Heldenfingen / Christine Weinschenk Tausende Besucher kamen am Sonntag wieder ins Hungerbrunnental. Mehr als 180 Marktleute und Vereine waren mit Ständen vertreten.

Gut, T-Shirt-Wetter war es nicht gerade. Aber man hatte mit Schneeregen gerechnet  – und stattdessen zeigte sich sogar die Sonne. Und so lockte der Brezgenmarkt am Palmsonntag wieder geschätzt 20 000 Besucher ins Hungerbrunnental. Rund 180 Marktleute und Vereine waren mit ihren Ständen vertreten. Kulinarisch war natürlich wieder einiges geboten – allzeitbeliebt: die namengebende Palmbrezel.

Gerstettens Ordnungsamtsleiter Rudolf Stang ist seit 25 Jahren beim bunten Markttreiben dabei: „Wir hatten mehr Stände als erwartet, das Wetter war besser als erwartet – also alles, wie es sein soll.“ Auch mit der Besucherzahl ist er zufrieden. sein. „Das war kein Rekordjahr, aber dennoch ordentlich. Vermutlich haben sich einige von den schlechten Prognosen abschrecken lassen. Aber schon zur Mittagszeit gab es Schlangen an den Ständen.“

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Eine echte Tradition

Beim Brezgenmarkt von einer Tradition zu sprechen, ist nicht übertrieben. Bereits 1533 wurde er erstmals in einem Ulmer Ratsprotokoll erwähnt. Damals allerdings noch als Tanz am Ostermontag. Überliefert ist auch, dass es hier nicht immer friedlich zuging. Das Fest wurde 1705 von der Stadt Ulm und im Jahr 1730 von der Regierung in Stuttgart wegen Streitereien sogar untersagt. Seit mindestens 1844 lebte die Tradition des Marktfestes aber wieder auf. Und bis heute ist der Brezgenmarkt aus dem Veranstaltungskalender nicht wegzudenken.

Übrigens: Die Palmbrezel wurde ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Oberamtsbeschreibung erwähnt. Darin heißt es: „Die Burschen beschenken mit den Brezeln ihre Mädchen und am Ostertag wiederholt sich der Besuch des Platzes, wo dann das Mädchen jenes Geschenk mit einem Osterei erwidert. Nach kurzem Aufenthalt zieht man singend wieder heim.“ Wie viele Besucher am Sonntag singend heimgezogen sind, ist unklar.

Der Freiplatz: keine Steuern, keine Beschränkungen

In der frühen Neuzeit war das Hungerbrunnental ein sogenannter Freiplatz. Drei Gemarkungsgrenzen treffen hier bekanntermaßen aufeinander: nämlich Heldenfingen, Heuchlingen und Altheim. Es wird vermutet, dass Unsicherheiten über die Zugehörigkeit des Platzes dazu geführt haben, dass der Bereich als Freiplatz ausgewiesen wurde. Das bedeutete: keine Marktgerechtigkeiten, keine Steuern, keine Beschränkungen. Im Tal durfte also nach Lust und Laune ausgeschenkt, verkauft und getanzt werden.