Küpfendorf Bilder, die mit dem Licht gehen

Küpfendorf / Joelle Reimer 30.08.2018
Günther Reger zeigt mit seiner Serie „Im Wechsellicht“ eine ungewöhnliche Form der Farbfeldmalerei: Durch Leuchtfarbe verändern sich seine Werke je nach Lichteinstrahlung. Nun stellt er in Peking und Heidenheim aus.

Eigentlich müsste man sich Zeit nehmen, um Günther Regers Kunst zu betrachten. In aller Ruhe. Am besten 24 Stunden lang. Doch wer hat die schon?

Also gut. Dann eben nur eine Stunde. Eine Stunde am Ortsrand von Küpfendorf, die zwar schnell vorübergeht, von der aber jede einzelne Minute beeindruckend ist – vor allem deshalb, weil in Regers Atelier nicht nur die aktuellen Arbeiten seiner Serie „Im Wechsellicht“ zu sehen sind, die ab 15. September im Museum of Contemporary Art in Peking ausgestellt werden, sondern Dutzende Werke der vergangenen Jahre. Ein Sammelsurium der verschiedensten Stile, Techniken, Farben, Materialien.

Doch das Offensichtliche zuerst – und das sind eindeutig die Bilder für die kommende Ausstellung in Peking. Im hinteren Teil des Ateliers lehnt ein etwa vier Meter breites Kunstwerk an der Wand; beziehungsweise: eine Hälfte lehnt an der Wand, die andere setzt das Bild auf dem Boden liegend fort. Es ist eine riesige Kugel, feuerrot und leuchtend gelb im Innern, silberblau bis nachtschwarz am Rand. Etwa in der Mitte, quer vom Boden an die Wand, steht ein ockerfarbener Stab, der zunächst an einen Zollstock erinnert.

Farbe als wichtigste Komponente

Was das ist? Das bleibt dem Betrachter überlassen. „Manche sehen Planeten, manche etwas Spirituelles. Mir selbst geht es um die Form. Und mich interessieren die Eigenschaften der Farbe. Die Umkehrung, die mit dem Wechsel des Lichtes stattfindet“, erklärt Reger. Er spielt damit nicht nur auf den Ausstellungstitel an, sondern gibt gleichzeitig einen Hinweis auf die wohl wichtigste Komponente seiner Werke: Die Farbe.

Die ist durchaus ungewöhnlich. Zwar entstehen seine Werke in Acryltechnik, mit selbst angemischten Pigmenten – wie es häufig der Fall ist –, doch bei Günther Reger kommt eine sogenannte Tages- und Nachtleuchtfarbe zum Einsatz. „Es ist wie ein meditativer Prozess, wenn sich die Bilder über das Licht ständig verändern“, so Reger, der für die Ausstellung eigens dimmbare Lampen anbringen wird.

Kunst und Musik-Performance

Was der Künstler mit dieser Serie erreichen will? Hauptsächlich will er sich der Farbfeldmalerei widmen, diese aber gleichzeitig weiterentwickeln. „Ich will, dass die Leute sich in meiner Kunst verlieren. Dass jeder einen Zugang zur Kunst bekommt.“ Und genau das braucht Zeit – am besten eben mehr als eine Stunde. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass es zur Eröffnung der Ausstellung in Peking auch noch eine musikalische Performance geben wird: „Black Hole“, eine Mischung aus Bass-Synthesizer, Percussion, Saxophon und Stimme, soll mehr sein als bloß eine musikalische Umrahmung; es soll die Kunst ergänzen und verstärken. „Im richtigen Moment, im richtigen Licht, kann der Betrachter dann im Bild wirklich ein schwarzes Loch wahrnehmen“, sagt Reger. Allerdings nur derjenige, der live vor Ort ist, denn diese besondere Farbwirkung lasse sich von einer Kamera fast nicht einfangen. „Es ist wie ein Live-Konzert. Wie es einem heiß und kalt den Rücken hinunter läuft, diese Erfahrung kann man nur selbst vor Ort machen.“

Ausstellung auch in Heidenheim

Jetzt ist Peking nicht gerade um die Ecke. Alle, die nicht wirklich ganz viel Zeit haben, werden also kaum mal eben ins Flugzeug steigen – doch Günther Regers Arbeiten „Im Wechsellicht“ sind bald auch hierzulande zu sehen: ab 20. Oktober im Heidenheimer Kunstmuseum. „Ich habe viele Jahre lang meinen Vater gepflegt, habe vieles hinten angestellt. In dieser Zeit habe ich wie blöd im Atelier gearbeitet, und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich meine Werke präsentieren kann. Dass ich damit einfach raus gehen muss.“

Der Weg vom Atelier zur Ausstellung

Wie es Bilder vom heimischen Atelier in eine Ausstellung schaffen, dafür gibt es unterschiedliche Wege.

Entweder fragt der Künstler direkt bei den Galerien an, stellt sich vor und bekommt den Zuschlag. Oder aber die Galerien und Museen fragen beim Künstler an, weil dieser ihnen empfohlen wurde oder sie ihn durch andere Ausstellungen bereits kennen.

Eine weitere Möglichkeit sind Künstleragenturen. Diese beraten und begleiten beim Sammlungsaufbau, bei Art-Leasing oder bei Ausstellungen und Kunstveranstaltungen und vermitteln Künstler an die passenden Galerien bzw. Museen.

Auf diese Weise hat sich auch die kommende Ausstellung für Günther Reger in Peking ergeben.

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