Dischingen Grölen bei „Death Angel“: Der Festival-Samstag am Härtsfeldsee

Dischingen / Patrick Vetter 01.07.2018
Am Samstag waren noch mehr Besucher beim Rock am Härtsfeldsee. Das Line-Up hielt für jeden etwas bereit, doch das Highlight für das Publikum war der Abschluss mit „Accept“.

Nach einem heißen Tag auf dem Campingplatz wurde es am Samstagabend rechtzeitig für die Auftritte des zweiten Festivaltages etwas kühler. Insgesamt waren am Samstag laut Veranstalter mehr Leute am Härtsfeldsee als beim Festivalauftakt am Vorabend.

„Tenside“ eröffnete das Programm im Festzelt am frühen Abend trotzdem noch vor sehr lichten Reihen. Auch wenn Sänger und Gitarrist Daniel Kuhlemann metaluntypisch mit Snapback-Kappe auftrat, konnte die Band mit purem Metalcore, einem schnellen Schlagzeug und tiefem Growling von Kuhlemann das Publikum überzeugen. Der Erfolg maß sich dabei an dem sich langsam füllenden Zelt. Mit ihrem Song „This is what we die for“ stimmten sie die Fans ein. Kleine Breaks nutzte Frontmann Kuhlemann um die Leute direkt anzusprechen. „Tenside“ hinterließ dem zweiten Act am Abend, „Turbobier“, eine Bühne vor noch wachsender, aber aufgeheizter Menge.

„Turbobier“ machte Punk und viel damit aus dem Rahmen

Die Österreicher von „Turbobier“ vielen aus dem Metal-Rahmen des Festivals. Auf deutsch und mit Dialekt spielten sie deutschen Punk. Auch die Texte passten nicht ganz zu den sonstigen Metal-Hymnen. Ihr Repertoire reichte von „I hoss olle Leit“ über „Die Bierpartei“ bis zur Helene-Fischer-Parodie „Arbeitslos“ und wurde durchaus auch politisch.

„Turbobier“ schaffte es die Metal-Fans im Zelt wie auf einer Schlagerparty feiern zu lassen, und sorgte mit Parolen wie „Volle Krüge statt Lohnabzüge“ für Stimmung. Auf dem Zeltplatz gab es aber auch viel negative Kritik für die Band und ihr ironisches Auftreten. Viele blieben bewusst in ihren Campingstühlen sitzen während des Auftritts. Im Anschluss startete „Annisokay“. Die vier brav aussehenden Männer um Sänger Dave Grunewald grüßten höflich das Publikum. Umso intensiver schmetterten sie den Fans ihren Hardcore-Metal entgegen. Das besondere und abwechslungsreiche am Sound der deutschen Band waren die klaren, hohen Gesangseinlagen von Gitarrist Christoph Wieczorek.

Menge grölt bei „Death Angel mit“

Mit „Death Angel“ kam am Samstag eine Heavy-Metal-Band wie aus dem Bilderbuch auf die Bühne. Die fünf Männer mittleren Alters mit Tattoos und ungezähmten Mähnen spielten für die Metal-Gemeinde am Härtsfeldsee Lieder wie „Relentless Revolution“ und „The dream calls for blood“.

Hier gibt es ein 360°-Video von der Bühne des RAH 2018

Die Texte waren bekannt und wurden spätestens bei „The Man without fear“ mitgegrölt. Zu sehen ist die Band nur durch ein Meer aus Hornhänden. Viele unterschiedliche Ideen steckten in den Metal-Balladen. Auf dem letzten Festival, für die Band dieses Jahr in Europa. Erlaubte sich Schlagzeuger Andy Galeon, seine Sticks und ein Becken in die Menge zu schmeißen.

Vor den letzten beiden Hauptacts füllte sich auch der Platz vor dem Zelt komplett mit Metal-Fans in Lederkutten, Jeanswesten oder Festivalshirts. „Betontod“ spielte Punkcore und bot Deutschrock vom feinsten. Laute schnelle Songs wie „Wir spielen keine Popsongs“ wechselten sich mit nachdenklicheren Texten ab wie in „Mein letzter Tag“ oder „Kinder des Zorns“ vom Album „Schwarzes Blut“, nach welchem Gitarrist Frank Vohwinkel eine Ansprache gegen Nazis hielt.

Betontod spielte mit den Gefühlen der Masse im Zelt. Zwischendurch wurden Feuerzeuge gezückt, bevor die Menge am Ende zu „Glück auf“ wieder tobte.

„Accept“ als großes Highlight am Ende

Tobend empfingen sie auch den letzten und am meisten erwarteten Gast: „Accept“. Das Bühnenbild wurde für die fünf Musiker stark umgebaut. Große Wände und Podeste erschufen eine Maschinenhallen-Atmosphäre.

Das Schlagzeug von Christopher Williams erinnerte an ein Gerippe in dem der Musiker im sitzen und stehen spielte. Auch dank ihm legte Accept den lautesten Start aller Bands hin.

Den Sound der Band dominierten das Screaming, der hohe geschriene Gesang, von Mark Tronillo und die schnellen und teilweise kräftigen Gitarrensolos von Wolf Hoffmann. Der Gitarrist zeigte die intensivste Mimik des Abends. Während seiner Soli präsentierte er dem Publikum abwechselnd angestrengte Grimassen und seine lachenden Zähne.

Ihre Hits wie „Restless and wild“, „Balls to the wall“ und „Analog man“ spielte die Band routiniert. Trotz harter Rhythmen verursachten sie bei „Shadow Soldiers“ eine emotionale Stimmung. Das Highlight war jedoch das überlange Stück „Metal Heart“ mit einem Solo mit der Melodie von Beethovens „Für Elise“. „Accept“ verließ die Bühne unter lautestem Jubel.

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