Frickingen 1,3 Millionen Euro für die Entwässerung

Die alte Katzensteiner Kläranlage (links) wird nach dem Anschluss ans Abwassernetz des Zweckverbands stillgelegt.
Die alte Katzensteiner Kläranlage (links) wird nach dem Anschluss ans Abwassernetz des Zweckverbands stillgelegt. © Foto: Jens Eber
Frickingen / Jens Eber 12.09.2018
In den Teilorten Frickingen und Katzenstein muss die Gemeinde Dischingen in Regenüberlaufbecken und einen neuen Kanal zum Leitungsnetz des Abwasserzweckverbands Härtsfeld investieren.

Voraussichtlich mehr als 1,3 Millionen Euro wird die Gemeinde Dischingen für die Entwässerung von Frickingen und Katzenstein in die Hand nehmen müssen. Viel Geld – und am Ende wird außer einigen neuen Schachtdeckeln kaum etwas zu sehen sein.

„Die Kosten sind erschlagend, aber wir haben wenig Spielraum“, stellte Bürgermeister Alfons Jakl am Montagabend im Frickinger Bürgerhaus fest, nachdem Fachplaner Helmut Kolb die technisch möglichen Varianten im Gemeinderat erläutert hatte.

Spielraum gibt es aus mehreren Gründen nicht: Die Katzensteiner Kläranlage ist technisch veraltet und wurde bereits bei der bis 2017 erfolgten Ertüchtigung der Sammelkläranlage in Dattenhausen gedanklich stillgelegt. Zudem gibt es auf dem Gebiet beider Teilorte mehrere sogenannter „hydraulischer Engpässe“, wie Ingenieur Kolb erklärte. Bei starken Regenfällen wurden etwa auf der Strecke zwischen Frickingen und dem tiefer gelegenen Nachbarort in der Vergangenheit bereits Kanaldeckel angehoben. Dazu kommt, dass es für Frickingen kein technisch geeignetes Regenüberlaufbecken gibt, sodass bei stärkerem Regen auch Schmutzanteile in den Katzenbach gelangen können.

Vier Varianten stellte Kolb dem Rat vor, der sich einstimmig für eine rund 1,3 Millionen Euro teure Planfassung entschied, die in Vorgesprächen auch das Landratsamt Heidenheim bevorzugt hatte. Diese sieht einen 70 Kubikmeter fassenden Neubau für das Regenüberlaufbecken Frickingen vor. Danach soll ab der Abzweigung vom Unteren Weiler in Katzenstein in den asphaltierten Rad- und Feldweg Richtung Härtsfeldsee ein neuer Abwasserkanal gebaut werden. Der bislang unter einer Scheune und dem Katzenbach sowie über ein Privatgrundstück verlaufende Kanal zur Kläranlage wird dagegen stillgelegt.

Auf einer Wiese westlich der Kläranlage soll schließlich ein unterirdisches Regenüberlaufbecken mit 400 Kubikmetern Volumen entstehen, das mit rund 820 000 Euro den Löwenanteil der Kosten verursachen wird. Im Anschluss wird weitgehend auf öffentlichem Grund ein neuer Kanal als Anschluss ans Leitungsnetz des Abwasserzweckverbands Härtsfeld erstellt, der allerdings vom Verband bezahlt werden muss.

Andere Varianten noch teurer

Weitere Planungsvarianten, die beispielsweise eine weitgehende Neuordnung der Kanäle im Unteren Weiler erfordert hätten, schieden wegen der noch deutlich höheren Baukosten aus.

Gemeinderat Anton Scherer (Freier Wählerblock) wollten allerdings wissen, ob es womöglich günstiger sei, den Kanal hin zum neuen Katzensteiner Regenüberlaufbecken auf landwirtschaftlichem Grund zu verlegen. Jakl erwiderte, der Rad- und Feldweg stehe ohnehin auf der Sanierungsliste der Gemeinde. Planer Kolb ergänzte, dass alle 200 Meter Kontrollschächte gebaut werden müssten, die bei Landwirten nicht gerade beliebt seien.

Scherers Fraktionskollege Stefan Kragler erkundigte sich, ob die neuen Leitungen auch für sehr starke Niederschläge ausreichend dimensioniert seien. Kolb bestätigte, man plane zwar Reserven ein, um aber unwetterartige Regenfälle komplett zu puffern, müssten die Becken im zehnfachen Volumen gebaut werden.

Wann genau die Bagger anrücken werden, ist noch unklar, allerdings muss die Gemeinde bis Ende September unter anderem Beihilfeanträge für die geplanten Maßnahmen einreichen.

Abwasserreinigung und die überörtliche Sammelkläranlage in Dattenhausen

Regenüberlaufbecken werden in Mischsystemen benötigt, in denen Regenwasser und Abwässer im gleichen Kanal gesammelt werden. Bei starkem Regen bildet sich im Kanal ein so genannter Spülstoß, der Ablagerungen mit sich bringt. Dieser erste Schwall wird im Überlauf aufgefangen, außerdem werden dort Schwemmstoffe wie etwa Klopapier zurückgehalten. Im Regenfall besteht das ankommende Wasser laut Ingenieur Helmut Kolb fast ausschließlich aus Regenwasser. Ein Teil davon wird zur Kläranlage weitergeleitet, ein weiterer Teil fließt zur Entlastung in ein Gewässer – im Falle von Frickingen und Katzenstein in den Katzenbach.

Die Sammelkläranlage im Ballmertshofener Nachbarort Dattenhausen (Landkreis Dillingen) reinigt die Abwässer aus rund zwei Dutzend Städten und Gemeinden aus den Landkreisen Ostalb, Heidenheim und Dillingen. Der am weitesten entfernte Anschluss liegt mit einer Distanz von 27 Kilometern in Rotensohl. Zwischen 2014 und 2017 wurde die Anlage für rund 3,2 Millionen Euro modernisiert.

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