Heuchlingen Draufgeblickt (31): Die Straße, die ein Problem löste und ein neues schuf

Bis vor einem Jahr musste der Verkehr zwangsläufig durch Heuchlingen hindurch. Die Folge: zu viel Verkehr über eine zu enge Straße. Jetzt gibt es die langersehnte Ortsumfahrung – und neue Probleme
Bis vor einem Jahr musste der Verkehr zwangsläufig durch Heuchlingen hindurch. Die Folge: zu viel Verkehr über eine zu enge Straße. Jetzt gibt es die langersehnte Ortsumfahrung – und neue Probleme © Foto: Archiv/Luftbild Geyer
Heuchlingen / Carolin Wöhrle 04.09.2018
Die Heuchlinger warteten mehr als 50 Jahre auf ihre Umfahrung. Kaum wurde sie fertiggestellt, gab's die ersten Beschwerden.

Es kann wohl keiner behaupten, dass der Wunsch der Heuchlinger über all die Jahrzehnte hinweg ein unbegründeter war: Unzählige Autos und Lkw schlängelten sich Tag für Tag durch den kleinen Ort mit den engen Kurven. Lärm, Dreck, Unfälle. Die Heuchlinger hatten genug davon und forderten eine Ortsumfahrung. Sie forderten und forderten – und mehr als fünf Jahrzehnte lang wurden diese Forderungen von der Landespolitik zwar gehört, aber eben nicht erfüllt.

„45 Jahre dauernder Eiertanz“

Bis zum 8. Oktober 2016: Da wurde endlich Spatenstich gefeiert. Ein Ereignis, das viele wohl gar nicht mehr für möglich gehalten hatten, zumal Verkehrsminister Winfried Hermann erst 2011 bei einem Besuch in Heuchlingen wenig Hoffnung auf eine Umfahrung gemacht hatte.

Bürgermeister Roland Polaschek, der wie die Heuchlinger weiter kämpfte, fand beim Spatenstich auch entsprechend deutliche Worte in Richtung Ministerium: „Mir ist ein klar begründetes Nein lieber als ein 45 Jahre dauernder Eiertanz.“ Der Minister war übrigens nicht beim Festakt dabei, er war kurzfristig erkrankt.

Fast exakt ein Jahr sollten die Bauarbeiten dann dauern: Am 4. Oktober 2017 wurde die neue, 2,5 Kilometer lange Ortsumfahrung samt neuem, vorgelagerten Kreisverkehr eingeweiht.

Die Freude darüber, sie währte erstaunlich kurz – zumindest bei einigen Heuchlingern und Dettingern. Nicht einmal einen Monat nach der Freigabe erreichten die ersten Leserbriefe die HZ-Redaktion, in denen Lärmschutzmaßnahmen gefordert wurden. Eine Bürgerinitiative aus Heuchlinger und Dettinger Anwohnern formierte sich.

Das Problem ist eines, das auch das zuständige Regierungspräsidium eingestanden hat: Auf einem knapp 300 Meter langen Teilstück der neuen Straße ist der Belag wohl fehlerhaft. Zu rau, zu laut. Die Anwohner fühlen sich gestört. Auch von Rasern – auf vier und auf zwei Rädern –, die die neue gerade Strecke gerne als Rennstrecke benutzen würden.

Die Forderung: Tempo 70 und bauliche Lärmschutzmaßnahmen. Dem erteilte das Landratsamt aber schnell eine Absage: 4000 Fahrzeuge befahren die Straße täglich – zu wenig für ein Tempolimit. Die Grenze liege hier bei der doppelten Anzahl. Zudem hätten Geschwindigkeitsmessungen ergeben, dass kaum jemand die erlaubten 100 km/h überschritten hätte. Und auch die Lärm-Grenzwerte werden, laut Regierungspräsidium, eingehalten.

Die Bürgerinitiative hat ungeachtet dessen angekündigt weiterzukämpfen. Und warum auch nicht? Die Erfahrung hat gezeigt: Hartnäckig zu bleiben, kann sich auf der Alb auszahlen. Auch wenn's am Ende fünf Jahrzehnte dauert.

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