Dunstelkingen Bierbrunnenfest abgesagt: ohne „Grillmeister“ geht's nicht

Im vorigen Sommer floss das Bier noch kräftig aus dem Dunstelkinger Dorfbrunnen. 2018 dagegen strömt hier kein Gerstensaft: Das Bierbrunnenfest wurde vor kurzem abgesagt.
Im vorigen Sommer floss das Bier noch kräftig aus dem Dunstelkinger Dorfbrunnen. 2018 dagegen strömt hier kein Gerstensaft: Das Bierbrunnenfest wurde vor kurzem abgesagt. © Foto: Markus Brandhuber/Archiv
Dunstelkingen / Klaus Dammann 12.07.2018
Dunstelkingens zweitägiges Dorffest fällt in diesem Jahr flach. Grund dafür ist die Absage des seit Jahren für den Grillbetrieb zuständigen Helfers. Was sind die Hintergründe?

Es hat eine beachtliche Tradition im Dischinger Teilort Dunstelkingen, das beliebte zweitägige Bierbrunnenfest, bei dem typischerweise die ersten Liter Gerstensafts aus dem Dorfbrunnen fließen. Weit über die Ortsgrenzen hinaus ist die Veranstaltung besonders auch für ihr kulinarisches Angebot an leckeren Hähnchen vom Grill bekannt und beliebt. Am Wochenende 21. und 22. Juli hätte das Bierbrunnenfest nun zum mittlerweile 34. Mal stattfinden sollen. Hätte. Denn vor wenigen Tagen sagten die Organisatoren es für das Jahr 2018 überraschend ab.

Als Leistung der Dorfgemeinschaft wird das Festwochenende seit Jahren in Zusammenarbeit von Sportverein, Musikverein, Schützenverein, Obst- und Gartenbauverein und der Feuerwehr gestemmt. Jede der Gruppierungen ist für einen Teil der Veranstaltung zuständig – so der Schützenverein für den Bereich Essen. Und gerade hier, beim sogenannten „leiblichen Wohl“, liegt der Hase im Pfeffer.

Der Schützenverein kann bei der Zubereitung der begehrten Grillhähnchen seit Jahrzehnten auf einen ehrenamtlichen Helfer aus dem Ort setzen, dessen Einsatz wesentliche Grundlage für die Beliebtheit der knusprigen Vögel ist. Doch just dieser Experte für die Bierbrunnenfest-Spezialität hat vor rund einer Woche den organisierenden Vereinen einen Korb für das Jahr 2018 gegeben: Er stehe heuer als „Grillmeister“ nicht zur Verfügung.

Die Veranstalter hat diese Nachricht tief getroffen, denn beim Schützenverein sieht man sich nicht in der Lage, diesen Ausfall in der Küche in der Kürze der Zeit zu kompensieren. „Ich bin aus allen Wolken gefallen. Es ist keiner da, der die Hähnchen so für uns machen kann“, sagt Albert Stumpf, der Vorsitzende des Schützenvereins. „Die Qualität der Grillhähnchen war Eigenwerbung. Der gute Ruf des Fests geht auf die bei uns angebotenen Hähnchen zurück.“

Den guten Ruf nicht riskieren

Das sieht auch Karl-Heinz Pappe, Vorsitzender des Sportvereins, so. „Das Bierbrunnenfest lebt in der Regel von unseren halben Hähnchen als Spezialität.“ Die Besucher kämen von weit her – „nur wegen der Göggele“. Ohne den „Grillmeister“ könne man das Ganze in zwei Wochen nicht schaffen und ein Grillwagen habe zu wenig Kapazität. Die Gefahr, dass man unzufriedene Besucher hat, sei schlimmer, als wenn das Fest einmal ausfallen muss. Da seien sich die Vereinsvorsitzenden einig. „Wir können unseren guten Ruf nicht aufs Spiel setzen.“ Und 2019 werde es „mit 100-prozentiger Sicherheit“ wieder ein Fest geben, so Pappe.

„Ziemlich enttäuscht“ zeigt sich auch Christoph Hald, Chef der örtlichen Brauerei. „Es haben sich viele Auswärtige im Vorfeld für das Bierbrunnenfest interessiert.“ Die Veranstaltung sei in Dunstelkingen gut etabliert. „Es wird dieses Jahr etwas fehlen im Dorfleben.“

Was aber ist der Hintergrund, dass der besagte „Grillmeister“ dieses Jahr nicht mitmachen will? Werner Ott ist 56 Jahre alt, gelernter Metzger, arbeitet aber in diesem Beruf nicht mehr. Im Nebenerwerb ist er Landwirt in Dunstelkingen. Seit mittlerweile 26 Jahren kümmere er sich beim Bierbrunnenfest um die Würzung und Zubereitung der Spezialität vom Grill und des weiteren kulinarischen Fleischangebots, erzählt er. Unterstützt hätten ihn seine beiden Brüder und oft auch die ganze Familie. Bis zu 350 Hähnchen konnten beim Fest so den hungrigen Gästen alljährlich serviert werden. Ott: „Ich bin der Spezialist gewesen. Hähnchen machen ist nicht ganz so einfach.“ Auch beim vor zehn Jahren begründeten Gockelfest im Dorf und beim Dunstelkinger Frühlingsfest sei er als Chef am Grill tätig und sorge für die Würze: „Jeder Koch hat auch sein Geheimnis“, betont er.

Eine Beschwerde als Anlass

Aber heuer macht er beim Bierbrunnenfest nicht mit, weil er sich geärgert hat. Die Angelegenheit habe sich in der Faschingszeit entwickelt, als er mit dem Traktor Mist auf seine Flächen ausfuhr, schildert Werner Ott. Im Nachgang dazu sei bei der Gemeinde Dischingen eine anonyme telefonische Beschwerde über ihn eingegangen, dass er die Straßen verschmutzt habe. Die Beschwerde musste dann Ortsvorsteher Harald Saur dem Landwirt überbringen. Und darauf habe er geantwortet: „Das hat jetzt mal Konsequenzen. Da hat derjenige, der sich beschwert hat, ein Eigentor geschossen.“ Als ihn vergangene Woche Albert Stumpf auf die Arbeit am Grill beim Bierbrunnenfest ansprach, habe er abgesagt.

Es sei eben so in der Landwirtschaft, dass mal etwas auf der Straße herumliegen kann, sagt Ott. Zu jenem Zeitpunkt habe es geregnet, sonst hätte er die Kehrmaschine zur Reinigung der Straße eingesetzt. Warum man ihn nicht direkt auf das Problem angesprochen hat, versteht er nicht. Die Entscheidung, sein Mitwirken beim Fest abzusagen, habe er sich nicht leicht gemacht. Und damit, dass dann die ganze Veranstaltung ausfällt, habe er auch nicht gerechnet.

Er sei enttäuscht, äußert sich Albert Stumpf. Er habe aber auch Verständnis für Ott, dessen Leistungen man nicht vergessen dürfe: „In Dunstelkingen ist wohl kaum einer zu finden, der ehrenamtlich mehr für Feste macht als er.“ Ott habe den Vereinen viel Geld in die Kasse gespült. Und er sei auch nicht im Streit mit dem „Grillmeister“ geschieden.

Neuanlauf im Jahr 2019?

Ein Comeback im nächsten Jahr ist bei Interesse der Organisatoren für Werner Ott aber denkbar: „Wenn meine Brüder wieder mitmachen, würden wir wieder einsteigen.“ Eine Chance für die Fortsetzung des Traditionsfests sieht Ortsvorsteher Harald Saur für gegeben, wenngleich es vielleicht schwierig sei. Doch die Vereine wollten sich bemühen: „Das Fest ist abgesagt, aber nicht gestorben.“

Das Bierbrunnenfest

Die Geschichte des zweitägigen Dorffests in Dunstelkingen reicht bis ins Jahr 1985 zurück. Im Rahmen der Dorfentwicklung war damals der Dorfplatz neu gestaltet worden und mit dem ersten Bierbrunnenfest wurde auch die Einweihung des neuen Platzes gefeiert. Da sich die örtliche Brauerei Hald – heute als Härtsfelder Familienbrauerei bekannt – im Ort befand, wurde bei der Neuanlage kurzerhand ein Leitungssystem unter dem Pflasterboden mitverlegt, das es ermöglichte, den Dorfbrunnen an eine Bierleitung anzuschließen. So konnte zum Fassanstich für das Fest Bier aus dem Brunnen gezapft werden.

Hier Bilder vom letzten Bierbrunnenfest in Dunstelkingen:

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