Bildung Bibrisschule wird Gemeinschaftsschule

Herbrechtingens Schulwelt geht ab Herbst dieses Jahres einen anderen Weg: aus der Grund- und Werkrealschule wird die Bibris-Gemeinschaftsschule.
Herbrechtingens Schulwelt geht ab Herbst dieses Jahres einen anderen Weg: aus der Grund- und Werkrealschule wird die Bibris-Gemeinschaftsschule. © Foto: Foto: Rudi Weber
Herbrechtingen / Günter Trittner 14.02.2014
Die Freude ist groß und allgemein. Lehrer, Eltern und die Stadtverwaltung begrüßen gleichermaßen, dass die Bibrisschule ab kommenden Schuljahr eine Gemeinschaftsschule wird. Am Montag hat das Kultusministerium diese Entscheidung bekanntgegeben.

81 von 108 Schulen, die einen Antrag gestellt hatten, haben einen positiven Bescheid erhalten. In Herbrechtingen, so Beigeordneter Thomas Diem, sei man „relativ sicher“ gewesen, dass die Grund- und Werkrealschule im Bibris in diese neue Schulart transformiert wird.

21 Klassen zählt die Bibrisschule derzeit, 13 Klassen gehören der Werkrealschule an. Deren Schüler werden diesen Bildungsgang wie vorgesehen mit dem Zeugnis einer Werkrealschule abschließen. Es gibt einen „sanften Übergang“, versichert Schulleiter Roland Widmann.

Gemeinschaftsschule bereits ab der Grundschule

Gleichermaßen aber gilt: Ab kommenden Schuljahr ist vieles anders. Und dies schon ab der ersten Klasse. Denn in Herbrechtingen setzt die Gemeinschaftsschule bereits in der Grundschule an. „Es wird eine neue Lernkultur“ beschreibt Roland Widmann den vorgesehenen pädagogischen Wandel. Äußerlich am augenfälligsten ist, dass es nur noch auf Wunsch von Eltern Noten geben wird. Ersetzt wird diese Skala durch einen Lernbericht, in dem detailliert Auskunft über den Leistungs- und Wissenstand der Schüler gegeben wird. Darin notiert ist auch die Anforderungsebene, sprich das Lernniveau des Schülers.

Zur einfachen Unterscheidung hat man an der Bibrisschule die Medaillenfarben Bronze, Silber und Gold gewählt. Sie stehen für Hauptschule, Realschule und Gymnasium. „Immer wird der bestmögliche Abschluss angestrebt“, hat die Schule als Leitsatz in ihrem pädagogischen Konzept verankert. Gelernt wird an der Gemeinschaftschule in Lerngruppen. „Jedes Kind lernt nach seinen Möglichkeiten“, sagt Schulleiter Widmann und wird dabei von einem Lerngruppenleiter begleitet – wie die Lehrer künftig heißen sollen. Ein Schüler kann also durchaus im Mathematik auf Goldkurs sein, in Deutsch aber nur mit Bronze aufwarten.

Keine Trennung nach Klasse vier

Wichtig ist Widmann, dass die Schüler auch untereinander sich helfen. Es wird keine Trennung nach Klasse vier geben, so dass der Wechsel von der Grundschule in die Sekundarstufe 1 gewachsene Verbindungen unter den Kindern nicht kappt. In der Sekundarstufe 1 ist die Gemeinschaftsschule auch an drei Tagen Ganztagesschule.

Wenn es je in der Kollegenschaft Zweifel an dem Kurs hin zur Gemeinschaftsschule gegeben haben sollte, dann, so Widmann, hätten sich diese nach einem Informationsbesuch bei der Gesamtschule in Külsheim allesamt aufgelöst. „Die Kollegen brennen heute auf die Gemeinschaftsschule“, hat Widmann den Eindruck. Und bei den Eltern ist es nicht anders, weiß Martina Exouzidis, die Vorsitzende des Elternbeirats. „Dieser Besuch war ein Erlebnis“. Ausdrücklich bedankt sich Exouzidis bei der Stadtverwaltung, welche die Schule in diesem vor eineinhalb Jahren aufgenommenen Weg hin zur Gemeinschaftsschule unterstützt habe. „Die Stadt stand immer hinter uns.“ Die Tatsache, dass die Gemeinschaftsschule wie die Realschule zur mittleren Reife führen kann, sieht Beigeordneter Thomas Diem auch als Vorteil für den Schulort Herbrechtingen. Im Rahmen einer Regionalkonferenz am Regierungspräsidium habe man im Vorfeld der Entscheidung für eine Gemeinschaftsschule mit den Nachbargemeinden untersucht, welche Auswirkungen eine solche Schule in Herbrechtingen auf die überörtliche Schullandschaft haben kann. „Wir werden nicht in anderen Gemeinden um Schüler werben“, sagt Diem zu. Widmann geht davon aus, dass die vom Kultusministerium geforderte Mindestzahl von 40 Schülern in einem Jahrgang verlässlich erreicht werden kann.

Die Gemeinschafsschule hat wegen des Unterrichts in kleineren Lerngruppen einen höheren Raumbedarf. Dieser lässt sich aus heutiger Sicht im Schulgebäude decken. Nur kleineren Umbauten werden erforderlich, weiß Beigeordneter Diem. Zugleich will man mit dem Anwachsen der Gemeinschaftsschule Erfahrungswerte sammeln, welche in die Schulbaukonzeption einfließen. Wie vom Gemeinderat beschlossen, soll nach der Instandsetzung der Sporthallen im Bibris das Schulzentrum dort saniert werden.

Enge Kooperation mit Buigen-Gymnasium

Die Gemeinschaftsschule führt in den Klassen 9 zum Hauptschulabschluss, in Klasse 10 zum mittleren Reife und zum Abitur nach Klasse 13. Damit auch dieser höchste Schulabschluss erreicht werden kann, wird die Bibris-Gemeinschaftsschule eng mit dem benachbarten Buigen-Gymnasium kooperieren und einen fachlichen Austausch pflegen. Widmann geht davon aus, dass auf Sicht die Gemeinschaftsschule auch Realschullehrer zugeteilt bekommet. Neu für die Bibrisschule ist, dass ab der sechsten Klasse Französisch als zweite Fremdsprache unterrichtet wird.

In einer Arbeitsgruppe will man jetzt das vom Kultusministerium explizit gelobte pädagogische Konzept für die Gemeinschaftsschule noch verfeiern. Widmann seinerseits hat allen Grundschulen in Herbrechtingen und den Teilorten angeboten vor Ort Eltern und Lehrern die Idee der Gemeinschaftsschule zu erläutern. Zudem wird es noch vor der Schulanmeldung im März einen Informationsabend geben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel