Stetten Die Stettener Ritter laden zum Turnier ein

Noch ist der Turnierplatz bis auf die Katapulte und den Belagerungsturm leer. Am Wochenende werden sich hier die edlen Württemberger Ritter aus Stetten im Kampf messen.
Noch ist der Turnierplatz bis auf die Katapulte und den Belagerungsturm leer. Am Wochenende werden sich hier die edlen Württemberger Ritter aus Stetten im Kampf messen. © Foto: Patrick Vetter
Stetten / Patrick Vetter 25.07.2018
Beim 26. Wettstreit kreuzen am Wochenende in und um das Rittergut in Stetten wieder die edlen Recken ihre Schwerter. Hinzu kommt der traditionelle Mittelaltermarkt.

Noch ist es ruhig und friedlich auf dem Turnierplatz vor dem Rittergut Stetten. Am kommenden Wochenende wird sich das ändern. Dann splittern hier wieder die Lanzen der edlen Ritter, brennende Heuballen werden von Katapulten abgefeuert durch die Luft fliegen und Zofen und Hofdamen werden den Rand des Platzes säumen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren für das 26. Turnier der Württemberger Ritter.

Mittelalterliche Musikanten

Los geht es am Freitag, 27. Juli, um 18 Uhr mit dem Markt, bei dem möglichst originalgetreue mittelalterliche Waren angeboten werden. Eine halbe Stunde später findet zur Eröffnung eine Führung statt. Über das Wochenende treten die Musikgruppen „Zechpreller“ und „Irregang“ und die Künstlergruppe „Pampatut“ im Innenhof des Ritterguts auf.

Eine lokale Hintergrundgeschichte umrahmt das Turnier

Die Hintergrundstory für das Mittelalterfest bildet diesmal eine erdachte Geschichte mit lokalem Bezug, laut der Pilger über den in der Nähe vorbeiführenden Jakobsweg eine Reliquie in das Kloster Herbrechtingen tragen sollen. Anlass genug für den Abt, ein großes Fest zu geben, das am Freitagabend um 21 Uhr in einem feurigen Turnier seinen Höhepunkt findet.

Aufwendige Feuershow

Die Feuershow wird von zirka 25 Mitgliedern der Ritterschaft organisiert. Einer davon ist der Knappe William Maes. Jede Woche trainiere die Feuergruppe einmal für die Show – schon das ganze Jahr. Für das Turnier seien sie bestens vorbereitet. „Zwei Leute haben sogar die Musik selbst komponiert“, so Maes. Kurz vor dem Auftritt gelte es nur noch die Pui, die Fackeln, mit Petroleum zu tränken und sich zu sammeln und zu beruhigen, denn ein Risiko bleibe bei der Feuerkunst. „Ich brauche dann immer einen Ohrwurm, das ist wichtig“, erklärt der Knappe. Größere Verletzungen gebe es bei den Feuerspielen aber eigentlich nie.

Beim Familientag können Kinder die Knappenausbildung absolvieren

Wenn die Feuer erloschen sind und nachdem die Ritter im Heerlager ausruhen konnten, geht es am Samstag um 12 Uhr mit dem Familientag weiter. Neben der Knappenausbildung, den Narren und dem Märchenerzähler wird es ein Kinderturnier (15.30 Uhr) geben, auch umrahmt von einer Geschichte: Ritter Kunerich von der Hermaringer Güssenburg behandelt seine Töchter sehr schlecht. Nun liege es bei einem jungen Ritter, die Jungfern und ihre Ehre zu retten.

Turnier um die Reliquie

Am Samstagabend um 21 Uhr werden beide Geschichten zusammengeführt: Ritter Kunerich stiehlt die Reliquie. In einem Turnier soll nach Verhandlungen der Eigentümer der religiösen Kostbarkeit bestimmt werden. Neben Reitern und Mannen am Boden kommen auch Bogenschützen und die Katapulte zum Einsatz. „Egal wie es ausgeht, am Ende wird es wohl eine große Schlacht geben“, sagt die Dame Jutta Maria Güssin von Hermaringen voraus, die außerhalb des Turniers den Namen Jutta Maier trägt.

Am Sonntag klingt das Wochenende mit einem Feldgottesdienst, dem Bogenschützenturnier (12 Uhr) und einer Wiederholung des Turniers um die Reliquie (15.30 Uhr) aus. Die Falknerei Garuda zeigt an allen Turniertagen Flugshows: Freitag um 19 Uhr, Samstag 15 und 18.30 Uhr, Sonntag 15 und 17 Uhr. Turnierende ist um 19 Uhr.

Die Helfer schlafen auf dem Gut

Schon eine Woche vor Turnierbeginn packen knapp 50 Leute mit an, um die Tribüne und Zelte aufzubauen, Wege abzustecken und die Zeitreise am Wochenende möglich zu machen. Rund 20 Rittersleute kümmern sich die Woche über noch um die Feinheiten und campieren sogar auf dem Gelände. Die mittelalterlichen Gewänder werden erst am Wochenende angelegt. „Viele tragen beim Aufbau aber einen gefiederten Hut“, schildert William Maes.

Echte mittelalterliche Rezepte

Für das große Turnier müssen nur noch Parkplätze, die Ehrentribüne und die Technik vorbereitet werden. Lautsprecher und Headsets sind beim Turnier notwendig, aber im Heerlager, in dem 450 mittelalterlich gewandete Bewohner erwartet werden, ist moderne Technik tabu. Hier sprechen sich alle die drei Tage lang mit mittelalterlichen Namen an, trinken aus Holzbechern und es wird nach echten alten Rezepten über dem Feuer gekocht. „Es geht darum, ein paar Tage abzuschalten und runterzukommen“, sagt die Güssin von Hermaringen.

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