Fasching Bierberge und durstige Gallier

Niederstotzingen / Karin Greth 23.02.2014
"Schlag den Stöpselclub" hieß es am Samstagabend vor der Stadthalle. Dort traten Faschingsathleten bei den ersten Stozinger Narralympics gegen ein Team des Stöpselclubs an. Ein Bericht über den Gaudi-Kampf um 111 Liter Bier und seine Hintergründe.

Ertappt. Jörg Schmid hat seinen Stöpsel vergessen. Und das ist schon ein bisschen schlimm. Zum einen, weil er der Vorsitzende des Niederstotzinger Stöpselclubs ist. Und zum anderen, weil ihn das jetzt eine Kiste Bier kostet. Denn so eine Kiste muss jedes Mitglied spendieren, das sich nicht ausweisen kann: Mit einem Stöpsel – der ist das Erkennungszeichen der Clubmitglieder. So steht es in der Satzung des Vereins. So haben es die Gründerväter beschlossen, 1995 bei ihren konspirativen Treffen auf dem Waldsportplatz, ein netter Ort damals, um Bierchen zu kippen, ohne lästige Kommentare der älteren Generation befürchten zu müssen.

Sechs junge Männer waren es, zwischen 16 und 20 Jahre alt, und ihre Stöpsel, um die es geht, waren als Bügelverschluss an den Flaschen ihrer bevorzugten Marke angebracht. Wahrscheinlich hätten es die Gründerväter damals selbst nicht so erwartet: aber obwohl es im Verein nie bierernst zuging, hat der Club seither einiges für die Niederstotzinger Gesellschaft getan.

Ohne Stöpsel? Kein gutes Zeichen

Und das kam so: Zu vielen Mitgliedern ging es wie Jörg. Sie wurden ohne Stöpsel ertappt. Irgendwann stapelten sich mehr Strafbier-Kisten, als man leer trinken konnte. So sehr man sich auch Mühe gab. Zur Unterstützung luden die Clubmitglieder deshalb Freunde ein, der Alkohol wurde gemeinsam bekämpft. Doch die Freunde und Bekannten tranken nicht nur mit, nein, sie identifizierten sich so sehr mit den Zielen des Clubs, dass sie auch gleich aufgenommen werden wollten. Also wuchs der Verein und mit ihm der Bierkasten-Stapel, bis die Stöpsler schließlich beschlossen, in die Offensive zu gehen und zum öffentlichen Gartenfest einzuladen.

Dann kam die Sache mit der fünften Jahreszeit dazu. Zusammen mit dem Musikverein luden die Stöpsel-Freunde 2004 erstmals zum Generationen-Fasching nach Oberstotzingen. Später zog man um in die Niederstotzinger Stadthalle und rief 2006 erstmals einen Nachtumzug ins Leben, zum Vorglühen, wie Partyprofis so etwas zu nennen pflegen – als Aufwärmtraining für die anschließende Generationenfeier.

Mit überwältigendem Erfolg. Leider. Denn mit dem Nachtumzug verhielt es sich letztlich dann so wie mit den Bierkästen. Die Sache wuchs den braven Stöpslern über den Kopf. „Es gab immer mehr Auflagen“, bedauert Jörg Schmid, „und es wurde immer schwieriger, das Ganze unter Kontrolle zu halten“. Als beim Umzug vor zwei Jahren 24 große Gruppen vor der Haustüre standen und rund 2000 Leute mitfeiern wollten, wurde auf eine Wiederholung verzichtet.

Doch wie nun Vorglühen? Ein neues, überschaubares Aufwärmprogramm musste gefunden werden: das war die Geburtsstunde der ersten Stozinger Narralympics. Unter dem Motto „Schlag den Stöpselclub“ forderten die Stöpsler andere Faschingsgruppen zu Vergleichskämpfen vor der Stadthalle heraus. Der Preis: 111 Liter Bier. „Das sorgt schon für Ehrgeiz!“, beteuerte Moderator Matthias Ruthardt – was für eine großartige Möglichkeit, den Bierberg abzubauen.

Sieben Faschingsgruppen waren angetreten, um je vier ihrer Mitglieder gegen vier Mitglieder der Stöpsler kämpfen zu lassen. Darunter die „Löschzwerge Niederstotzingen“, die später mit drei Punkten vor dem „1. FC Nasskapp“ aus Asselfingen den Sieg einholten. Das Team „Köpi“ aus Hildesheim hatte die längste Anreise und die wenigsten Punkte. Ein gallisches Team aus Asselfingen fiel vor allem dadurch auf, dass es bereits in der ersten Disziplin, dem „Bierathlon“, die Ziele mit den Wurfbällen gar nicht zu treffen versuchte, sondern klaglos die Strafe für Fehlschüsse akzeptierten: je ein Bier auf Ex für jeden Fehlwurf.

Trinkfest waren auch die „Handballer Brenz“ (Platz 6), die „Titelverteidiger“, die es nur auf vorletzten Platz brachten und die „Muschigarde“ (Platz 4). Die Stöpsler kämpften sich durch die vier Disziplinen – neben „Bierathlon“ standen Bierkisten-Curling, Zweier-Bob und Doppel-Sack auf dem Programm – und erzielten das drittbeste Ergebnis. Ein Erfolg, den man anschließend gemeinsam in der ausverkauften, zum narralympischen Dorf umgebauten Stadthalle feierte.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel