Herbrechtingen Der Markt für Mietwohnungen ist leergefegt

Herbrechtingen / Von Günter Trittner 13.02.2019
Mieten, wohnen, kaufen: Wer als Mieter in Herbrechtingen findig werden möchte, muss lange suchen. Die Kreisbau wärmt nochmals ihre Pläne auf, 45 Wohnungen am Amselweg zu bauen.

Herbrechtingen wächst. Nicht so sehr bei der Einwohnerzahl, die über die Jahre sehr konstant bei 13000 liegt. 1998 zählte die Stadt 13093 Einwohner, laut der aktuellsten Meldung des Statistischen Landesamt wohnten im September vergangenen Jahres 13059 Menschen in der Stadt.

500 Wohnungen mehr

Herbrechtingen wächst in seiner Bausubstanz. Im selben Vergleichsjahr 1998 gab es in der Stadt 3198 Häuser, im Jahr 2017 waren es 3620. Und es sind seither noch einige dazugekommen in den Baugebieten am Hinteren Feld, an der Eselsburger Straße oder beim Alten Sportplatz in Bolheim. Die Zahl der Wohnungen stieg in diese zehn Jahren von 5462 auf 5976. Die Gründe sind hinreichend bekannt: Es gibt mehr Single-Haushalte und man wohnt großzügiger.

Dennoch, auch wenn rund 500 Wohnungen bei gleicher Einwohnerzahl zur Verfügung stehen, wer auf Immobilienportalen eine Wohnung kaufen oder mieten möchte, wird in Herbrechtingen kaum einen Eintrag finden. Wer ein Haus kaufen möchte, hat noch eher eine Chance.

Die Stadt braucht Zuzug

Die Ausweisung von Baugebieten sehen Stadtverwaltung und Gemeinderat in Herbrechtingen als Daueraufgabe. Wenn man Todesfälle und Geburten miteinander zu vergleicht, sieht man, dass die Stadt Zuzug von außen braucht, um ihre Größe halten zu können.

Wenn man derzeit vielerorts vermutet, dass es aufgrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase eine Flucht ins Betongold gibt, sprich vermehrt in Haus- und Wohnungsbau investiert wird, zeigt sich in Herbrechtingen eher eine Kontinuität beim Bauen.

Im Jahr 2008, dem Jahr vor der großen Wirtschaftskrise wurden nach Angaben von Claudia Schnürle, der Fachfrau fürs Baurecht, in Herbrechtingen 18 Baugesuche für Einfamilienhäuser bearbeitet. 18 Baugesuche waren es auch im vergangenen Jahr. Allerdings lagen 2018 auch zwei Baugesuche für Mehrfamilienhäuser mit 43 und drei Wohneinheiten vor.

Firma Hebel will am Ball bleiben

Dass Wohnungen in Herbrechtingen gefragt sind, kann das Wohnbauunternehmen Heinrich Hebel bestätigen. Ab 2015 hat das Unternehmen mit Sitz in Heidenheim am Fuß des Kirchhöfle an der Schillerstraße zwei mehrgeschossige Häuser mit zusammen 17 Wohnungen gebaut. Der Verkauf der Eigentumswohnungen lief gut, ein besonderes Interesse gab es für Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. „Wir hatten überhaupt kein Problem“, sagt Geschäftsführer Jürgen Beyerle.

Mit „offenen Augen“ verfolge man weiterhin die Situation in Herbrechtingen und suche dort nach Grundstücken. Hoffnung macht man sich, im neuen Baugebiet Lehmgrube zum Zug zu kommen. Gemäß den Vorstellungen von Stadt und Gemeinderat sollen hier entlang der Ulmer Straße Geschossbauten errichtet werden. „Es gab schon Gespräche mit der Stadtverwaltung, wir haben hier eine Bewerbung abgegeben“, sagt Beyerle. „Herbrechtingen ist interessant. Die Nachfrage nach Wohnungen hält hier an.“

Doch nicht jeder kann sich eine Eigentumswohnung leisten. Zwischen sieben und acht Euro je Quadratmeter Miete fordern die Vermieter der derzeit ausgeschriebenen beiden größeren Wohnungen. Bei einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung wird die 10-Euro-Grenze gerissen. Ein Immobilienportal geht von einem Mittelwert von 6,70 Euro aus, wenn Wohnungen in Herbrechtingen vermietet werden.

Kreisbau ist größte Vermieterin

Mit 477 Wohnungen in ihrem Bestand ist die Kreisbau die größte Vermieterin in Herbrechtingen. Nur in Giengen hat sich die in der Reichsstadt auch ansässige Kreisbau stärker im Wohnungsmarkt engagiert. Und sie tut dies zu günstigen Konditionen. Das Unternehmen mit kommunaler Beteiligung verlangt nach dem Stand von Dezember 2018 für zwei Drittel ihrer Wohnungen Mieten 3,50 und 5,50 Euro je Quadratmeter. Teurer als 8,50 Euro bietet die Kreisbau keine Wohnung in Herbrechtingen an, die 15 hochwertigsten kosten zwischen 7,51 und 8,50 Euro.

Aber wie leicht kommt man an eine Wohnung der Kreisbau? „Alles ausgebucht“, bedauert Hans-Jürgen Kling. Der Finanzchef der Kreisbau ist selbst überrascht, wie stark nachgefragt Mietwohnungen derzeit sind. „In all der Zeit, in der ich bei der Kreisbau bin, habe ich eine Nachfrage nach Wohnungen wie in den vergangenen Jahren nicht erlebt. Wir sind total am Limit.“ Und das gilt für Wohnungen jeder Größenordnung, wobei die Kreisbau in Herbrechtingen meist 3-Zimmer-Wohnungen anbietet. „Alle mit guter Bausubstanz“.

Die Nachfrage übersteigt das Angebot

Weil die Nachfrage das Angebot klar übersteigt, will die Kreisbau ihre in Herbrechtingen dem Gemeinderat bereits vorgestellten Pläne zum Bau von 45 Wohnungen am Amselweg wieder aufleben lassen. Diese waren im Juni 2018 gescheitert, weil Verwaltung und Gemeinderat gemäß dem üblichen Verfahren in Herbrechtingen zwei Stellplätze pro Wohnung verlangt hatte.

Der Kreisbau war dies zuviel, zumal die Landesbauordnung nur einen Stellplatz pro Wohneinheit verlangt. „Mit einigen Verschiebungen und Nachberechnungen kommen wir jetzt auf 1,8 Stellplätze“, verdeutlicht Hans-Jürgen Kling ein Entgegenkommen der Kreisbau. Sollten die Herbrechtinger Gremien einwilligen, könnte 2020 mit dem Bauen der Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen begonnen werden.

Acht Baugebiete in zehn Jahren ausgewiesen

In Herbrechtingen wurden in den vergangenen zehn Jahren fünf Baugebiete ausgewiesen oder erweitert. Dazu kommen je eines in Bolheim, Bissingen und Hausen. Das größte, seit 2009 abschnittsweise entwickelte Baugebiet Hinteres Feld am Wartberg umfasst 56 Bauplätze.

Weitere 30 kommunale Bauplätze entstanden seit 2016 an der Eselsburger Straße. Eine kleine Änderung bei den Baugebieten Kirchhöfle III und IV ergaben 2010 zwei zusätzliche Bauplätze. Auf private Initiative kam es 2015 Am Hohenstein zu vier Bauplätzen und Beim Kloster 2018 zu fünf. Wieder unter städtischer Regie wird derzeit die Lehmgrube mit 38 Bauplätzen erschlossen.

In Bolheim wurde 2013 auf städtische Initiative das Baugebiet Alter Sportplatz erschlossen, das zwölf Bauplätze brachte.

In Bissingen entstanden 2017 im Abschnitt II des Wohngebiets Südlich des Stotzinger Wegs 19 Bauplätze.

In Hausen wurden 2001 sechs Bauplätze ausgewiesen. Erst im vergangenen Jahr wurde der letzte Bauplatz verkauft.

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