Treff Deutsch sprechen - beim Kaffee

Miteinander reden und miteinander kochen. Das wird im Gerstetter Frauencafé praktiziert.
Miteinander reden und miteinander kochen. Das wird im Gerstetter Frauencafé praktiziert. © Foto: Foto: Jens Eber
Gerstetten / Jens Eber 09.02.2014
Deutsch reden, gemeinsam essen und ein bisschen Spaß haben – das sind die Eckpunkte für das internationale Frauencafé, das einmal im Monat im C-Punkt der Caritas an der Karlstraße öffnet.

Bräche der Tisch jetzt unter Geschirr und Speisen zusammen, es würde einen nicht wundern. Rund ein Dutzend Frauen haben eingekauft, gekocht und gebacken: Jetzt dampft in der Pfanne ein gehaltvoller Maisbrei mit Käse, der Karotten-Nuss-Kuchen ist noch warm, die Ananas frisch geschält. Kaffee? Tee? Wasser? Alles da. Nur Schweinefleisch kommt nicht auf den Tisch, das nehmen die Frauen sehr genau.

Seit etwa fünf Jahren gibt es das internationale Frauencafé – und das ist gar nicht so staatstragend, wie es im ersten Moment klingt: Gülüzar Winter, türkischstämmige Gerstetterin der zweiten Generation, hat im C-Punkt gut vier Jahre lang Deutsch unterrichtet, für Migrantinnen unterschiedlicher Herkunft. Dabei entstand die Idee, sich mittwochs zum Frauencafé zu treffen.

Mittlerweile findet dieser Treff immer am ersten Mittwoch des Monats statt. Der Ablauf ist denkbar einfach: „Wir treffen uns um 9 in der Küche, dann wird gegessen und getratscht“, erzählt Gülüzar Winter.

Zurzeit kommen fast ausschließlich türkische Frauen zum Café, eine von ihnen hat eine neue Nachbarin mitgebracht, die erst vor einigen Monaten aus Ungarn nach Gerstetten kam.

Dass die Frau eine Wohnung für ihre kleine Familie braucht, wird an diesem Morgen spontan zur Hauptaufgabe für die Frauen. Binnen kurzem tragen sie Infos über freie Wohnungen zusammen und geben Tipps, wer der Frau weiterhelfen kann.

Die Deutschkurse musste Gülüzar Winter aus beruflichen Gründen aufgeben, aber schleifen lässt sie ihr Anliegen deshalb noch nicht: „Sprich doch in ganzen Sätzen mit ihr, dann lernt sie es auch besser“, ermahnt sie eine junge Frau, die die Ungarin mit jenem Bröckel-Deutsch anspricht, das auch Einheimische gegenüber Migranten heute noch manchmal verwenden. Und es funktioniert, man versteht sich.

Dass die Sprachkurse bald unter neuer Leitung weitergehen werden, ist noch nicht spruchreif.

Dieses Frühstück ist nicht nur Unterhaltung, obwohl bald in beachtlicher Lautstärke geplaudert und gelacht wird. Die Frauen helfen sich gegenseitig Formulare auszufüllen. Und für manche der Frauen bedeutet der monatliche Vormittag auch ein Stück errungener Freiheit. Einige der Frauen seien „angeheiratet“, erzählt Gülüzar Winter, sie sind in Gerstetten noch nicht verwurzelt, einige stehen unter strengem Einfluss der Schwiegereltern. Da erscheinen zwei Stunden Ungezwungenheit sehr wertvoll.

Im März wird das internationale Frauencafé noch einmal wachsen. Erstmals soll es dann am Mittwoch, 12. März, im kleinen Saal des katholischen Gemeindehaus stattfinden. Dann wäre ausdrücklich auch genügend Platz für die Frauen, die jüngst als Flüchtlinge nach Gerstetten gekommen sind. An der Gastfreundschaft der café-erprobten Türkinnen wird es jedenfalls nicht scheitern.

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