Ehrung Bildung als Basis für Berufsstart gewürdigt

Verleihung des Preises der Gerstetter Wirtschaft: Stiftungsvorsitzender Jürgen Truckenmüller, die Preisträger Rafael Banzhaf, Salome Isabell Bosch, Benjamin Albrecht, Magdalena Dorothea Mandl und Bürgermeister Roland Polaschek (von links).
Verleihung des Preises der Gerstetter Wirtschaft: Stiftungsvorsitzender Jürgen Truckenmüller, die Preisträger Rafael Banzhaf, Salome Isabell Bosch, Benjamin Albrecht, Magdalena Dorothea Mandl und Bürgermeister Roland Polaschek (von links). © Foto: Foto: Jens Eber
Gerstetten / JENS EBER 16.02.2014
Eine Leistungsschau mit besonderem Charme: Zum 23. Mal zeichnete die Stiftung Preis der Gerstetter Wirtschaft am Freitagabend junge Menschen aus der Gesamtgemeinde für hervorragende Leistungen aus.

„Angefangen hat alles in Gerstetten“, begann der 30-jährige Physiker Benjamin Albrecht seine kurze Vorstellung im Stucksaal des Bahnhotels und nannte damit gleich das Bindeglied zwischen den vier Preisträgern des Jahres 2014: Alle sind sie in Gerstetten zumindest in die Grundschule gegangen und haben offenbar schon früh tiefes Interesse für Wissenschaft und Forschung mitbekommen. Preisträgerin Salome Isabell Bosch betonte aber auch, sie sei durch Werte wie Bodenständigkeit und Fleiß geprägt worden.

Laut ihrer Satzung vergibt die einst von Unternehmer Dr. Ulrich Zwissler und Alt-Bürgermeister Klaus Merkle ins Leben gerufene Stiftung Preise für herausragende Leistungen in Schule und Ausbildung. Und hier hatten die vier Preisträger tatsächlich Beeindruckendes geleistet, wovon nicht nur die ungezählten Eins-Komma-Noten in ihren Viten zeugten.

Benjamin Albrecht, ausgezeichnet mit dem ersten Preis (dotiert mit 1000 Euro) hat nach seinem Abitur am Heidenheimer Wirtschaftsgymnasium in Karlsruhe Physik studiert und arbeitet derzeit an der Uni Konstanz an seiner Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe Photovoltaik.

Ebenfalls mit Photovoltaik, allerdings aus dem Blickwinkel Nanotechnik, beschäftigt sich die 28-jährige Gerstetterin Magdalena Dorothea Mandl, die in Würzburg einen Abschluss zur Diplom-Ingenieurin geschafft hat. Aktuell interessiere sie sich vor allem für den Einsatz von Nanotechnik im Bereich Medizin, sagte Mandl, die mit dem zweiten Preis (750 Euro) ausgezeichnet wurde.

„Ich habe als Kind schon Fernseher aufgeschraubt, um zu sehen, was drin ist“, erzählte der Gussenstadter Rafael Banzhaf, der einen der beiden dritten Preise erhielt. Nach dem Realschulabschluss in Gerstetten absolvierte Banzhaf eine Ausbildung als Elektroniker, und weil er sein Wissen noch vertiefen wollte, holte er die Fachhochschulreife nach und studiert derzeit Industrieelektronik in Ulm. Vergangenes Jahr hat er zudem mit seinem Bruder ein Start-Up-Unternehmen gegründet, das 2015 mit ersten Produkten in Serienfertigung gehen will.

Salome Isabell Bosch aus Heldenfingen, die ebenfalls einen mit 500 Euro dotierten dritten Preis erhielt, hat nach einem Germanistikstudium noch einen Master in Personalmanagement draufgesattelt und hofft nun, künftig die Personalpolitik in einem großen deutschen Unternehmen mitgestalten zu können.

Sie habe früh gelernt, dass Erfolg nicht von allein kommt, sagte Bosch und pflichtete damit gewissermaßen Bürgermeister Roland Polaschek bei, der eingangs betont hatte, gute Startchancen für junge Menschen lägen den Verantwortlichen auf der Alb besonders am Herzen. Bildung sei in einem rohstoffarmen Land wie Baden-Württemberg „mit das Wichtigste“, was junge Menschen für den Start ins Berufsleben bräuchten. Dabei sei es wichtig, Bildung auch offen zu diskutieren, vor dem Hintergrund jüngster Debatten über den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung mahnte Polaschek aber, Bildung sei „ein viel zu wichtiges Thema, um es für politische Grabenkämpfe zu nutzen“.

Polaschek forderte zudem gemeinsame Anstrengungen ein, Ausbildungsberufe in heimischen Betrieben attraktiver zu gestalten und das Ansehen dieser Berufe „in unserer Gesellschaft hoffähiger zu machen“. Damit kritisierte Polaschek den Glauben, nur mit Abitur und Studium sei beruflich etwas zu erreichen.

Auch der Stiftungsvorsitzende Jürgen Truckenmüller sprach in seiner Rede von der Sorge der Wirtschaft angesichts eines „deutlichen“ Fachkräftemangels in vielen Branchen. Hier müssten zum einen die Unternehmen qualitativ hochwertige Ausbildung anbieten, zum anderen brauche es aber auch motivierte Auszubildende mit Eigeninitiative.

Insgesamt, so Truckenmüller, nehme die Wirtschaft wieder Fahrt auf. Wichtig sei nun vor allem Sicherheit in Bezug auf Energiepreise und -versorgung. Ein „Hin und Her wie in den letzten Jahren“ könne dagegen ganze Branchen in ihrer Existenz gefährden.

Mit Blick auf die Preisträger stellte Truckenmüller mit einem Zitat von Benjamin Franklin fest: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ So gesehen gewährte die Musikschule Gerstetten am Freitag eine Zinsausschüttung: Das neu gegründete Gitarrenensemble unter der Leitung vom Frank Schmitt begleitete den Festabend musikalisch. Schulleiter Thomas Neumann vergaß nicht zu betonen, alle Preisträger hätten einst auch die Musikschule besucht.

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