Wirtschaft Bespitzelung, Mobbing und Rassismus: Keine Verbesserung bei Rotec

Immer häufiger stellen sich die Mitarbeiter bei Rotec in Hermaringen die Frage, ob die Firmenleitung überhaupt daran interessiert ist, den Standort Hermaringen zu halten.
Immer häufiger stellen sich die Mitarbeiter bei Rotec in Hermaringen die Frage, ob die Firmenleitung überhaupt daran interessiert ist, den Standort Hermaringen zu halten. © Foto: Geyer-Luftbild
Brigitte Malisi 14.03.2015
Schlechte Bezahlung, Beleidigungen, Bespitzelung – mit diesen Vorwürfen waren Betriebsrat und Mitarbeiter der Firma Rotec im Dezember an die Öffentlichkeit gegangen. Von Seiten der Heine und Beisswenger Stiftung, zu der Rotec gehört, wurde keine Aufarbeitung geleistet. Im Gegenteil: Die Arbeiter haben jetzt noch weniger in Lohntüte als vorher, und Themen wie Mobbing und Rassismus wurden unter den Tisch gekehrt.

Das empfindet Betriebsratsvorsitzender Michael Protzen als „Schlag ins Gesicht“ und hat das seinen Kollegen auch so mitgeteilt. Die Mitarbeiter fühlten nicht ernst genommen, sich und ihre Arbeit in keiner Weise wertgeschätzt, sagt er.

Die Geschäftsführung kontert und wirft ihrerseits Protzen „aggressive Stimmungsmache“ vor. Öffentlich äußerst sich die Geschäftsführung trotz schriftlicher und telefonischer Anfragen unserer Zeitung nicht.

Von gedeihlicher Zusammenarbeit weit entfernt

Von einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Firmenleitung scheint man nach wie vor weit entfernt zu sein.

Bei der Heine und Beisswenger Gruppe in Fellbach war man wenig begeistert, dass die Vorwürfe öffentlich wurden. Man befürchtet einen Image-Schaden. Dem Betriebsrat wurde zugesichert, dass man sich den Themen stellen werde. Auch eine gemeinsame Überarbeitung der Lohnstruktur wurde zugesagt.

Laut Betriebsrat liegen die Löhne zum Teil bis zu 30 Prozent unterhalb des üblichen Tarifes. Zudem gebe es keine leistungsbezogene, sondern eine völlig willkürliche Bezahlung nach Gutdünken des Chefs.

Lohnerhöhungen nur für 19 Personen

Lohnerhöhungen gab es zwar für eine ausgewählte Gruppe von 19 Personen. Doch die ging zu Lasten der restlichen etwa 120 Mitarbeiter. Die bekamen bisher einen monatlichen Tank- oder Einkaufsgutschein in Höhe von 40 Euro, der nun nicht mehr ausgegeben werde.

Auch Gewerkschaftssekretär Willi Wolf von IG-Metall bestätigt, dass die Verhandlungen mit der Heine und Beisswenger Gruppe sehr schwierig seien. Seine Forderung nach Urlaubsgeld, um ein positives Signal zu setzen und die Mitarbeiter zu motivieren, sei von der Firmenleitung schlichtweg abgeschmettert worden. Noch setzt Wolf auf Verhandlungen und will mit einem Stufenplan langfristige Ergebnisse erzielen. Er spürt aber auch, dass die Stimmung bei den Mitarbeitern immer mehr am Kochen ist.

Angst um Zukunft von Rotec

Die Mitarbeiter haben offenbar auch große Bedenken um die Zukunft mit der Firma Rotec. Zwar konnte zusammen mit der IG-Metall eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahresende erreicht werden, aber wie geht es dann weiter?

Es sei immer schwieriger, angesichts der Bezahlung und der Stimmung in der Firma qualifizierte und motivierte Kollegen zu finden, beklagen die Betriebsräte. Das mache sich auch in einer schlechteren Qualität der Produkte bemerkbar. Immer häufiger stellten sich Mitarbeiter die Frage: Hat Heine und Beisswenger überhaupt Interesse daran, den Standort Hermaringen zu erhalten?