Kreis Heidenheim Die erste Forstwirtin im Land wird bald zweite Meisterin

Sigrun Wannemacher in ihrem Prüfungsgebiet am Bullenberg. Auch die Fichte im Hintergrund muss weichen.
Sigrun Wannemacher in ihrem Prüfungsgebiet am Bullenberg. Auch die Fichte im Hintergrund muss weichen. © Foto: Sabrina Balzer
Kreis Heidenheim / Laura Strahl 12.03.2018
Sigrun Wannemacher wird vermutlich Forstwirtschaftsmeisterin. Für eine Prüfung beaufsichtigt sie ab heute die Fällung von 84 Fichten bei Söhnstetten.

Einst war sie die erste Forstwirtin in Baden-Württemberg, bald könnte sie die zweite Forstwirtschaftsmeisterin im Land sein: Sigrun Wannemacher, 36 Jahre alt, aus Heidenheim. Seit September besucht die frühere Fechterin den Meisterkurs am Forstlichen Bildungszentrum Königsbronn in Itzelberg. Und das bedeutet: circa ein halbes Jahr lang Ganztagsunterricht, außerdem mehrere praktische und schriftliche Prüfungen. Einen Teil davon hat Wannemacher bereits erfolgreich hinter sich gebracht, ihre Praxis-Prüfung im Fach Produktion und Dienstleistung hingegen hat am heutigen Montag begonnen.

Bis Donnerstag ist die Meisteranwärterin für eine Baumfällaktion am Bullenberg bei Söhnstetten zuständig, muss also vier Forstwirt-Azubis und einen Privatunternehmer entsprechend anleiten – zeitweise unter den Augen zweier Prüfer. Gefällt und abtransportiert werden an dem Hang gegenüber des Steinbruchs der Schotterwerke Wager-Fischer, also linkerhand der Abzweigung Dudelhof, insgesamt 84 Fichten auf 0,5 Hektar. Die Bäume stünden am falschen Standort, begründen Wannemacher und Steinheims Revierförster Andreas Kühnhöfer. „Dafür werden mit der Fällung die vorhandenen Laubhölzer gefördert“, stattliche Buchen etwa und ein Kirschbaum.

Außerdem sollen die Fichten anderen wertvollen Pflanzen weichen, seltenen Orchideen zum Beispiel sowie Schwalbenwurz und Wacholder. „Die brauchen viel Licht und Wärme“, sagt Wannemacher, die nach ihrer Ausbildung zur Forstwirtin bereits ein Jahr im Bereich Naturschutz sowie beim Aalener Forstbetrieb Blauwald gearbeitet hat. Aktuell ist die 36-Jährige am Landratsamt des Alb-Donau-Kreises angestellt, arbeitet aber für den Staatswald, sprich Forst BW. Die 36-Jährige kennt sich daher aus im Forstgeschäft – genau wie ihre 23 Klassenkameraden am Forstlichen Bildungszentrum. Denn: Für den alle zwei Jahre stattfindenden Meisterkurs werden nur Forstwirte angenommen, die über ausreichend Arbeitserfahrung verfügen und ein gutes Zeugnis nachweisen können.

Bei Wannemacher war beides der Fall. Das heißt aber nicht, dass die Heidenheimerin den direkten Weg in Richtung ihres Traumberufs genommen hat. „Der Wald war's für mich immer schon“, sagt sie. Trotzdem folgte nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium zunächst eine Ausbildung zur Optikerin. Eine Frau als Forstwirtin? „Damals hieß es: Das geht nicht!“, erinnert sich Wannemacher. Erst nach Ende ihrer Optiker-Ausbildung bewies die Heidenheimerin, dass es eben doch geht und ließ sich in Bartholomä zwei Jahre lang zur Forstwirtin ausbilden. Als erste Frau in Baden-Württemberg.

Der Leistungssport hat geholfen

Inzwischen haben es ihr viele junge Frauen nachgemacht. Der Erfahrung von Revierförster Kühnhöfer bleiben aber nur wenige dieser Frauen auch nach der Ausbildung im typischen, sprich körperlich anstrengenden, Aufgabenfeld eines Forstwirts tätig. Einige, sagt er, wechseln in den Garten- oder Lanschaftsbau, in den Bereich Waldpädagogik oder studieren im Anschluss Forstwirtschaft an der Universität. Wannemacher kann das gut nachvollziehen: „Wenn ich früher keinen Leistungssport betrieben hätte, hätte ich's nicht geschafft“, sagt sie. Nur dadurch habe sie gewusst, was der eigene Körper leisten kann, was es bedeutet, sich durchzubeißen. „Das war hart.“

Aber die Anstrengung hat sich gelohnt: Wenn alles glatt läuft, hat Wannemacher Mitte Mai ihren Meistertitel in der Tasche. Damit könnte sie dann etwa Revierleiterin werden oder aber in die Ausbildung gehen. Wannemacher: „Das wäre super.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel