Nattheim / Laura Strahl In Fleinheim und Nattheim wurden jetzt Landwirte geschult, wie sie Schülern Wissen über Lebensmittel und deren Herstellung vermitteln können. Auch das Land unterstützt die Aktion.

Die Geschichte vom Kind, das zu viel Schokoladen-Werbung gesehen hat und deshalb glaubt, Kühe hätten lilafarbenes Fell? Vielleicht ein bisschen übertrieben. Dass Kinder über die Herkunft und Produktion von Lebensmitteln bestens Bescheid wissen aber wohl auch. Die Berührungspunkte mit Natur und Landwirtschaft sind im Vergleich zu früher weniger geworden, je nach Elternhaus kaum noch vorhanden. Heute zählen eben andere Dinge.

„total wichtig für Kinder“

Damit kann man sich abfinden. Darf man aber nicht, sagt Daniela Schweikhart vom Landwirtschaftsamt am Landratsamt Heidenheim. „Das Thema ist total wichtig für Kinder“, sagt sie und meint damit das Wissen über die Herkunft, Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln sowie deren regionale Bedeutung für Landschaft und Landwirte. Vermittelt werden soll dieses Wissen zum Beispiel durch Besuche von Schulklassen auf Bauernhöfen – auch im Rahmen des landesweiten Programms Lernort Bauernhof.

Unter dieser Dachmarke des Vereins zur Förderung der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee bereiten sich interessierte Landwirte seit rund zehn Jahren in teils mehrtägigen Schulungen auf die Besuche der Kinder vor. Pädagogen sind sie schließlich genau so wenig wie die Kinder Experten in Sachen Landwirtschaft . . .

Fleisch = Schlechtes Gewissen?

Im Kreis Heidenheim hat es nun erstmals eine Schulung dieser Art gegeben: Rund 20 Landwirte aus Baden-Württemberg wollten einen Vormittag lang auf dem Bauernhof von Familie Joos in Fleinheim erfahren, wie man Kindern Wissenswertes zum Thema Fleisch vermitteln kann. Auf dem Gelände der Schäferei Wiedenmann in Nattheim stand am Nachmittag außerdem Schafhaltung auf dem Programm.

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich Fleisch esse? Was kostet es mich als Verbraucher, wenn das Hühnchen doppelt so viel Platz hat? Bin ich bereit Bio-Lebensmittel zu kaufen? Gemeinsam mit der Pädagogin Kerstin Bullack wurde über Fragen wie diese viel diskutiert. Der Tenor: „Die Leute wissen oft nicht Bescheid. Es ist unsere Aufgabe, dieses Wissen herzustellen.“ Und das durchaus schon bei den Verbrauchern von morgen.

Andere Aufgaben bleiben liegen

Dann geht es natürlich spielerischer zu. Anita Joos etwa hat ein Programm über Getreide erarbeitet. Da wird mit den Schülern gebacken, gerätselt und gebastelt. Draußen können das Getreidelager oder die Getreidearten direkt auf den angrenzenden Feldern angeschaut werden. Was hier nun einfach zu bewerkstelligen klingt, ist für Familie Joos allerdings viel Arbeit. Ist eine Schulklasse zu Gast, seien zwei Personen rund zwei Stunden lang beschäftigt, sagt Joos. Die eigentlichen Aufgaben auf dem Hof bleiben während dieser Zeit liegen.

180.000 Euro für ein Jahr

Dass mit der Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 Euro, die man pro Lehrstunde vom Land bekommt, jedenfalls nicht allzu viel anzufangen sei, war bei der Schulung auch zu vernehmen. Insgesamt 180.000 Euro stellt das Land Baden-Württemberg jedes Jahr zur Verfügung – für 540 Lernort-Betriebe. Wie Daniela Schweikhart sagt, ist die Summe oft bereits nach den Sommerferien aufgebraucht. Aus diesem Grund arbeite man im Landkreis an einer Lösung: Wenn der Topf leer ist, soll der Kreis die 30 Euro pro Stunde übernehmen. Auch für Kindergärten, die nicht Teil des Lernort-Bauernhof-Programms sind, soll so verfahren werden. „Es wäre optimal, wenn alle Kinder die Möglichkeit hätten, auf einen Hof zu kommen“, so Schweikhart.

Im Nachbarbundesland Bayern sei dies sogar Teil des Lehrplans. Und auch in Baden-Württemberg verspüre man ein zunehmendes Interesse an Unterrichtseinheiten dieser Art. Die Zahl der Landwirte, die sich an Lernort Bauernhof beteiligen, nehme stetig zu, dürfe aber gern noch weiter steigen, sagt Schweikhart. Auch im Kreis Heidenheim. Dort sind derzeit sieben Betriebe Mitglied bei Lernort Bauernhof.

Es gibt auch andere Anbieter

IG Bauernhof erleben nennt sich ein weiteres Angebot von Landwirten, das sich an Schulklassen, aber auch an Kindergartengruppen und andere Interessierte richtet. Die Interessengemeinschaft wurde im Jahr 2009 von Landwirten aus dem Landkreis Heidenheim, dem Stadtkreis Ulm sowie dem Alb-Donau-Kreis gegründet. Sie hat inzwischen 29 Mitglieder. Neun davon stammen aus dem Landkreis Heidenheim.

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