Bolheim Das „Hermes-Haus“ in Bolheim

Bolheim hat einen Hermes-Stützpunkt bekommen. In dem Haus, in dem der Landkreis Flüchtlinge einquartiert hatte, sind jetzt Hermes-Fahrer eingezogen, die ein rumänischer Subunternehmer für den Logistik-Konzern fahren lässt.
Bolheim hat einen Hermes-Stützpunkt bekommen. In dem Haus, in dem der Landkreis Flüchtlinge einquartiert hatte, sind jetzt Hermes-Fahrer eingezogen, die ein rumänischer Subunternehmer für den Logistik-Konzern fahren lässt. © Foto: Christian Thumm
Bolheim / Manuela Wolf 12.09.2018
In der früheren Flüchtlingsunterkunft in Bolheim wohnen nun Kurier-Fahrer. Viele haben ausländische Wurzeln. Ein 27-Jähriger erzählt aus seinem Leben.

Dort, wo sich in Bolheim die Straße Deutscher Osten mit der Wedelstraße kreuzt, ist das Parken abends und an den Wochenenden nicht so ganz einfach. In dem Eckhaus, in dem bis vor ein paar Monaten das Landratsamt noch Flüchtlinge untergebracht hat, wohnen nun die Angestellten eines rumänischen Subunternehmers, der im Dienste des Logistik-Riesen Hermes steht.

Die Fahrer sind zugleich Mieter. Nach getaner Arbeit nehmen die Angestellten ihre weißen Lieferwagen mit nach Hause. Die Sprinter stehen dann Schnauze an Heck, auch in den angrenzenden Straßen. Keine Katastrophe, legal zudem – aber eine Herausforderung für alle Anwohner, die sich mit der neuen Situation irgendwie arrangieren müssen.

Während es vor dem Haus also ab und zu drunter und drüber geht, herrscht hinter den Türen bescheidene Zufriedenheit. Ein junger Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, öffnet. Er lässt sich gerade in seiner beengten Küche Leberkäse mit Nudeln schmecken. Er trägt Unterhemd und Jogginghose. Das Handy flimmert zur Unterhaltung.

Junggesellen-Idylle

Der gebürtige Gmünder, der schwäbisch mit osteuropäischem Akzent spricht, lehnt sich auf seinem Stuhl zurück und zündet sich eine Zigarette an. Junggesellen-Idylle. Sicher habe die Wohnung schon bessere Tage gesehen, aber für ihn sei sie nur eine Zwischenstation auf dem Weg in ein bodenständiges Leben mit Frau und Kindern und Eigenheim. „Ich bin ein Abenteurer“, sagt er. „Ich bin erst vor zwei Monaten eingezogen. Mal sehen, wie lange ich bleibe.“

Die Fahrer werden nach Tarif bezahlt. Sie arbeiten im Schnitt 40 Stunden, manchmal sechs Tage die Woche, manchmal auch nur vier. Untereinander haben sie kaum Kontakt, auch nicht zu den Kollegen, die in den beiden weiteren Hermes-Häusern in Heidenheim an Talstraße und Kirchstraße untergebracht sind.

Aber Morgen für Morgen trifft sich die rund 50 Mann starke Truppe in Heidenheim vor dem Lager an der Königsbronner Straße, darunter sind viele rumänische Landsleute und eine einzige Frau. Stress gebe es so gut wie nie, selbst dann nicht, wenn einer mal ein paar Minuten zu spät komme. Dafür gibt's einen schnellen Kaffee. Die Sprinter werden beladen. Abfahrt.

Der 27-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen. Als seine Eltern zurück in ihre südosteuropäische Heimat mussten, ging er mit. Doch seit ein paar Monaten ist er wieder zurück und konnte sofort Arbeit finden. Dass das ein Kinderspiel gewesen sei, liege an seinen geringen Ansprüchen, sagt er. „Ich mache halt auch die Jobs, die die Deutschen nicht machen wollen.“

Kein Bock auf Sozialleistung

Arbeitslos sein und Unterstützung kassieren, käme für den gelernten Gastronomen nie in Frage. Als deutscher Staatsbürger hätte er zwar einen Anspruch auf Sozialleistungen. „Aber ich frage mich oft, was diese Leute den ganzen Tag machen. Ich stehe lieber morgens auf, gehe arbeiten, und am Ende eines Tages fühle ich mich frei.“ Bald wollen seine Eltern zurück nach Deutschland kommen. Sie haben hier viele Freundschaften geschlossen und außerdem sehnen sie sich nach ihren Söhnen.

Der kleine Bruder lebt inzwischen auch an der Wedelstraße, auch er arbeitet als Fahrer, auch er macht seinen Job gern. Den beiden Männern gefällt es, dass sie auf ihren Touren viele verschiedene Menschen treffen und für kurze Momente Einblicke in andere Lebenswelten erhalten . Das hat Unterhaltungswert, finden sie. „Aber genau genommen geht es allen hier doch allein ums Geldverdienen. Der Rest interessiert eigentlich nicht.“

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