Sportverein Dem TSV Gussenstadt droht das Aus

Noch wird das Vereinsheim des TSV Gussenstadt regelmäßig genutzt. Findet sich jedoch kein neuer Vorsitzender, könnte sich der Verein auflösen.
Noch wird das Vereinsheim des TSV Gussenstadt regelmäßig genutzt. Findet sich jedoch kein neuer Vorsitzender, könnte sich der Verein auflösen. © Foto: Foto: Jens Eber
Gussenstadt / Jens Eber 24.02.2014
Die Hauptversammlung des TSV am 14. März wird entscheidend sein: Vorsitzender Bernd Maurer stellt sich nicht mehr zur Wahl. Ein Nachfolger ist bislang nicht in Sicht. Dem größten Gussenstadter Verein droht die Auflösung.

Das Bürgerliche Gesetzbuch ist in diesem Punkt sehr deutlich: „Der Verein muss einen Vorstand haben“, heißt es in Paragraf 26. Ohne Vorstand ist ein Verein nicht geschäftsfähig. Und genau dieser Zustand droht jetzt dem mit 520 Mitgliedern größten Gussenstadter Verein.

In einem Brief an die Mitglieder hat der seit 2010 amtierende Vorsitzende Bernd Maurer eindringlich darauf hingewiesen, dass er sich nicht mehr zur Wahl stellen wird. 2013 hatte er das Amt nach einer regulären dreijährigen Amtsperiode noch einmal für ein Jahr übernommen. Jetzt aber soll Schluss sein. Sein Stellvertreter Thomas Thierer würde zwar unter einem neuen Vorsitzenden eventuell weitermachen, will aber nicht selbst aufrücken und auch nicht ohne neuen Vorsitzenden weitermachen.

Vorsitzender verzweifelt gesucht

In den vergangenen Monaten haben Vorstands- und Ehrenmitglieder intensiv um Nachfolger geworben, haben mehrere potenzielle Kandidaten angesprochen – bislang offenbar ohne Erfolg.

Wenn ein Vereinsvorsitzender sich nicht mehr zur Wahl stellt, stecken dahinter nicht selten tiefe Zerwürfnisse und Frust. Diesen Eindruck vermittelt Bernd Maurer im Gespräch überhaupt nicht. Im Gegenteil: „Ich möchte die Jahre in keiner Weise missen“, sagt er und versichert dabei, dass seine Leidenschaft für das Ehrenamt an sich weiter vorhanden ist. Der 46-Jährige ist seit 20 Jahren im TSV an unterschiedlichen Stellen aktiv, ab 2004 war er stellvertretender Vorsitzender, ab 2007 leitete er den Verein kommissarisch, bis er und Thomas Thierer 2010 in den Vorstand gewählt wurden.

In Bezug auf den TSV Gussenstadt räumt Maurer eine gewisse Enttäuschung ein. 2010 sei er mit der Vorstellung angetreten, den TSV strategisch weiterzuentwickeln. Maurer hat sich beim WLSB zu Vereinsmanager ausbilden lassen und hat wohl das entsprechende Rüstzeug für solche Pläne. Kooperationen mit anderen Vereinen waren angedacht, Pläne für eine Neustrukturierung des 50 Jahre alten Vereinsheims wurden entwickelt, der Vorstand bat aber auch um Ideen, wie die Finanzierung des Vereins auf neue Beine gestellt werden könnte, um Beitragserhöhungen zu vermeiden.

Es klappte offenbar nicht, 2013 wurde ein Aktivenbeitrag eingeführt. Gleichwohl stehe der Verein finanziell „tadellos“ da, und das obwohl in den vergangenen Jahren kräftig in die Infrastruktur investiert wurde. Zu Beginn seiner Amtszeit sei die Prämisse gewesen, sagt Maurer, „die Mitglieder sollten das Vorstandsteam entlasten“. In diese Richtung habe sich wenig getan. Thierer wie Maurer äußern sich unzufrieden darüber, dass die wachsenden Aufgaben auf zu wenige Schultern verteilt seien, was die familiär und berufliche sowie in anderen Funktionen engagierte Vereinsspitze zunehmend belaste.

Weg frei für neue Konzepte

Maurer sagt zudem: „Wenn sich Vorstellungen nicht verwirklichen lassen, muss man den Weg frei machen für neue Konzepte.“ Thierer könnte sich eine Satzungsänderung vorstellen, die die Aufgaben im Verein neu und auf mehr Schultern als bisher verteilen könnte. Die Bereiche Technik, Finanzen oder Öffentlichkeitsarbeit seien jeweils für sich schon arbeitsintensiv genug. Beide betonen aber auch, dass es bei Aktionen oder Arbeitseinsätzen auch immer wieder ausreichend helfende Hände gebe. Lediglich der Verantwortung für den Verein will sich bislang noch niemand stellen.

Sollte das auch bis nach der Hauptversammlung so bleiben, wäre der TSV ab dem 15. März nicht mehr geschäftsfähig. In diesem Fall könnte das Amtsgericht einen kostenpflichtigen Notvorstand einsetzen, schlimmstenfalls droht die Auflösung des 1902 gegründeten Vereins. „Soweit darf es nicht kommen“, schreibt der Vorstand in seinem Brief an die Mitglieder.

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