Söhnstetten Die Historischen Baustoffe Ostalb handeln mit Geschichte

Ein Licht geht auf: Die Lampenabteilung reicht von Kronleuchtern bis zu schlichten, moderneren Modellen - quer durch die Jahrhunderte.
Ein Licht geht auf: Die Lampenabteilung reicht von Kronleuchtern bis zu schlichten, moderneren Modellen - quer durch die Jahrhunderte. © Foto: Christian Thumm
Söhnstetten / Carolin Wöhrle 14.04.2018
Schon mal visuell überfordert gewesen? Wer wissen will, wie sich das anfühlt, könnte beispielsweise einmal die Historischen Baustoffe Ostalb auf dem Gerstetter Berg in Söhnstetten besuchen.

Schier unglaublich sind die Dimensionen dessen, was sich hier über die Jahre angesammelt hat: Martin Häberle ist Inhaber der Historischen Baustoffe Ostalb. Er fährt von Abriss-Baustelle zu Abriss-Baustelle auf der Suche nach kleinen und großen Schätzen: Möbelstücke, Lampen, Türen, Treppen, Balken, Böden, Fließen, Dachziegel.

Wer etwas Besonderes für sein eigenes Zuhause sucht, wird hier fündig – vorausgesetzt er sieht den Wald vor lauter Bäumen noch. Zwischen 7000 und 8000 Einzelstücke hat Häberle mittlerweile – schätzt er. So ganz genau weiß er das selbst auch nicht. Wer allerdings ein heilloses Chaos erwartet, wird eines Besseren belehrt. Eine extra Abteilung für jede Art von Baustoffen gibt es. Die Türen stehen aufgereiht nebeneinander, die Lampen haben ihr eigenes Stockwerk im Ausstellungsgebäude.

Selbst das Gebäude ist historisch

Und ja, selbst das Gebäude an sich ist etwas ganz Besonderes: 2009 baute Häberle mit seinem Team Schritt für Schritt und Stein für Stein die damals schon 145 Jahre alte Schreinerei der Schwäbischen Hüttenwerke in Königsbronn ab und in Söhnstetten wieder auf – und das innerhalb weniger Monate. Heute ist das alte Fachwerkgebäude gewissermaßen das Herzstück von Häberles Betrieb.

Über Holztreppen geht es darin von einem Stock in den nächsten und in jedem einzelnen reihen sich die Raritäten aneinander. Wer sich alles mal ansehen möchte, sollte sich schon einen halben Tag Zeit nehmen – mindestens.

Häberles Kunden kommen hauptsächlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber auch nach Ibiza, Japan und New York hat er schon Stücke verschickt. Viele Privatleute und Architekten suchen bei den Historischen Baustoffen nach besonderen Schätzen, aber auch Gastronomen kaufen viel bei Häberle ein.

Manche haben bereits eine genaue Vorstellung, wenn sie nach Söhnstetten kommen, andere wollen sich vor Ort inspirieren lassen. Ein immer größer werdender Teil der Kundschaft bekommt die Stücke vor dem Kauf live gar nicht zu sehen: Rund 1200 Artikel finden sich mittlerweile auf der Homepage der Historischen Baustoffe. Was Häberle aufgefallen ist: „Seit ein paar Jahren kommen immer mehr Leute, die in Neubauwohnungen leben und etwas Besonderes wollen.“

Kokurrenz? Ein wenig.

Der 50-Jährige ist freilich nicht der Einzige in Deutschland, der mit historischen Baustoffen handelt. 31 Mitglieder habe der offizielle Verband. Konkurrenten? „Ja, gewissermaßen schon“, meint Häberle. „Im Grunde genommen sind wir aber alle Brüder im Geiste.“ Und: Jeder, der mit historischen Baustoffen handelt, hat auch sein eigenes Spezialgebiet. Bei Häberle sind das ganz klar die Lampen.

Die haben es ihm angetan und mittlerweile hat er mehr als 1000 auf Lager. Angefangen hat diese Leidenschaft mit dem Abbruch des Firmengebäudes von Ploucquet in Heidenheim, wo Häberles Team etliche alte Lampen auf dem Dachboden entdeckte. „Ich hab' zehn Jahre lang in den Abriss-Gebäuden nicht an die Decke geguckt. Dann kam Ploucquet“, erzählt er. Seitdem kamen Hunderte weitere Leuchten dazu: „Andere sammeln halt Briefmarken.“

Nicht immer sind die Baustoffe in einem guten Zustand. Wenn es um Holz geht, ist das kein großes Problem. Das wird in der betriebseigenen Schreinerei vom HBO-Team selbst erledigt. Für vieles andere hat Häberle einen Schmied an der Hand.

Es gibt auch Unverkäufliches

Während etwa alte Haustüren und Lampen immer gut gehen, hat Häberle auch ein paar Skurrilitäten auf Lager, die wohl noch auf besondere Liebhaber warten: eine chinesische Tür, die nie verbaut worden ist, in Crailsheim aber auf einem Dachboden gefunden wurde. Ein alter Filmvorführautomat aus dem Schlosstheater Eislingen. Eine Lampe, die Häberle aus einer alten Schulsirene gebaut hat. Ein alter Jugendstil-Zirkuswagen.

Und dann wäre da noch der kleine Pavillon mit den filigranen Elefanten-Verzierungen, der auf der Terrassenfläche vor der „Russenschule“ steht. „Feinster Jugendstil“, sagt Häberle. „Der wurde 1898 für die Weltausstellung in Paris gefertigt.“ Über mehrere Umwege kam der Pavillon irgendwann einmal aufs Gelände der HBO, wurde dort liebevoll restauriert und hat seinen ganz besonderen Platz bekommen.

Und hier wird auch eines deutlich: Häberle mag Geschäftsmann sein, vor allem aber ist er ein Sammler mit Blick und Herz für besondere Stücke, die ihre ganz eigene Geschichte mitbringen. „An so etwas wie den Pavillon“, sagt er, „gerät man nur einmal im Leben.“

Er bleibt unverkäuflich.