Nattheim Der Martinskindergarten – 100 Jahre und kein bisschen alt

Nattheim / Christine Weinschenk 10.06.2018
Den evangelischen Martinskindergarten in Nattheim gibt es seit mittlerweile 100 Jahren. Der runde Geburtstag wurde am Wochenende zwei Tage lang gebührend gefeiert.

Fröhlich singende Kinder und stolz filmende Eltern – das hört sich nach einem Fest im Kindergarten an. Am Wochenende wurde in Nattheim ein ganz besonderes gefeiert: der 100. Geburtstag des Martinskindergartens. „100 Jahre – das sind über 100 000 Situationen mit Kinderlachen. Das sind Konflikte, Lösungen, Beständigkeit und Fortschritt“, sagte die Leiterin Gabriele Roth. Natürlich gratulierten auch die Kinder und trällerten den Geburtstagsklassiker von Rolf Zuckowski „Wie schön, dass du geboren bist“.

Pfarrer Bernhard Philipp räumte zu Beginn seiner Rede ein: „Wer nachrechnet, merkt: Den Martinskindergarten gibt es eigentlich erst seit 50 Jahren. Aber die evangelische Kindergartenarbeit gibt es in Nattheim seit 100 Jahren und das ist unser Grund zu feiern.“

Angst vor Verwahrlosung

Laut Gabriele Roth wurde in Nattheim sogar schon 1841 über die Errichtung einer Kleinkinderschule nachgedacht. Der Grund: Man machte sich Sorgen, dass die Kinder verwahrlosen, weil sie fast den ganzen Tag ohne Aufsicht herumliefen, während ihre Eltern auf den Äckern arbeiteten.

Die erste Betreuungseinrichtung öffnete dann 1918 ihre Pforten, zunächst in der Kirchbergstraße, dann im Gebäude der ehemaligen Gaststätte Hirsch, wo heute die Kreissparkasse ihren Sitz hat. Die Frau des Eigentümers einer Nattheimer Zigarrenfabrik hatte zu Ehren ihres verstorbenen Mannes eine größere Summe (800 Mark) zum Aufbau der örtlichen Kleinkinderschule gestiftet. „Es gab viele arme Leute auf dem Härtsfeld und so eine Aufbewahrungsstätte kam ihnen gerade recht“, sagte Roth. 1968 fand der Kindergarten, wie er inzwischen genannt wurde, dann seine Heimat im neu eingerichteten evangelischen Gemeindezentrum auf dem Kirchberg.

Offiziell eingeweiht wurde am Samstag auch das neue Logo und damit auch die aktuelle Bezeichnung: In Anlehnung an den heiligen Martin ziert künftig eine blaue Gans den Schriftzug „Evangelische Martins-Kita“.

„Mit Herzblut und Leidenschaft“

Auf das Team sei er sehr stolz, so Pfarrer Philipp, denn die Mitarbeiterinnen bewältigten ihre pädagogischen Arbeiten und die Betreuung der 45 Kinder mit viel Herzblut, Leidenschaft und teils jahrzehntelanger Erfahrung. Und so bekamen die sieben Erzieherinnen – im Vorgriff auf die Fußballweltmeisterschaft – dann auch einen Pokal mit der Gravur: „Superteam“ von Pfarrer Philipp überreicht. Die Aufgaben seien im Laufe der Jahre umfangreicher geworden, aber: „Man spürt, dass Sie nicht nur einen Job erledigen, sondern dass Sie alle Ihren Job lieben.“

Die evangelische Kindergarten-Fachberaterin Stephanie Lehle zollte dem Team ebenfalls Lob und Anerkennung für die „höchst anspruchsvolle Arbeit“. Fachlich werde in der Martins-Kita auf sehr hohem Niveau gearbeitet, auch wenn die Herausforderungen in den vergangenen Jahren größer und schwieriger geworden seien. Kindergärten seien heute soziale Kompetenzzentren, in denen Wissen spielerisch vermittelt werde, Talente herausgekitzelt und positiv bestärkt würden und die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machten.

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