Herbrechtingen Spedition Schwarz: auch auf der Datenautobahn unterwegs

Oliver Ocker ist bei Schwarz der Mann für das Digitale. Er ist Geschäftsführer von Dilos.
Oliver Ocker ist bei Schwarz der Mann für das Digitale. Er ist Geschäftsführer von Dilos. © Foto: privat
Herbrechtingen / Günter Trittner 05.09.2018
Die Firmengruppe Schwarz versteht sich auf digital gesteuerte Logistikprozesse. Sie möchte nun ihr Wissen über eine eigene Firma für die Branche und darüber hinaus fruchtbar machen.

Die Spedition Schwarz setzt nicht nur Lkw auf die Straße, sie ist auch auf der Datenautobahn zügig unterwegs. Logistik 4.0 ist am Standort an der Robert-Bosch-Straße in der gesamten Schwarz-Gruppe kein Schlagwort, sondern gelebte Wirklichkeit. Seit 2008 steuert man die Prozesse mit einem eigenen SAP-System.

Auf dieser Basis hat Schwarz selbst weitere Entwicklungen in der elektronischen Datenverarbeitung vorangetrieben, um den Transport besser lenken und die Kunden sicherer bedienen zu können. Bei Schwarz allein fahren mittlerweile 500 Mitarbeiter 300 Lkw, davon 230 eigene Zugmaschinen.

Alle fünf Minuten aktuell

Papier, E-Mail, Telefon: Das waren die gängigen Medien, um Transporte von A nach B zu lenken. Am Steuer war der Fahrer zwar sein eigener Herr, aber auch Knecht aller widrigen Verkehrsverhältnisse.

Heute übermittelt eine Telematikeinheit an Bord eines jeden Lkw in Echtzeit die Geoposition jedes Fahrzeugs und dessen Fahrbewegung an die Schwarz-Zentrale. Alle fünf Minuten wird der Stand aktualisiert. Dies gilt auch für die Berechnung, wann der Lkw beim Kunden eintreffen wird.

Auch Staus sind einkalkuliert

Ins elektronische Kalkül aufgenommen sind dabei Verkehrsdichte, Staus, Baustellen und sogar Lade- beziehungsweise Entladezeiten bei Zwischenstopps. Die unverzügliche Rückmeldung bei Störungen hilft dem Disponenten, schnell einzugreifen. „Bei 400 Transporten am Tag ist das heute händisch kaum mehr zu leisten“, weiß Geschäftsführer Oliver Ocker, der bei Schwarz für den Bereich Digitale Lösungen zuständig ist. Zumal man bei all den Unwägbarkeiten noch die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer mit bedenken müsse.

Neuer Geschäftszweig

Aus seinen Erfahrungen mit digitalen Lösungen hat Schwarz jetzt einen eigenen Geschäftszweig gemacht. Dilos (Digital Logistik Solutions) heißt die dafür gegründete GmbH. Einen Anlass dazu gaben interessierte Nachfragen diverser Partner der Spedition Schwarz. „Können wir diese Lösung auch implementieren?“, zitiert Ocker eine vielgehörte Frage.

Zugriff für den Kunden

Der andere war die Erkenntnis bei Schwarz, dass die digitale Steuerung des Warenflusses erst dann richtig Sinn macht, wenn auch der Kunde sowie dessen andere Dienstleister Zugriff auf diese Daten haben und danach ihre Planung vornehmen oder korrigieren können. „Planung wird erst dann effizient, wenn die Daten für alle Beteiligten einsehbar sind“, sagt Ocker. Mit Dilos öffnet Schwarz seinen Kunden den gesamten „Topf“ an Daten und Know-How. „Dilos löst Probleme“, sagt Ocker. Die Digitalisierung der Logistik mache die ganze Lieferkette einfacher und sicherer, erspare Zeit und schone die Umwelt allein durch die Vermeidung von Leerkilometern und unnötigen Verbrauch von Treibstoff. Für den Versender und den Kunden werde der Transport transparenter, Störungen würden sofort bekannt, beide Seiten könnten ohne Verzug reagieren, wissen, wann der Lkw definitiv an der Rampe ist. Der Platz muss nicht unnötig freigehalten werden.

Weitere Dienstleistungen

Die gewonnene Erfahrung im IT-Bereich nutzt Dilos aber auch, um Kunden spezielle Dienstleistungen anzubieten, wenn bislang auf Papier begleitete Prozesse in die Daten-Cloud verlagert werden sollen. Das Spektrum reicht von der allfälligen Kontrolle der Gültigkeit der Führerscheine der Lkw-Fahrer bis zur Runde des Wachdienstes, die nicht länger auf einem Begleitzettel abgehakt, sondern mittels drahtloser Datenübertragung zwischen Chip und Smartphone dokumentiert wird.

Schlummernde Potenziale

„Kein Schritt wird mehr vergessen, jeder wird dokumentiert“, beschreibt Ocker, die Vorteile, welche die App von Dilos mit sich bringt. Mit dieser App lassen sich eine eine Fülle von Anwendungen im Logistikbereich digital abbilden, deren Funktionen den Kundenwünschen folgend individuell zusammengestellt werden. „Wir zeigen schlummernde Potenziale“, sagt Ocker, der damit einen weiteren Bereich der Dilos-Aktivitäten antippt. Schwarz möchte auch Unternehmen in Logistik 4.0 beraten.

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