Herbrechtingen / Günter Trittner  Uhr
Die Herbrechtinger Stadtverwaltung und die Handballer haben sich auf klare und strenge Regelungen verständigt, damit die Dreifeld-Halle nicht alsbald einen klebrigen Boden hat. Bei Verstößen drohen Spielern und Teams Hallenverbote.

Kein Handball ohne Harz. Dies gilt mittlerweile auch in den unteren Ligen. In der neuen Bibrishalle gilt aber auch: Wer harzt, der putzt.

In Gesprächen haben Stadtverwaltung und Vertreter der TSV-Handballabteilung nach Vorschlag der Handballer eine Liste mit Regeln erstellt, die sicherstellen soll, dass alle Nutzer der neuen Dreifeldhalle ein auskömmliches Miteinander haben.

Denn Harzen, so Dieter Frank, der Leiter des Fachbereichs Bau, „trennt die Sportwelt“. Während die Handballer Harz an den Händen wollen, um den Ball leichter fangen, führen und trickreicher werfen zu können, ärgern sich die anderen Sportler über die klebrigen Flecken auf den Böden. Vorgestellt wurde der neue Kodex bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Das Gespräch war von der Verwaltung auch deswegen gesucht worden, weil in der Vergangenheit verhängte Vorgaben nur unzulänglich eingehalten, aber auch von der Verwaltung nicht intensiv genug überwacht worden waren.

Ab Juli läuft Probezeit

Das soll nach dem im Juli anlaufenden Probe-Halbjahr anders werden. Die Verwaltung droht bei Verstößen klipp und klar mit Hallen- und Hausverboten für Spieler und auch Gruppen. Wesentliche Vorgaben sind: In die Halle kommen nur saubere Bälle. Diese werden nach dem Training oder Spiel gereinigt. Die Stadt schafft dazu eine Ballreinigungsmaschine an. Es wird ausschließlich ein wasserlösliches Harz verwendet.

Auch die Gäste dürfen nur dieses Harz gebrauchen. Damit das Harz nicht aus der Halle kommt, müssen alle Spieler am Ende noch in der Halle ihre Hände säubern. Dazu werden noch die räumlichen Möglichkeiten geschaffen. Nach jedem Spiel/Training müssen in der Halle systematisch die noch frischen Harzstellen vorgereinigt werden.

In der Mehrzweckhalle ist die Verwendung von Harz absolut untersagt. Zuletzt war die alte Bibrishalle aufgrund massiver Beschwerden der anderen Nutzer nach jedem Heimspiel der Handballer und mindestens alle vier Wochen gereinigt worden. Die Kosten stiegen dabei von 4800 Euro im Jahr 2017 auf 11 000 Euro im vergangenen Jahr. Thomas Braun, der stellvertretende Abteilungsleiter Handball, war sicher, dass bei Befolgen der Regeln die Halle zu 99,9 Prozent sauber bleiben werde.

Zeit des Eingewöhnens

„Wir wollen uns alle an die Vorgaben halten“, meinte Braun, aber es brauche eine Eingewöhnungszeit. „Wir müssen alle lernen.“

Auf Nachfragen von Stadträten, bekräftigte Braun, dass ohne Harz der Handballsport nicht mehr auszuüben sei. Sechs Herbrechtinger Teams nutzten derzeit das Harz. „Harz beginnt mit der C-Jugend.“ Die Spielgemeinschaft Herbrechtingen/Bolheim tritt kommende Saison in der Landesliga an.

Stadträtin Petra Reiss (Freie Wähler) verwies auf die Bedeutung dieser Sportart in der Stadt. „Herbrechtingen spielt Handball.“ Entsprechend wichtig sei ein gutes Miteinander in der Halle. Susanne Niesel (CDU) bat darum, die Regeln allen Spielern auszuhändigen und sich dies mit Unterschrift bestätigen zu lassen. Manfred Strauß (CDU) riet dazu, auch in Bolheim diese Regeln anzuwenden. Michael Lehmann (CDU) schlug noch vor, einen Reinigungsroboter anzuschaffen. Laut Frank werden bereits Gespräche mit dem Hersteller des Sportbodens geführt. „Es gibt Für und Wider.“

Der neue Boden in der Bibrishalle habe bereits eine Beschichtung, die verhindern soll, dass Harz eindringen kann. Einstimmig legte der Gemeinderat fest, die neuen Harz-Regeln in der Hallennutzungsordnung festzuschreiben.

Das Harzen und seine Geschichte

Die ersten Versuche, das Harz nicht nur an die Hand, sondern als Verwaltung auch in den Griff zu bekommen, datieren in Herbrechtingen auf das Jahr 1996 zurück. Damals wurde mit der TSV ein Harzverbot für das Training festgelegt. Bei Nichteinhaltung sollte die TSV 75 Mark pro Reinigung zahlen –  Fazit: Das Verbot wurde nicht eingehalten.

1998 denkt die Verwaltung an eine Kostenbeteiligung der TSV bei der Reinigung – es passiert aber weiter nichts.

2004 fordert die Verwaltung eine Umstellung auf wasserlösliches Harz. Die Kontrollen waren lückenhaft.

Seit 2005 ist in Herbrechtingen nur noch wasserlösliches Harz erlaubt. 2009 erfolgte ein Harzverbot in der Oskar-Mozer-Halle. Dies wird größtenteils respektiert.