem ich treu bleiben will“, sagt er. Denn – was mancher vielleicht nicht weiß – Dischingens Kämmerer stammt aus der Nachbarstadt Neresheim und wohnte auch über all die Jahre dort.

Geboren in der Klosterstadt absolvierte er am einstigen Progymnasium die Mittlere Reife und begann 1972 seine Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst bei der Stadt Neresheim, später dann fortgesetzt im Heidenheimer Landratsamt. „Schon damals hat es mich nach Heidenheim gezogen“, meint er lachend. Parallel zur Ausbildung besuchte er bis 1975 einen dienstbegleitenden Unterricht, um die Hochschulreife zu erlangen. Und bis 1977 studierte Kilacsko dann an der Fachhochschule für den Verwaltungsdienst in Kehl.

Als Gemeindeinspektor zur Anstellung hatte der heute 63-Jährige nach dem Wehrdienst vom Jahr 1978 an seinen Arbeitsplatz im Dischinger Rathaus, ab 1980 im zugehörigen Haus Bairle gegenüber. Da der bisherige Kämmerer die Dienststelle gewechselt hatte, stieg Kilacsko gleich in dieser Position ein. Er durchlief weiter die Stufen vom Gemeindeoberinspektor bis zuletzt zum Gemeindeoberamtsrat, zu dem er 2005 ernannt wurde.

Neben der Funktion als Fachbeamter für das Finanzwesen hatte Kilacsko aber eine ganze Reihe von weiteren Ämtern inne. Ebenfalls schon 1978 übernahm er die Aufgabe eines Standesbeamten, ab 2004 fungierte er als Betriebsleiter der beiden Eigenbetriebe. Beim 1979 gegründeten Abwasserzweckverband Härtsfeld war er von Beginn an Kassierer – eine Aufgabe, der er auch weiterhin nachkommen wird. Ebenso seine Mitwirkung im Gutachterausschuss der Gemeinde: Hier hat der 63-Jährige lediglich den Vorsitz abgegeben.

In Kilacskos Ära wurden für zahlreiche große Vorhaben die finanziellen Mittel bereitgestellt und beschafft. Neben dem Bau der Kläranlagen in den Teilorten – „Da mussten die Bürger wegen der großen Höfe schon ordentlich in die Tasche greifen“ – gehören die Egauschule, die Turnhalle in Eglingen, Dorfgemeinschaftshäuser oder auch die Kanalisation in der Fleinheimer Straße dazu. Und in jüngster Zeit natürlich die Sanierung der Ortsdurchfahrt und der Neubau des Hochbehälters Englischer Wald.

Aber Friedrich Kilacsko hat, auch wenn er einen wesentlichen Teil seines Lebens den Dischinger Finanzen widmete, natürlich noch andere Interessen. Der VfB-Stuttgart-Fan ist seit 1980 verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Seinem Geburtsort Neresheim ist er stets treu geblieben, denn er ist im dortigen Vereinsleben verwurzelt und seine Frau Renate stammt ebenfalls aus der Klosterstadt. 1990 wurde ein eigenes Haus gebaut.

Mit dem Fahrrad zum Nordkap

Radfahren gehört zu seinen Hobbys. Und das dürfen dann schon auch anspruchsvolle große Touren sein. Bremen und die Dischinger Partnergemeinde Mittelherwigsdorf in Sachsen waren Ziele. Aber nun, da er als Ruheständler mehr Zeit hat, plant Kilacsko noch Größeres: „Mein Traum wäre, 2019 mit dem Fahrrad zum Nordkap zu fahren.“ Zusammen mit Bekannten sei die 4000- bis 5000-Kilometer-Tour in Planung.

Seit 50 Jahren ist der 63-Jährige dem vereinsmäßigen Tischtennis gewogen. Beim SV Neresheim fungierte er hier auch schon als Abteilungsleiter. Ein jüngeres Interesse gilt dem Tauchen.

Außerdem will sich der Ruheständler natürlich der Familie sowie Aufgaben widmen, die immer liegen geblieben sind. Kilacsko: „Und in Haus und Garten gibt es immer etwas zu tun.“

Die Kämmerei und der Kämmerer

Die Herkunft des Begriffs Kämmerei hat historische Ursprünge. Er geht auf ein Hof- und Klosteramt zurück und stammt vom lateinischen Wort camera, also Kammer, und im Speziellen Schatzkammer. Im Mittelalter bezeichnete man einen Bediensteten an Fürstenhöfen oder den Inhaber eines Klosteramts in Bedeutung eines Finanzbeamten als Kämmerer.

Im Kommunalverfassungsrecht mehrerer deutscher Länder ist der Kämmerer die Amtsperson, die sich neben Bürgermeister oder Landrat um die finanziellen Belange einer Kommune kümmert. Andere Begriffe sind Stadt- oder Gemeindepfleger. Moderner klingt die Bezeichnung Fachbeamter für das Finanzwesen.

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