Schaden Der Tag nach dem schweren Unwetter im Kreis Heidenheim

Kreis Heidenheim / 30.05.2016
Ein schweres Unwetter fegte am Sonntagabend über den Landkreis hinweg. Besonders hatte es Steinheim und Großkuchen erwischt. Bis Montagmorgen waren etwa 400 bis 500 Helfer im Einsatz. Das DRK Heidenheim meldet keine ernsthaft verletzten Personen.
Mehrere Gewitterfronten zogen am Sonntagnachmittag über den Kreis Heidenheim. Vor allem ein Sturmtief gegen 18 Uhr traf den Landkreis stark. In nahezu allen Städten und Gemeinden fielen extreme Niederschlagsmengen. Dies führte zu überfluteten Kellern und zahlreichen Überschwemmungen. Die Feuerwehr wurde zu mehr als 350 Einsätzen gerufen.

Trotz des heftigen Unwetter und der enormen Schäden gibt es auch eine positive Nachricht: Nach Auskunft des DRK-Rettungsdienstes wurde kein Mensch ernsthaft verletzt.

Steinheim am Albuch

Der Vormittag nach dem großen Unwetter: Die Hauptstraße in Steinheim, die in der Nacht zuvor noch vollkommen überflutet war, ist wieder trocken. Hier und da liegen noch Schmutz, Steine und kleinere Äste auf der Straße. Ansonsten lässt ein erster Blick kaum erahnen, was in der Nacht zuvor hier vor sich ging: In ganz Steinheim waren rund 180 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und des DRK im Einsatz. Überflutete Straßen, bis unter die Decke voll gelaufene Keller- und Wohnräume, Stromausfall in Teilen des Orts.

In der Feuerwehrwache ist am Morgen danach ein sichtlich erschöpfter Feuerwehrkommandant anzutreffen: Insgesamt, so schätzt Ulrich Weiler, summieren sich die Einsätze aus der Nacht und vom frühen Morgen auf etwa 270 – allein in Steinheim. Geschlafen hat von den Einsatzkräften keiner. „So etwas haben wir hier noch nie erlebt“, sagt auch Weiler, dessen Dank vor den Feuerwehren der umliegenden Kreisgemeinden gilt, die zur Unterstützung nach Steinheim gekommen waren.



Generell war das Glück im Unglück: Da übrige Kreisgemeinden nicht so stark vom Unwetter betroffen waren, konnten die dortigen Feuerwehrabteilungen den Steinheimern zur Hilfe eilen. Auch Bürgermeister Olaf Bernauer ist überzeugt: „Ohne die Hilfe der anderen Feuerwehrabteilungen hätten wir das nicht schaffen können.“

„Im Prinzip hat es das ganze Dorf erwischt“, erklärt Weiler: Drei Landwirte unterstützten die Feuerwehr mit Güllefässern beim Leerpumpen dutzender Keller- und Wohnräume.



Am Morgen nach der Überflutung trifft man immer wieder Steinheimer an, die ihre Keller ausräumen. „Uns hat's richtig erwischt“,  sagt ein Anwohner der Hauptstraße. „Der Keller war voll bis unter die Decke.“ Vor seinem Haus stapeln sich nun Müllsäcke, Gerümpel und völlig durchnässte Möbel. Entlang der Hauptstraße sind neben Wohngebäuden auch Ladengeschäfte betroffen:   In der Steinhirt-Apotheke beispielsweise wurde der Keller komplett überschwemmt. Die dort gelagerten Server sind nicht mehr brauchbar, die Apotheke hat mindestens für die kommenden paar Tage geschlossen.

Im Hotel zum Kreuz war der Fahrstuhlschacht überflutet, Hotelgäste packten mit an: „Bei uns herrschte kurzzeitig große Aufregung“, sagt Inhaberin Melanie Maier. „Glücklicherweise haben wir hier selbst zwei Pumpen zur Verfügung.“ Der Schaden hält sich damit hier noch in Grenzen.

Etwa zwei Stunden lang waren Teile Steinheims am Sonntagabend ohne Strom, weil Trafo-Häuschen unter Wasser gestanden hatten. Trotz der Schäden, die derzeit noch nicht beziffert werden können, ist Feuerwehrkommandant Ulrich Weiler erleichtert, dass keine Personen zu schaden gekommen waren. „Die Situationen waren oft sehr gefährlich, weil in den Kellern auch Stromkasten hängen“, erklärt Weiler. Ein Opfer forderte das Unwetter dann doch noch: Ein Hund war im Keller eines Wohnhauses ertrunken.

BM Bernauer war am Vormittag unterwegs, um unter anderem die Schäden an den gemeindeigenen Gebäuden zu begutachten: Der untere Stock der Grundschule mit Werk und Musikraum ist überflutet worden, in der Wentalhalle sei das Wasser etwa einen halben Meter hoch gestanden. Dass erheblicher Schaden entstanden ist, scheint klar: „In Euro können wir das derzeit aber noch nicht beziffern“, sagt Bernauer.

Hier gibt es Bilder vom Unwetter vom Sonntagabend

Alle Gemeindefeuerwehren, das THW Heidenheim, das DRK und etliche Bauhöfe waren mit schätzungsweise 400 bis 500 Helfern bis Montagmorgen im Einsatz.

Trotz der enormen Schäden gibt es auch eine positive Nachricht, das DRK Heidenheim vermeldet keine ernsthaft Verletzten.

Hermaringen und Burgberg

Bei Hermaringen geriet eine 25-Jährige mit ihrem Auto ins Schleudern und prallte gegen die Betonmauer einer überschwemmten Unterführung. Die Fahrerin sowie die zweijährige Mitfahrerin verletzten sich leicht.

Großkuchen

Zuerst verdunkelte sich gegen 16.30 Uhr der Himmel bedrohlich, dann setzten Starkregen und Hagel ein. Er erstreckte sich hauptsächlich auf die Stadtteile Groß- und Kleinkuchen, Rotensohl und Nietheim. Dort waren bis zu 25 cm Hagel gefallen. Strassen wurden teilweise unpassierbar, die Bundesautobahn war für mehrere Stunden gesperrt.

Binnen weniger Minuten waren die Straßen in Großkuchen und Umgebung von einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen. Golfballgroße Hagelkörner fielen vom Himmel. Fenster und Autoscheiben hielten den Geschossen nicht mehr Stand. Kaum ein Haus, das unbeschadet geblieben ist. Bäume wurden entlaubt, Gartenhütten und Gewächshäuser wurden zerschlagen.



Mit vereinten Kräften versuchten Anwohner und Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Räumfahrzeugen und Schneeschaufeln die gewaltige Menge an Hagel zu beseitigen. Anwohner berichten, dass sich die abschüssigen Straßen in Flüsse aus Hagelkörnern und Schneematsch verwandelten. Landwirte kamen mit Schleppern zur Hilfe, um steckengebliebene Fahrzeuge aus dem Eis zu ziehen. Kurz war auch das Telefonnetz ausgefallen.

Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben an mindestens 15 Stellen in Großkuchen wegen Hagelschäden im Einsatz, um Fenster abzudichten oder Wasser in Kellern abzupumpen. Überall war zu hören, so etwas habe man noch nie gesehen, geschweige denn selbst erlebt. „Unser Auto ist kaputt, das Dachfenster, alles. Jetzt versuchen wir eben, die Hagelmasse irgendwie aufzuräumen“, sagte etwa ein Anwohner aus Großkuchen.

Der Tag danach. Die städtischen Kehrmaschinen haben in der Stadt, vor allem aber auch in Großkuchen fast alle Hinweise auf das Unwetter beseitigt. Zurück bleiben entlaubte Bäume, Metallgerüste von geborstenen Gartenhäusern, kaputte Solaranlagen, zerbeulte Autos. Laut Einschätzung von Georg Vetter, stellvertretender Ortsobmann der Landwirte im Dorf, sind alle Felder rings um Klein- und Großkuchen sowie Nietheim zerstört. Vom Raps stehen nur noch die Stängel, das Getreide ist kaputt, überlebt haben könnte eventuell der Mais, doch das müsse die Zeit zeigen.
 
Ortsvorsteher Josef Weber, selbst unter den aktiven Feuerwehrleuten im Einsatz, äußerte sich rückblickend froh darüber, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Die Leute seien ruhig geblieben, jeder habe geholfen, so gut es eben ging. Die größten öffentlichen Schäden entstanden an der Turnhalle, wo der Hagel die Oberlichter eingeschlagen hat. Zum Glück befinden sich darunter die Umkleiden und Duschen, sodass das Wasser nicht so viel zerstören konnte. Die Feuerwehr Heidenheim war mit der Drehleiter zur Hilfe geeilt, um beim Abdichten der kaputten Dächer – vor allem bei Privatleuten – zu helfen.

Herbrechtingen

Das Unwetter am späten Sonntagnachmittag hat auch die sonst eher ruhige dahinfließende Brenz mächtig anschwellen lassen. An der vom Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz betriebenen Pegelmesstelle in Bolheim wurde annähernd der Wert eines Hochwassers erreicht wie es durchschnittlich nur alle zehn Jahre vorkommt.

Noch am Nachmittag gegen 16 Uhr hatte der Pegel auf einer Höhe von 35,8 Zentimeter gelegen. Die nicht abreißen wollenden Schauer ließen dann aber ab 18 Uhr den Fluss rapide anschwellen. Der Höchstwert wurde schließlich gegen 20 Uhr mit 100,1 Zentimetern gemessen. Der Wert für den zehnjährige Hochwasserstand HW 10 liegt bei 106 Zentimeter.

Ab 19 Uhr war die Feuerwehr am Sonntag bis weit in die Nacht hinein zu 19 Kleineinsätzen in Bolheim ausgerückt. Wasserschäden wurden am Eulenweg, Bärenstraße, Grabenstraße, Uferstraße und der Paradiesstraße wie in den Stegwiesen und im Gebiet zwischen Zoeppritzstraße und Heidenheimer Straße gemeldet.

Zang und Königsbronn

Eine Menge Arbeit bescherte das Unwetter auch den Mitarbeitern des Bauhofs der Gemeinde Königsbronn: Wege wieder frei machen, umgestürzte Bäume entfernen, Hagelschäden beseitigen. In der Nacht zum Montag entschieden sich die Verantwortlichen dann vorsorglich zur Sperrung der überschwemmten alten Landesstraße nach Zang.

In dem Königsbronner Teilort war der Weiher übergelaufen und die Wassermassen suchten sich entlang der Straße ihren Weg ins Tal. Schlamm und Geröll wurden mitgerissen, unten füllte sich rasend schnell die Freifläche vor dem Damm Richtung Wohngebiet Roßrucken. Schließlich lief auch der Damm über, doch ließen die Niederschläge dann nach und die Häuser blieben vor Überschwemmungen verschont. Gestern war dann Durchatmen und Aufräumen angesagt. Schwere Schäden, so Ortsbaumeister Jörg Bielke, seien „bisher nicht bekannt oder gemeldet“ worden.

Auch Itzelberg war von Sturm, Hagelschlag und Starkregen betroffen, und zwar schon am sehr frühen Samstag. Viele Einwohner griffen noch in der Nacht zur Schneeschaufel, um zentimeterdicke Hagelkorn-Schichten aus dem Weg zu räumen. Teilweise beschädigt wurden Module einer Solaranlage, einige Glasröhren zerbrachen unter dem Hagelkornbeschuss.

Diverse beschädigte Dachfenster und Gewächshäuser, die von dicken Hagelkörnern geradezu durchlöchert wurden, bekam ein Holzbau-Fachbetrieb in Königsbronn gemeldet. Wobei diese Firma das Pech hatte, möglicherweise ebenfalls vom Unwetter betroffen zu sein: vorübergehend kein Strom, kein Telefon und zu allem Überfluss noch ein Kabelbrand. Gestern aber war bereits wieder „alles im Griff“ und der Chef auf Tour zur Begutachtung der gemeldeten Dachschäden.




Sontheim

Auch Sontheims Bürgermeister Matthias Kraut war in der Nacht zum Montag noch zur Begutachtung unterwegs: In Bergenweiler wurde aufgrund der Baustelle an der Dorfstraße der Keller eines Hauses überflutet. Die Feuerwehr musste also anrücken, um den Keller auszupumpen. Sicherheitshalber, so Bürgermeister Kraut, wurde außerdem ein Graben gezogen, um ein erneutes Volllaufen des Kellers zu verhindern. In Brenz und Sontheim seien keine Schäden entstanden.

Mergelstetten

Land unter wurde auch aus Mergelstetten gemeldet, dort standen ebenfalls ganze Straßenzüge unter Wasser. Die Feuerwehr musste das Brenzwehr öffnen, damit das Wasser der Brenz nicht noch weiter über die Ufer trat.



Unwetter am Freitag

Bereits am Freitag trafen schwere Unwetter den Landkreis. Wegend es starken Regens musste die Straße zwischen Burgberg und Hermaringen gesäubert werden. Dort waren größere Mengen Schlamm und Erde von angrenzenden Feldern auf Radweg und Fahrbahn gespült worden.

In der Nacht zu Samstag gegen Mitternacht kam es dann auch bei Steinheim, Zang und Königsbronn zu einem großen Hagelschauer mit Starkregen. Zwischen Heidenheim und Zang lag teilweise eine zehn bis 15 Zentimeter dicke Schicht aus Hagelkörnern auf der Straße.

Hochwasser-Katastrophe im Südwesten

Einen Bericht über die Unwetter vom Sonntagabend, bei denen vor allem Großkuchen und Steinheim schwer getroffen wurden, lesen Sie hier.

Informationen zu den Verwüstungen in Baden-Württemberg und zu aktuellen Entwicklungen gibt es hierwww.swp.de/3855082


Der Tod eines Feuerwehrmanns, der bei einem Rettungsversuch in Schwäbisch Gmünd ums Leben kam, beschäftigt auch im Kreis Heidenheim viele Feuerwehrangehörige. Man sei in Gedanken bei dem verunglückten Kameraden und dessen Familie, heißt es vonseiten vieler Feuerwehrleute aus dem Kreis.
 
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