Sorgen Die Feuerwehr hat keine Zeit mehr zum Träumen

Im Rahmen der Kommandanten-Dienstversammlung in Heuchlingen wurde Manfred Wiedenmann (Steiff-Werkfeuerwehr) für 25 Dienstjahre mit dem Feuerwehrkreuz des Landes in Silber ausgezeichnet. Für 40 Jahre ziert die Auszeichnung in Gold die Uniform von: Richard Schmid, Eugen Schmidt (beide Ballmertshofen), Gregor Mack (Eglingen), Rolf Großhalbe (Herbrechtingen) und Helmut Wiedenmann (Hausen). Mit im Bild sind Kreisbrandmeister Rainer Spahr (rechts) und Bezirksbrandmeister Frieder Lieb (links) aus dem Regierungspräsidium Stuttgart.
Im Rahmen der Kommandanten-Dienstversammlung in Heuchlingen wurde Manfred Wiedenmann (Steiff-Werkfeuerwehr) für 25 Dienstjahre mit dem Feuerwehrkreuz des Landes in Silber ausgezeichnet. Für 40 Jahre ziert die Auszeichnung in Gold die Uniform von: Richard Schmid, Eugen Schmidt (beide Ballmertshofen), Gregor Mack (Eglingen), Rolf Großhalbe (Herbrechtingen) und Helmut Wiedenmann (Hausen). Mit im Bild sind Kreisbrandmeister Rainer Spahr (rechts) und Bezirksbrandmeister Frieder Lieb (links) aus dem Regierungspräsidium Stuttgart. © Foto: Foto: Klaus-Dieter Kirschner
Kreis Heidenheim / Klaus-Dieter Kirschner 20.05.2013
Nachwuchssorgen plagen Kreisbrandmeister Rainer Spahr: "Wir müssen uns mit allen Fakten auseinandersetzen und alles in unserer Macht stehende tun, damit das System Freiwillige Feuerwehr gestärkt und stabilisiert werden kann", sagte er.

Bei dieser Veranstaltung in der Gemeindehalle standen die Sorgen im Vordergrund, wie es denn weitergehen wird mit all dem freiwilligen Engagement bei der Feuerwehr, im Roten Kreuz oder beim Technischen Hilfswerk angesichts rückläufiger Kinder- und Einwohnerzahlen. Wichtig war es Rainer Spahr, vor allem jenen Unternehmern zu danken, die (noch) ein Herz für die Feuerwehr haben und ihre Beschäftigten im Alarmfalle zum Einsatz wegrennen lassen: „Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar.“

Um die absehbaren Probleme der Zukunft lösen zu können, sieht Spahr kein Patentrezept, das man aus irgendeiner Schublade ziehen könne. Allerdings habe die Feuerwehr mit der Kinder- und Jugendarbeit „sich wertvollsten Rohstoff gesichert“. Aus der Jugendfeuerwehr gewinne man die meisten Nachwuchskräfte. Er befürwortete eine gezielte Imagekampagne, die die Feuerwehren allerdings kaum aus der Kameradschaftskasse finanzieren können und daher auf die Hilfe von Landkreis, Städte und Gemeinden hoffen: „Unser aller Ziel muss es sein, das Ehrenamt wieder attraktiver zu machen: Es muss wieder etwas zählen, bei der Feuerwehr zu sein!“

Zu einem funktionierenden Ehrenamt zählt der oberste Feuerwehrmann im Landkreis eine ? auf die verschiedenen Einsätze konzipierte Einsatzkleidung; ? moderne Fahrzeug- und Gerätetechnik und eine ? bedarfsgerechte Unterbringung der Feuerwehr; sowie ? qualifizierte Aus- und Fortbildung, ? eine ausreichende Finanzausstattung und eine ? moderne Kommunikationstechnik für die Alarmierung und die Einsatzlenkung.

Rainer Spahr: „Bei vielen dieser Punkte ist das Ziel Dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Verwaltungen erreicht. Wir können positiv nach vorne blicken.“

Bei der Kommunikationstechnik könne man das nicht. Seit Jahren warte man auf die Einführung des Digitalfunks. Es stelle sich die Frage, ob 20 Jahre nach der ersten Planung der Digitalfunk überhaupt noch zeitgemäß sei. Die Topographie in Ostwürttemberg mache die Einführung eines eigenen Funknetzes für die Alarmierung erforderlich.

Im Schlusssteil seiner Rede würdigte Spahr die vorausschauende Politik des Kreisfeuerwehrverbandes und erwähnte stellvertretenden den Workshop „Feuerwehr der Zukunft“ in Bartholomä. Allerdings klagte Spahr über den Zeitgeist: „Viele Menschen denken nur noch an sich selbst und hegen immer höherer Erwartungen an die Gesellschaft... Die älteste aller bürgerschaftlichen Organisationen in unserem Land waren die Feuerwehren. Sie sind schon immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Einhergehend mit dem Wandel in der Gesellschaft wird es auch einen Wandel in den Feuerwehren geben. Die althergebrachten Werte werden bröckeln und das Anspruchsdenken zunehmen. Wer kann dies alles in der Zukunft bezahlen?“

Bezirksbrandmeister Frieder Lieb hatte dazu in seinem Grußwort auch keine Antwort, aber sehr viel Lob für den Kreisfeuerwehrverband und die Feuerwehren im Landkreis. Auf den Nenner gebracht: „Prima aufgestellt.“ Bei der interkommunalen Zusammenarbeit sei der Kreis Heidenheim Vorreiter im Lande. Lieb unterstützte den Aufbau einer „Rucksack-Alarmierung im Kreis Heidenheim und im Ostalbkreis“ und meinte, bis Ende 2015 sei der Digitalfunk eingeführt.

„Es gibt nichts Wichtigeres, als eine gute Feuerwehr zu haben,“ fasste Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek sein Grußwort zusammen. Darin verdeutlichte er auch, welch große Anstrengungen in einer Flächengemeinde notwendig sind, dass schnelle Hilfe gleichermaßen in allen Ortsteilen gewährt werden könnte.

Erster Hauptkommissar Dieter Knollmar überbrachte die Grüße der Polizei und meinte im Blick auf die große Polizeireform des Landes, die ab 1. Januar wirksam werde, dass sich an den Ansprechpartnern bei den Polizeirevieren in Giengen, Heidenheim und Oggenhausen nichts ändern werde. Allerdings laufe der Notruf 110 dann nicht mehr in Heidenheim sondern in Ulm auf. Allein 20 Millionen Euro koste es das Land, in Ulm das Polizeihauptquartier für Ulm, Biberach, Heidenheim einzurichten. Aktuell hätten die Personalplaner genug mit Versetzungen und anderen Wünschen der 2000 betroffenen Polizeibeamten zu kämpfen.

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