Herbrechtingen/Eselsburg / Günter Trittner  Uhr
Auch die Träger beim Übergang in Eselsburg scheinen angefault zu sein.

Die „böse Überraschung“ kam am zweiten Tag der Bauarbeiten. Auch die Tragkonstruktion der Brenzbrücke in Eselsburg ist marode. Entdeckt wurde dies, als die Eichenbohlen des Belags abgetragen wurden. Bis zu einer Tiefe von 50 Zentimeter sind die vier hölzernen Träger komplett verfault.

Nach den bisher eingeholten fachlichen Stellungnahmen war Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau im Rathaus, davon ausgegangen, dass nur der Belag der Brücke zu erneuern ist.

Weiterer Gutachter kommt

Bestellt ist nun bereits ein weiterer Gutachter, der Aussagen treffen soll, ob es ausreichend ist, die Brettschichtholzbinder zu ersetzen oder ob die gesamte Tragkonstruktion erneuert werden muss. Anfragen nach vier neuen je 25 Meter langen Holzbinder haben das Rathaus bereits verlassen. Eine Aussage, wie lange die Arbeiten dauern werden, konnte Frank aber am Donnerstagabend in der Sitzung des Gemeinderat nicht machen, da ja noch nicht einmal die Gesamtheit des Schadens geklärt sei.

Diese Unklarheit führt zu weiteren Problemen. Der Bauernhof in Eselsburg hat seine Kühe derzeit auf der anderen Uferseite der Brenz stehen. Doch wie lange reicht das Gras? Und wie soll der Eselsburger Tallauf am 29. Juni vonstatten gehen ohne diese Möglichkeit den Fluss zu queren?

Bundeswehr als Retter und Brückenbauer

Martin Müller, der Sprecher der Freien Wähler, regte an, sich an die Bundeswehr zu wenden, ob diese nicht eine Ponton-Brücke legen könnte - „auch wenn dies vielleicht abwegig klingt.“ Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter sollte aus Sicht des Rats jedenfalls angesprochen werden.

Stadtrat Andreas Hof (Freie Wähler) veranschlagte die Mehrkosten allein für die vier zusätzlichen Holzbinder auf 20 000 Euro. Den Landwirt trieb aber noch eine weitere Sorge um. Ihn störte, dass der neue Belag aus Kunststoff sein soll. Eine „Plastikbrücke im Naturschutzgebiet“ dürfe es eigentlich nicht geben. Der Plastikabrieb garniere dann die Wiesen des Biobauern. „Das Baumaterial liegt aber schon da“, ließ Frank wissen.

Gerade 21 Jahre alt ist die Brücke, die in Eselsburg über die Brenz führt. Schon seit vielen Monaten hatten Wanderer, Radler und auch die Eselsburger über ihren schlechten Zustand geklagt. Behelfsweise Ausbesserungen des erkennbar morschen Belags führten nicht richtig weiter. Aufgrund des jetzt entdeckten Schadens war Müller nachträglich überrascht, dass bei den letzten Holztransporten aus dem Tal alles gut gegangen war.

Neue Brücke wird etwas breiter

Plan für den neuen, etwas breiteren Überweg ist, dass die Brücke nicht mehr mit Holz, sondern mit einem durch Glasfaser verstärkten Kunststoff ausgelegt wird, der zudem eine mineralische Beschichtung erhält. Dieser soll, so Frank, da leicht geriffelt, rutschfest sein. Auch das neue Geländer wird aus diesem speziellen Kunststoff gefertigt. Der Hersteller, so Frank, gehe von einer Haltbarkeit von 60 Jahren aus. Unverändert bleibt die Beschränkung auf ein Maximalgewicht von 16 Tonnen. Bis zur Entdeckung der angefaulten Träger war man von einer Bauzeit von einem Monat ausgegangen.

Fehler in der Vergangenheit

Wie Bürgermeister Dr. Bernd Sipple zu erkennen gab, seien bereits beim Bau der Brücke in Eselsburg gravierende Fehler gemacht worden. Er erinnerte die Gemeinderäte, dass sie es gewesen waren, die damals mit Mehrheit eine Überdachung abgelehnt hätten, welche das Holz hätte vor Verwitterung schützen können. CDU-Stadtrat Manfred Strauß brachte in Erinnerung, dass man zugunsten der Landwirtschaft so entschieden hätten. Diese hätte Schwierigkeiten mit ihren Maschinen und Fahrzeugen bekommen.

Stadtrat Andreas Hof sah das Problem an einer anderen Stelle. Schon vor 20 Jahren habe ein Eselsburger Landwirt prophezeit, dass die Brücke nicht halten werde. Und war deswegen, weil die tragenden Binder von oben angebohrt, um so mit Eisenstäben die Bohlen des Belags zu fixieren. Über die Stäbe sei damit das Wasser direkt ins Holz geleitet worden. „Die Konstruktion ist ein absoluter Schwachsinn“, meinte Hof gt