Deutschlands erste Militärpfarrerin auf der Hohen Wart

Ein blaues Kreuz, ein rotes Herz und ein grüner Anker baumeln am Schlüsselbund von Andrea Jandke-Koch, der neuen evangelischen Pfarrerin auf der Hohen Wart. Sie stehen symbolisch für Glaube, Liebe und Hoffnung.
Ein blaues Kreuz, ein rotes Herz und ein grüner Anker baumeln am Schlüsselbund von Andrea Jandke-Koch, der neuen evangelischen Pfarrerin auf der Hohen Wart. Sie stehen symbolisch für Glaube, Liebe und Hoffnung. © Foto: Foto: olv
günter Trittner 23.03.2012
Den letzten Wohnort von Andrea Jandke-Koch verrät an ihrem roten VW-Polo das Berliner Kennzeichen. Und noch tut sich die 52-jährige Hauptstädterin etwas schwer, auf direktestem Weg das Pfarrhaus an der Hohen Wart anzusteuern.

Süddeutschland kennt die in der hannoverschen Landeskirche verankerte Theologin bisher allenfalls von Urlaubswochen am Bodensee. In die fremde neue Heimat bringt Andrea Jandke-Koch indes die Sicherheit aus 25 Jahren Pfarrdienst und den guten Mut mit, den evangelischen Christen im Bereich des Pfarramts 2 eine verlässliche Seelsorgerin sein zu können.

Pfarrerin war Andrea Jandke-Kochs erster Berufswunsch gewesen. Ans Herz gewachsen war er ihr in ihrer Geburtsstadt Achim bei Bremen, wo sie sich bereits als Jugendliche vielfältig in der Kirchengemeinde engagiert hatte. Theologie studiert hat Jandke-Koch dann in Hamburg und Göttingen und danach als Pfarrerin in verschiedenen Gemeinden Niedersachsens gearbeitet. Berufsbegleitend hat sich Jandke-Koch zur Systemischen Beraterin und Familientherapeutin ausgebildet und war zuletzt in Wolfsburg auch in einer Ehe-Familien- und Lebensberatungsstelle tätig gewesen. Den letzten Wohnort Berlin hat Jandke-Koch nun im Februar verlassen, da ihr für das Bundesministerium für Verteidigung tätige Ehemann nach Ulm abgeordnet worden war. In der Donaustadt will Andrea Jandke-Koch auch weiterhin wohnen bleiben. Ihre Pfarrstelle in Herbrechtingen ist vorerst auf ein Jahr befristet. Dass nur noch eine halbe Stelle ausgeschrieben war, entspricht dem persönlichen Wunsch der neuen Pfarrerin. Jandke-Koch weiß, das dies für die Gemeinde aber eine Umstellung bedeutet. Seit Mittwoch hat sie die Schlüssel für ihr Arbeitszimmer im Pfarrhaus in Gebrauch. Sobald als möglich will sie hier „verlässliche Bürozeiten“ festlegen, sodass sie für alle Mitglieder der Gemeinde auch ohne vorherige Anmeldung ansprechbar ist. Die ersten Termine stehen bereits in ihrem elektronischen Notizblock. Einige Geburtstagsbesuche stehen an, am Karfreitag hält sie beide Gottesdienste und für Anfang Mai sind fünf Taufen vorgemerkt. Auf die Taufgespräche freut sie sich schon. Dies sei immer eine gute Möglichkeit mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Etwas Neues ist für sie der Religionsunterricht an der Wartbergschule, der wohl drei bis vier Schulstunden umfassen wird. Aber auch diese Aufgabe geht die 52-Jährige mit Zuversicht und Gelassenheit an.

Dass Andrea Jandke-Koch mit einem Amtsantritt bundesweit Schlagzeilen gemacht hat, liegt schon einige Jahre zurück. Im Zuge ihrer Examensarbeit über Militärseelsorge war sie 1987 in der Militärkirchengemeinde St. Stephanus am Truppenübungsplatz Munster in der Lüneburger Heide zur ersten Militärpfarrerin in Deutschland berufen worden. „Das gab ein Riesen-Echo in den Medien“, erinnert sich Jandke-Koch an ihren Einstieg ins Pfarramt.

Jandke-Koch ist zuversichtlich, dass sie in Herbrechtingen bald heimisch sein wird. Ein ihr neues Wort hat sie am vergangenen Sonntag aufgeschnappt. Nach dem Gottesdienst war zum „Ständerling“ geladen worden. „In Niedersachsen kennt man allenfalls eine Stehung – und dies nur als Pause zwischen langem Sitzen.“

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