Königsbronn SHW: Der Verkauf an den Investor ist geplatzt

Schon wieder Feuer unterm Dach? Die Mitarbeiter der SHW CT und der Machining Technologies kommen nicht zur Ruhe.
Schon wieder Feuer unterm Dach? Die Mitarbeiter der SHW CT und der Machining Technologies kommen nicht zur Ruhe. © Foto: Archiv, ct
Königsbronn / Carolin Wöhrle 05.12.2018
Paukenschlag in Königsbronn und Wasseralfingen: Die Eigenverwaltung tritt vom Kaufvertrag mit dem Investor zurück.

„Ein Investor mit Durchhaltevermögen?“ So titelte die HZ noch im Mai 2018, nachdem der Kaufvertrag zwischen der SHW CT in Königsbronn (163 Mitarbeiter) und der Rheinischen Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB) im April unterschrieben worden war. Eine positive Antwort auf diese Frage schien wahrscheinlich: Im Oktober nämlich zog die RMB nach, kaufte auch die SHW CT in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn.

Seit Dienstag sieht alles anders aus: Das Unternehmen Pluta, das sich seit Juli 2017 um die Sanierung der gebeutelten SHW-Gruppe kümmert, teilte mit, dass man vom Kaufvertrag, der die SHW CT Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn betrifft, zurückgetreten sei. Diesen Beschluss habe der Gläubigerausschuss einstimmig gefasst.

Der Grund: wirtschaftliche Schwierigkeiten des Investors. Eine Beteiligungsgesellschaft der RMB, die Hulvershorn Eisengießerei GmbH und Co. KG, musste vor kurzem Insolvenz anmelden. Mehr noch: Die Eisengießerei mit Sitz in Bocholt hatte offenbar zwei Monate lang keine Gehälter mehr gezahlt. Rund 100 der 170 Beschäftigten waren deshalb vor das Arbeitsgericht gezogen.

Entwicklungen seien überraschend

Auch für Pluta sei die Entwicklung beim Käufer „überraschend“. Im Gespräch mit der HZ hatte sich Marcus Katholing, der sich seitens Pluta maßgeblich um die Sanierung der SHW CT kümmert, erst im Mai sehr optimistisch gezeigt, mit der RMB den passenden Investor gefunden zu haben – zumal es sich um einen Branchenkenner handelt.

Anfang Oktober, als auch die SHW CT Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn verkauft wurden, sei der Investor allen finanziellen Verpflichtungen, die sich aus dem Kaufvertrag mit der SHW CT in Königsbronn ergeben hatten, bereits nachgekommen. Die letzte ausstehende Teilzahlung schuldet der Investor laut Pluta noch.

Anzeichen dafür, dass die RMB finanziell in Schwierigkeiten war oder kommen könnte, gab es also offenbar nicht. „Die jetzigen Probleme kamen überraschend“, heißt es in einer Mitteilung von Pluta weiter. Ein anerkannter Berater für Unternehmensverkäufe habe den Verkauf der SHW-CT-Gruppe begleitet und dabei auch die Bonität des Investors bestätigt.

Lage hat sich zugespitzt

„Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt“, erklärt Marcus Katholing. Deshalb musste man die Entscheidung treffen, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Was die SHW CT in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn anbelangt, so wird der Deal, dessen Vollzug für den 1.Januar angesetzt war, erst gar nicht zustande kommen. Der Kaufvertrag sei zwar bereits im Oktober unterschrieben worden, man habe aber ein Rücktrittsrecht bis zum Jahresende in den Vertrag aufgenommen.

Die Frage ist: Was wird aus der SHW CT in Königsbronn, die – samt Belegschaft und Gebäuden – ja bereits an die RNB veräußert worden ist? Pluta ist seit dem verkauf für den Königsbronner Standort nicht mehr zuständig. RMB-Geschäftsführer Rainer J. Langnickel erklärte am Dienstag auf HZ-Anfrage zum einen, dass die Mitteilung durch Pluta nicht vorher mit der RMB abgesprochen gewesen sei. Zum anderen habe der Kaufvertrag eben „Sollburchstellen“ enthalten, von denen nun eine eingetreten sei. Mit der SHW CT in Königsbronn habe das zunächst einmal nichts zu tun. „Wir bedanken uns seitens der RMB bei Pluta in jedem Fall für die gute Zusammenarbeit.“

Wie geht es weiter?

Aus dem Umfeld der SHW CT ist zu erfahren, dass im Hintergrund auch an einer Lösung für die 163 Mitarbeiter in Königsbronn gearbeitet wird – und zwar zusammen mit einem möglichen Investor und mit der Unterstützung der Kunden. Innerhalb der kommenden ein bis zwei Wochen soll mehr darüber bekannt sein, wie es weitergeht.

In Wasseralfingen und bei der Machining Technologies in Königsbronn arbeitet das Team rund um Marcus Katholing an einer Lösung für beide Unternehmen. Die Voraussetzungen seien aber schwierig: Zahlreiche Kunden verhielten sich angesichts der Lage „sehr zurückhaltend“ bei der Vergabe von neuen Aufträgen. „Der Auftragseingang ist sehr niedrig“, heißt es seitens Pluta. Zudem habe auch noch im vergangenen Monat ein Großkunde, der für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich ist, das Auftragsvolumen deutlich reduziert.

„Für die engagierten Mitarbeiter tut mir das sehr leid“, sagt Katholing weiter. Schnellstmöglich wolle man nun mit den Kunden sprechen, um die Situation wieder zu stabilisieren. Zugleich will Katholing Gespräche führen, ob eine anderweitige Investorenlösung möglich ist.

SHW CT: eine echte Leidensgeschichte

2006: Casting Technologies (CT)übernimmt die Heidenheimer Gießerei der SHW von Voith.

2013: Die Mitarbeiter der Heidenheimer Gießerei, des Werkes in Königsbronn und weiterer Standorte erfahren von der drohenden Insolvenz, die im selben Jahr auch eintritt. Die Heidenheimer Gießerei wird geschlossen. Im Dezember will der Essener Konzern Dihag übernehmen.

2014: Am Standort Königsbronn werden 85 Mitarbeiter entlassen.

2015: Nach zwei Jahren Insolvenz inklusive einer gescheizeten Übernahme durch die Dihag Essen ist die nervenaufreibende Hängepartie nun beendet. Den Standort Königsbronn der SHW-CT übernimmt zum 1. Juli Markus Hüter aus Bad Kreuznach.

2017: SHW CT ist erneut insolvent. Co. KG.

2018: Die Rheinische Mittelstandsbeteiligung kauft SHW CT in Königsbronn, kurz danach auch SHW in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn.

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