Steinheim / Carolin Wöhrle Längst haben sich die Erwartungen der Nutzer auch an kleinere Ortsbibliotheken geändert. Um diesen gerecht werden zu können, hat sich die Steinheimer Ortsbibliothek mit Hilfe von Fördergeldern neu eingerichtet.

Reinkommen, Buch ausleihen, rausgehen: So mag es vielleicht früher einmal in den Ortsbibliotheken zugegangen sein. Doch die Bibliothekare auch in den kleinsten Bibliotheken sind sich sicher: Diese Zeiten sind vorbei.

Das war auch in Steinheim klar, dennoch hatte man sich hier zur Bestätigung die dezidierte Meinung der Nutzer eingeholt: 2017 wurde eine Besucherumfrage gestartet. Das Ergebnis: Die Kunden erwarten heutzutage mehr. Die Bibliothek soll ein Ort sein, an dem man sich gerne länger aufhält, der technisch gut ausgestattet ist und dessen Bestand auf dem neusten Stand ist.

In Steinheim stellte man daraufhin einen Antrag auf Fördermittel aus dem Leader-Programm. Ende November 2018 kam dann die gute Nachricht: Der Antrag wurde genehmigt, 6840 Euro von 11 400 Euro wurden übernommen.

Lesungen und Bastelnachmittage

Von dem Geld wurde in Steinheim zunächst einmal ausgemistet und umgeräumt – zu eng und übersichtlich ging es zwischen all den Regalen zu. Für die kleinen Besucher wurde im vorderen Bereich eine großzügige Sitzecke eingerichtet. „Es kommen am Freitagnachmittag häufig Eltern, die ihren Kindern vorlesen“, sagt Christiane Jooss, die gemeinsam mit Irmgard Schäfer und Marion Vrba-Braun in der Bibliothek arbeitet.

Häufiger finden mittlerweile auch Autorenlesungen in der Bibliothek statt. Einmal im Monat gibt es außerdem den „Treffpunkt Bibliothek“. „Hier wird in drei Gruppen gelesen, gebastelt und gespielt“, sagt Jooss. Extra für die Kleinen wurden zudem 50 Tonie-Figuren angeschafft, Spielfiguren, die, wenn man sie auf eine kleine Lautsprecherbox setzt, den Kindern vorlesen. „Wir haben drei Boxen im Verleih, alle sind derzeit weg“, sagt Jooss.

Die Zahl der Ausleihen in Steinheim sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Dass nur weniger Kilometer entfernt die große Heidenheimer Stadtbibliothek eröffnet hat, hat offenbar keine negativen Auswirkungen auf die Nutzerzahlen in Steinheim. „Im Gegenteil“, sagt Jooss: „Wir haben den Eindruck, dass durch die neue Stadtbibliothek ein neues Bewusstsein dafür geschaffen wurde, was eine Bücherei alles sein kann. Heidenheim klaut uns nicht das Geschäft, sondern belebt es.“

Für Jugendliche soll die Ortsbücherei ebenfalls ein Treffpunkt werden: Im hinteren Bereich der Bibliothek wurde eine größere Sitzecke eingerichtet, in der sie gemeinsam für die Schule lernen und recherchieren können. Zudem gibt es einen neuen PC-Arbeitsplatz. „Hier geht es auch um Chancengleichheit“, sagt Jooss. „Menschen, die keinen PC oder Internetanschluss zu Hause haben, sollen hier genauso arbeiten können wie alle anderen auch.“

Technisch aufgerüstet wurde zudem mit einem Laptop, einem Beamer, einer Leinwand und drei E-Book-Readern zum Verleih.

War’s das nun erstmal? „Irgendwann einmal hätten wir gerne mehr Platz“, sagt die Steinheimer Hauptamtsleiterin Beate Jung: „Das liegt momentan natürlich noch in weiter Ferne, aber es ist ein großer Wunsch. Und wünschen kann man es sich ja.“