Wahl Bürgermeisterwahl in Gerstetten: Das haben die Kandidaten vor

Nadine Rau 12.01.2018
Vor 400 Gerstettern stellten Amtsinhaber Roland Polaschek und Herausforderer Thomas Junginger sich und ihre Ideen für die Gemeinde vor.

Fünfzehn Minuten haben Roland Polaschek kaum für seine Rede gereicht. Dabei brauchte er seine Person im Hinblick auf die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 14. Januar, gar nicht weiter vorstellen – nach 24 Jahren im Amt sollten die Gerstetter ihn zur Genüge kennen. Stattdessen entschuldigte er sich dafür, dass er nicht zulässige Wahlwerbung im Albboten geschaltet hatte: „Das war nicht beabsichtigt und ein Fehler, den ich bedauere.“

Roland Polaschek stellt sich vor:

Sein Wahlkampf ist zumindest strukturell klar: Acht Kernthemen für die nächsten acht Jahre. Es war wohl Zufall, dass er die ersten acht Minuten einem davon einräumte: Bauen und Wohnen. Er wolle für alle Generationen Wohnraum entwickeln, innerörtlich und in Neubaugebieten. „Man könnte es sich nicht verzeihen, wenn Familien wegziehen oder ehemalige Gerstetter nicht wieder zurückkommen können, weil kein Bauland da ist. Das wäre fast der Megagau.“

Da die Kläranlage in Gerstetten jetzt ein Pumpwerk ist, könne man etwa dort mit der Bebauung näher heranrücken. Nach vielen Jahren habe die Gemeinde jetzt am „Dellesberg“ ein zentrales, 1,9 Hektar großes Grundstück aufkaufen können, das man zusammen mit der „Völlstütze“ zu einem großen Wohngebiet entwickeln könne. Das „Tabuthema“, der Schlittenhang, solle konzipiert und grundbuchrechtlich gesichert werden.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Was das Revier Seeplatz/Bismarckstraße angeht, habe man Ende Januar ein Gespräch mit einem Quartiersentwickler. Auch in den anderen Teilorten habe man neue Plätze erschlossen, überall stünden bedarfsorientiertes Bauen und bezahlbarer Wohnraum im Fokus. Den Bestand in der Kreisbau konnte man auf knapp neun Prozent erhöhen, „gemeinsam mit denen machen wir unglaublich viel“.

Für die anderen sieben Kernthemen blieb kaum Zeit, „jetzt muss ich Gas geben“, so Polaschek. In der Vergangenheit habe man über zehn Millionen Euro in Bildung und Betreuung investiert, auch in Zukunft solle es mit dem Bildungszentrum, etwa mit einem grünen Schulhof, weitergehen. Außerdem wolle man eine Bibliothek errichten. Gute Hallen, die überall im Werden sind, sollen das Vereinsleben stärken und die Jugend soll an allen Ecken und Enden gefördert werden – auch dafür sei die Schulsozialarbeiterin zu 100 Prozent bei der Gemeinde angestellt.

Polaschek: „Vorreiter in Sachen Pflege“

In Sachen Pflege sei man „glaube ich Vorreiter gewesen mit dem Pflegeheim, das wir in Eigenregie erstellt haben“, neue Straßen seien hingegen leider unheimlich teuer. Ebenfalls wichtig für Polaschek: der Breitbandausbau, der sich gerade wegen Lieferengpässen lediglich verzögere, und eine dauerhafte Lösung für die Rettungswache für Feuerwehr und DRK am Seeplatz.

„Gerstetten ist für mich und meine Familie längst zur Heimat geworden. Wir haben uns für diese Gemeinde entschieden, bitte entscheiden Sie sich für uns“, sagte er – noch nach Ablauf der Zeit.

„Ich bin einer von Ihnen“

Sein Herausforderer Thomas Georg Junginger, 28 Jahre alt, aufgewachsen in Gerstetten, setzt auf gute Kontakte zu Landes- und Bundespolitikern, die er ab und zu berate. Nach seinem Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften erkläre er Studenten, wie man Hausarbeiten schreibe, er betreibe zudem eine Mosterei in Gerstetten. Er koche gerne und mache „auch mal einen Träubleskuchen für meine Freundin“ – „Ich bin einer von Ihnen.“

Thomas Junginger stellt sich vor:

Auch ihm sind in erster Linie genügend Bauplätze für Familien und genügend bezahlbare Mietwohnungen wichtig, als Bauland könnte er sich ebenfalls den „Dellesberg“ vorstellen, aber nur, wenn der Schlittenhang erhalten bleibe. Auch freie Fläche am Veilchenweg oder an der Baumstraße wären für ihn denkbar.

Junginger will einen Bürgerbus

Sein Ziel ist außerdem ein Bürgerbus, um die Verbindung etwa nach Heidenheim und Ulm zu verbessern, eine gute Ausstattung der Schule und ein Jugendgemeinderat. Weil „ländlicher Raum nicht gleich bedeutet, dass man hinter dem Mond lebt“, wolle er die Gemeinde durch schnelles Internet attraktiv machen, um damit auch neue Gewerbetreibende in die Gemeinde zu holen, und die lokale Gastronomie fördern.

Junginger geht es vor allem darum, das Wohlbefinden der Menschen zu steigern, den Austausch untereinander mit regelmäßigen Bürgersprechstunden zu fördern und die Unterstützung für die Vereine gerecht zu organisieren. „Ich war in den vergangenen Wochen jeden Tag unterwegs und habe mit den Bürgern gesprochen. Es ist daraus ein Programm für alle Ortsteile entstanden – Ihr Programm.“

Den Bürgern fehlen unter anderem Radwege und ein Jugendtreff

Die Ergebnisse? „Die Bürger wünschen sich den Bau eines Rettungszentrums, es fehlen Bauplätze, Radwege, ein Jugendtreff und ein Kunstrasenplatz, ein Bankautomat in Heldenfingen und außerdem fühlen sich Heuchstetten und Sontbergen abgehängt. Bis es eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70km/h auf der Heuchlinger Ortsumfahrung gibt, würde er „keine Ruhe geben“. „Weiter so“ sei ihm für Gerstetten einfach zu wenig.

Das waren die Fragen der Bürger und Antworten der Kandidaten bei der Vorstellung.