Verein Die Nachwuchssaat geht auf

Janine Schulz und Yvonne Haberhauer leiten die Kindergruppe des Obst- und Gartenbauvereins. Vor wenigen Tagen wurden im Lehrgarten Radieschen, Karotten und Kürbisse ausgesät und Pflänzchen von grünem Salat gesetzt.
Janine Schulz und Yvonne Haberhauer leiten die Kindergruppe des Obst- und Gartenbauvereins. Vor wenigen Tagen wurden im Lehrgarten Radieschen, Karotten und Kürbisse ausgesät und Pflänzchen von grünem Salat gesetzt. © Foto: Foto: Rudi Weber
Herbrechtingen / Günter trittner 27.05.2013
88 Jahre ist der Herbrechtinger Obst- und Gartenbauverein alt. Mit 400 Mitgliedern ist er der größte unter seinesgleichen im Kreisgebiet. Und: „Äußerst ungewöhnlich“, meint Vorsitzender Horst Ebert.

Beate Kuhn, die Vorgängerin im Amt des Vorsitzenden hatte den Anstoß zu einer eigenen Nachwuchsgruppe gegeben – und seither gibt es neben den älteren fachkundigen Obst- und Gartenbauern auch jüngere, die es lernen wollen. „Ohne Kinder- und Jugendgruppe wäre unser Altersdurchschnitt über 60 Jahre“, spricht Ebert eine Entwicklung an, die viele Vereine bewegt: die Überalterung.

Für den Obst- und Gartenbauverein, der während der Weimarer Republik in Zeiten extremer wirtschaftlicher Not gegründet worden war, um als Selbstversorger besser über die Runden zu kommen, braucht es heute neue Perspektiven, um in einer Welt der Fülle und Allverfügbarkeit das Säen und Ernten, die Pflege von Pflanzen und Kulturen vermitteln zu können. Dem Obst- und Gartenbauverein hilft dabei der 2008 eröffnete Lehrgarten vis a vis dem Stockbrunnen. Dieser ist für die Kinder ein Lernort, aber auch eine Spieloase. „Die Mischung macht es“, weiß Ebert. Nach einer Stunde Theorie wird zwei Stunden gespielt.

Nachdem auch die „Kalte Sophie“ im Kalender abgehakt war, haben die Kindergruppenleiterinnen Janine Schulz und Yvonne Haberhauer das Aussäen von Karotten, Radieschen, Kürbissen und Grünem Salat auf den Dienstplan im Garten geschrieben. An „ihrem“ Beet, für das sie eine Patenschaft übernommen haben, sind die „Wilden Bienen“ wie sich die Kindergruppe nennt, mit großem Eifer dabei. Und weil just an diesem Tag die elektrische Pumpe nicht so mag, holen sie sogar unverdrossen mit den Gießkannen das nötige Wasser. Wenn alles gut geht, gibt es passend zu Halloween eigene Kürbisse zum Gesichterschnitzen. Und vorher schon einiges Gesunde zum Essen. Selbst angebaut.

Yvonne Haberhauer gibt es offen zu. Als Kind hätte sie sich das für sich nicht vorstellen können. Beide Leiterinnen kommen eigentlich aus der kirchlichen Jugendarbeit und sind vor zwei Jahren über Bekanntschaften zum Obst- und Gartenbauverein gekommen. Doch auch den Anleiterinnen macht die Tätigkeit im Garten inzwischen großes Vergnügen. Einmal pro Monat kommt man zusammen. Zu selten? „Wir haben es mit zwei Treffen pro Monat probiert“, sagt Ebert. Aber dabei habe die Zahl der Absenzen zugenommen. So aber freuten sich die Kinder auf die monatlichen Nachmittage mit eigenen Schwerpunkten. So wird etwa ein Imker besucht, ein Waldspaziergang unternommen, Saft gepresst oder ein Bauernhof besucht. Winters wird gebastelt, die Älteren kochen Marmelade von ihren Beerensträuchern im Lehrgarten ein, die dann am Weinfest des Vereins verkauft wird. Als Unterkunft dienen das Haus am Stockbrunnen, das im Eigentum der Stadt steht, oder das Jugendhaus und das Vereinszimmer in der Oskar-Mozer-Halle. Ein Blick auf die Kindergruppe zeigt aber auch: Es sind mehr Mädchen als Jungs, die da an den Beeten stehen. „Es herrscht ein Defizit“, weiß Ebert.

Aber auf eine andere Weise scheint die Rechnung des Vereins aufzugehen. Viele der Mitwirkenden in der Kindergruppe stammen nicht aus den Reihen des Vereins, sind nicht Kinder oder Enkel von Vereinsangehörigen. „Man braucht keinen eigenen Garten, um bei uns mittun zu können“, hofft Ebert über die Kinder auch deren Eltern für ein Mitwirken im Verein gewinnen zu können. Das sich wie bei den Kindern nicht nur aufs Gärtnern beschränkt. Es wird beim Obst- und Gartenbauverein auch generationenübergreifend gefeiert. Am 30. Juni steht das Gartenfest an.