Gerstetten / Holger Scheerer  Uhr
Der Gerstetter Gemeinderat einigte sich beim Thema Neubau der Gussenstadter Turn- und Festhalle mit integriertem Kindergarten.

In der Gemeinderatssitzung in Gerstetten wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Nach längerer Diskussion entschied man sich für einen der drei Architekturentwürfe für das Bajuvorhaben. Das Rennen machte der Planentwurf des einheimischen Architekturbüros Dr. Heinz-Jörg Hüper. Die Ideen, die die Büros Niederberger und Thierer in ihren Entwürfen entwickelt hatten, wurden zwar einhellig gelobt, letztlich jedoch nicht favorisiert.

Zwei Punkte waren besonders entscheidend. Der Zugang zum Kindergarten findet im Entwurf Hüpers von der Straße „An der Turnhalle“ her statt, einem relativ verkehrsruhigen Bereich mit Parkmöglichkeiten. In den beiden anderen Entwürfen wird der Zugang zum Kindergarten von der parallel verlaufenden Brastberger Straße eröffnet, die wesentlich stärker befahren ist und auch keine Parkmöglichkeiten bietet.

Was die Gemeinderäte aber letztlich fast noch mehr für den Entwurf des Büros Hüper einnahm, war dessen Raumplanung. Im Entwurf Hüper bleibt nicht nur die Festwiese, sondern auch der Bolzplatz vollständig erhalten. Für die Gemeinde ergeben sich hierdurch eine ganze Reihe von Nutzungsmöglichkeiten und für die Kinder im Sommer viel Platz zum Spielen – eine Win-Win-Situation, ganz abgesehen davon, dass die Wiese auch von den Kindern der nördlich angrenzenden Grundschule genutzt werden kann.

Fast waren sich die Gemeinderäte einig geworden, da erhielt die aufkeimende Entschlussfreude doch noch einen Dämpfer, der sich vor allem an Detailfragen entzündete. So wies Gemeinderat Andreas Müller darauf hin, dass der Entwurf Hüpers von allen dreien „die schlechteste Raumplanung“ aufweise. Gemeint war hier die Aufteilung der Räumlichkeiten im Inneren des Gebäudes. Diesem Argument konnte sich auch Werner Häcker, Ortsvorsteher von Gussenstadt, nicht ganz entziehen, der sich im Laufe der Sitzung zum stärksten Fürsprecher des Hüper-Entwurfs entwickelte.

Noch Nachbesserungsbedarf

Häcker sah in puncto Raumaufteilung, ebenso wie auch Bürgermeister Roland Polaschek, erheblichen Nachbesserungsbedarf. Häcker führte jedoch zwei Punkte ins Feld, die nicht leicht von der Hand zu weisen waren. Zum einen den einstimmigen Beschluss der Gussenstadter Kommission, der Vertreter des Kindergartens, der Vereine, der Kirchen und anderer Nutzer der Räumlichkeiten angehören und die sich in ihrer achten Sitzung im Januar einstimmig für den Entwurf Hüpers entschlossen hatte. Zum anderen die ausschließlich positiven Äußerungen von Seiten der unmittelbaren Anlieger und Nachbarn zu eben diesem Entwurf.

Als die ganze Sache mit der Entscheidungsfindung einigen Gemeinderäten dann doch zu schnell über die Bühne ging, riss bei Polaschek allmählich der Geduldsfaden: „Drei Jahre arbeiten wir jetzt daran!“ Der Bürgermeister drängte vor allem aus pragmatischen Gründen zu einer endgültigen Entscheidungsfindung. Fördergelder müssten rechtzeitig beantragt werden, wenn man im Jahr 2021 mit dem Bau beginnen wolle und das jetzige Kindergartenprovisorium im Ursulastift keine Dauereinrichtung werden soll.

Auch wies der Bürgermeister abschließend auf die derzeit günstige Baukonjunktur, aber auch auf die Preissteigerungen in einigen Bausegmenten hin. „Niemand anders entscheidet als der Gemeinderat Gerstetten“, versicherte Polaschek den letzten Skeptikern. In den nächsten Wochen will die Verwaltung die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Hüper intensivieren zur Klärung der weiteren Details.

Viel Raum bei Hüper

Das Geheimnis des Architekten für sein platzsparendes Bauen: Hüper rückt den Neubau möglichst nahe an die südliche Grundstücksgrenze und möglichst weit weg von der Schule. Auf diese Weise entsteht ein Abstand von 39 Metern zum Schulgebäude. Im Entwurf Thierer waren dies 26, im Entwurf Niederberger gar nur 17 Meter gewesen. So öffnet sich im Entwurf Hüper der größte Raum.