Herbrechtingen / Günter Trittner Drei Frauen haben sich zusammengetan, um Kirche und Familie einander näher zu bringen. Sie setzen dabei ein weiteres Zeichen für die aufblühende Ökumene in Herbrechtingen.

Es gibt Kindergottesdienste, Ministranten, die Jungschar, Pfadfinder und auch junge Musiker, die in den Kirchen den Gottesdienst begleiten. Aber dennoch: „Familien erwarten mehr von der Kirche.“ Tabea Bosch, die der Christlichen Lebensgemeinschaft Mühlrad in Eselsburg angehört, wollte es nicht beim Beklagen der Situation belassen.

Mitstreiterinnen gewonnen

Mit Johanna Korndörfer (Evangelische Stadtmission) und Maria-Luise Schwald (Gemeindereferentin der katholische Kirchengemeinde) hat sie Mitstreiterinnen gewonnen, denen ebenso an christlichen Impulsen für Familien gelegen ist. Gemeinsam haben sie weit ausgeholt und für zwei Jahre eine Folge von Veranstaltungen geplant und organisiert. „Familie, Glaube, Leben“ trägt diese Reihe als Titel, welche viele Zielgruppen auch durch unterschiedliche Formate ansprechen soll.

Der Humor kommt zuerst

Es gibt Vorträge, Workshops, Gespräche, einen Mitmach-Tag und ganz zu Beginn viel zu lachen. Am Donnerstag, 11. April, kommt der Kabarettist Cornelius Häfele ins Albrecht-Bengel-Gemeindehaus, der, selbst Vater, dort ab 20 Uhr den ganz normalen Wahnsinn in einer Familie beschreiben wird. „Hinsetzen, zuhören, lachen“, rät Maria-Luise Schwald.

Tabea Bosch war unlängst am Rande mit einem wissenschaftlichen Forschungvorhaben befasst, das deutschlandweit der Verbindung von Kirche und Familien nachging. Insofern weiß die Mutter dreier Kinder, dass Familien sich viel Unterstützung durch die Kirche erwarten bei ihren Fragen zu christlicher Erziehung und Lebensweise. Andererseits bleibe aber die Kirche zurückhaltend, wenn es darum gehe, sich in private Sphären einzumischen.

Abstand zur Kirche zu groß

Mit ihrer Veranstaltungsreihe möchten die Frauen etwas die Mittlerfunktion übernehmen, was wie Maria-Luise Schwald weiß, auch den Kirchengemeinden wohl tun wird. „Oft ist der Abstand zu den Familien zu groß“, sagt die Gemeindereferentin. Es gebe zwar Fixpunkte wie Taufe, Kommunion, Firmung oder Konfirmation, wo Familie und Kirche zusammentreffen, „aber dazwischen verlieren wir uns wieder“. Insofern könne die Reihe und das Zusammentreffen mit Familien auch den Gemeinden helfen zu erkennen, was von ihnen erwartet wird. „Wir wollen mitlernen als Kirche.“

Da die drei Frauen unterschiedlichen Kirchengemeinden und Konfessionen angehören, ist auch ihr Programm bewusst ökumenisch angelegt. Sie verstehen sich als Teil eines Aufbruchprozesses zu einem größeren Miteinander der christlichen Gemeinden, der in Herbrech­­tingen derzeit erkennbar sein. Der katholische Dekan Sven van Meegen war es gewesen, der zu einer vermehrten Zusammenarbeit aufgerufen hatte.

Was sonst noch kommt

Nach dem lockeren Auftakt mit dem Kabarettisten Häfele folgt am Sonntag, 19. Mai, ein Mut-mach-Tag für Familien im Himmelszelt. Diese Großveranstaltung, welche das Team des Himmelszelts stemmt, soll am 19. Oktober auf kirchlicher Ebene wiederholt werden.

Ebenfalls bereits fixiert sind Vorträge und Workshops, bei denen es um Rituale, um den Umgang mit Trauer in der Familie oder die Frage geht, wie man Kindern Grenzen setzt.

Allein um Wissensvermittlung geht es den Veranstalterinnen aber nicht. „Wir wollen einfach auch Familien zusammenbringen, Begegnung möglich machen.“ Denn, so Schwald: „Es tut gut, sich mit anderen zu besprechen.“

Die Mühlrad-Gemeinschaft

Seit 1986 gibt es die Mühlrad-Gemeinschaft in Eselsburg, Die christliche Lebensgemeinschaft mehrerer Familien und Personen war damals auch eine Baugemeinschaft. Sie richtete sich die Mühle am Brenzufer als Wohnplatz und geistiges Zentrum ein. Formuliert wurden damals auch die Ziele: mehr Gemeinschaft unter Christen, Zeit und Raum für Hilfsbedürftige, einfacher, biblisch orientierter Lebensstil und Menschen für Christus interessieren. Dem Verein Mühlrad gehören 32 Personen an, dem Kernkreis der christlichen Lebensgemeinschaft rund 15 Personen.