Ruine Der Blick auf den Herwartstein ist wieder frei

Königsbronn / Joachim ziller 28.05.2013
Die Königsbronner haben sich ihre Burg wieder zurückerobert: Nach einem gemeinschaftlichen Pflegeeinsatz von Schülern, Albverein und Gemeinde ist die bis vor kurzem noch reichlich zugewachsene Burgruine Herwartstein vom Weg aus wieder gut sichtbar. Eindrucksvoll ist auch von oben der Ausblick ins Brenz- und Kochertal.

In den nächsten Wochen werden Schautafeln aufgestellt, die über die Geschichte der Burg Herwartstein informieren. Hier arbeitet der Kulturverein gemeinsam mit der Gemeinde und dem Landratsamt an der Umsetzung. Außerdem wird vom Bauhof die Zuwegung zur Ruine erneuert.

Bürgermeister Michael Stütz bedankte sich bei allen Helfern für diese beispielhafte Aktion im Zeichen ehrenamtlichen Miteinanders. Das Gemeindeoberhaupt freut sich, dass der Herwartstein als „Wahrzeichen“ der Gemeinde für Einwohner und Besucher aus nah und fern „wieder erlebbar“ geworden ist.

An der engsten Stelle des Brenztals

Der Herwartstein überragt Königsbronn nahezu an der engsten Stelle des Brenztals. Von hier oben bietet sich ein herrlichen Blick auf den Itzelberger See und Richtung Aufhausen sowie, auf der anderen Seite der europäischen Wasserscheide, zum Volkmarsberg und ins Kochertal. Hier stand bereits im 13. Jahrhundert eine Burg, die im September 1287 vom deutschen Kaiser Rudolf I von Habsburg zerstört wurde. Nur eine kleine Ruine zeugt heute noch von diesem geschichtsträchtigen Ort der Gemeinde, den sich zunehmend die Natur eroberte und durch dichtes Bewachsen interessierten Blicken entzog.

Gemeindeoberhaupt Michael Stütz griff nun einen Gedanken auf, der von der Zukunftsoffensive im Rahmen einer großen Umfrage ins Spiel gebracht worden war: „Auf jeder Karte ist die Ruine Herwartstein verzeichnet, vor Ort ist sie jedoch schlecht zu finden“. Um den pflegerischen Eingriff ins üppige Grün und neue Beschilderungen umsetzen zu können, galt es, verschiedene Gruppierungen zusammen zu bringen.

Das Herausholen der Stämme wäre zu teuer gewesen

Zunächst wurden mit der Kreisforstverwaltung und dem Naturschutz die beabsichtigten Pflegemaßnahmen besprochen. Im Winter hatte dann die Forstbehörde unter der Leitung von Revierförsterin Karin Baur den Bereich der Ruine und der beiden Burggräben freigeschnitten. Die weiteren Arbeiten wurden dann zwischen der Gemeinde dem schwäbischen Albverein, der Georg-Elser-Schule und dem Kulturverein koordiniert. Das Herausholen der Stämme wäre zu teuer geworden, Gestrüpp verhinderte weiterhin den Blick auf den ersten und zweiten Burggraben.

Erwin Rudolf, Klassenlehrer der Kombiklasse 7/8 der Werkrealschule und Mitglied der Schulleitung nahm sich des Themas an. Im Wahlpflichtfach Natur und Technik geht es auch um die Erhaltung von Kultur- und Lebensräumen. Mit konkreten Begegnungen und mit „Primärerfahrungen“ sollten die Schülerinnen und Schüler hierzu Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben und umsetzen. So ging es darum, die Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in die Natur zu reflektieren und die Konsequenzen zu erkennen.

Im Vorfeld hatte Lehrer Rudolf bereits die Geschichte der Burg Herwartstein in den Unterricht eingebaut und die Sagen vom Ritter sowie von der Schlüsselbergerin behandelt. Im Fächerverbund Welt-Zeit-Geschichte recherchierten die Schüler im Internet zum Thema Burg Herwartstein. Aus Sicht von Erwin Rudolf ist die Pflegemaßnahme ein Glücksfall. „Kinder können ihren Heimatraum enger kennen lernen und werden sicherlich nicht vergessen, dass sie bei der Pflegeaktion mitgeholfen haben,“ so der Pädagoge.

Das Gestrüpp aus den Burggräben zusammengetragen

Im Rahmen einer konzertierten Aktion ging der Eingriff ins üppige Grün dieser Tage über die Bühne. Koordiniert durch Ortsbaumeister Jörg Bielke legten sich Schwäbischer Albverein, 8. Klasse Werkrealschule und Gemeinde ins Zeug. Die Holzstämme wurden zerkleinert und das Gestrüpp aus den Burggräben in mühevoller Arbeit zusammengetragen, gesammelt und den Hang hochgeschleppt. Drei riesige Reißig- und Holzhaufen kamen auf diese Weise zusammen und zeugen von den zahlreichen Höhenmetern, die die fleißigen Helfer, junge und ältere, bewältigt haben. Dabei ergänzten sich die erfahrenen Mitglieder des Schwäbischen Albvereins mit den tatkräftigen Schülerinnen und Schülern in idealer Weise.

Claude Marcel, Hermann Widmann, Erhard Baumann, Hermann Fritz, Georg Schledewitz, Werner Roschke und Wilhelm Dingler bildeten jeweils mit den Schülerinnen und Schülern einen Trupp. Wertvolle Unterstützung erhielten sie von Karl Schneider vom Bauhof.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel