Dischingen Bernhard Pampusch aus Dischingen wird 90

Einst war er Schulrektor in Dischingen und darüber hinaus jahrzehntelang Berichterstatter für die Heidenheimer Zeitungen: Bernhard Pampuch, der in Oberstotzingen wohnt, feiert am heutigen Mittwoch seinen 90. Geburtstag.
Einst war er Schulrektor in Dischingen und darüber hinaus jahrzehntelang Berichterstatter für die Heidenheimer Zeitungen: Bernhard Pampuch, der in Oberstotzingen wohnt, feiert am heutigen Mittwoch seinen 90. Geburtstag. © Foto: Martin Pampuch
Dischingen / Klaus Dammann 01.08.2018
Der ehemalige Dischinger Schulleiter und jetzige Ehrenbürger hat viele Talente und schrieb über 50 Jahre für die Heidenheimer Zeitungen. Heute wird er 90.

„Ich wollte eigentlich Förster werden.“ Doch Bernhard Pampuch bekennt, dass dafür einst die Kräfte nicht ausreichten. Und vielleicht ist es deshalb so gekommen, dass ihn das Schicksal in den Landkreis Heidenheim führte. Das Unterrichten als Lehrer ist stattdessen Pampuchs Beruf geworden und von 1958 bis zu seinem Ruhestand tat er dies an der Dischinger Schule, von 1964 an gar als deren Rektor. Nach seiner zweiten Heirat zog er 1995 zu seiner Frau Christa Groll in deren Elternhaus in Oberstotzingen. Am heutigen 1. August wird der profunde Kenner der Heimat, versierte Autor vieler Publikationen und Förderer der Kirchenmusik 90 Jahre alt.

„Ich war ein sehr lebhaftes Kind.“

In Beuthen in Oberschlesien wurde der Jubilar 1928 geboren. Seine Eltern führten eine Bäckerei, doch weil sie nicht die Zeit hatten, immer nach ihm zu sehen, lebte der junge Bernhard bis zum Alter von fünf Jahren bei seiner Großmutter: „Ich war ein sehr lebhaftes Kind“, schildert er schmunzelnd.

1944 wurde er vorzeitig aus der Mittelschule heraus eingezogen und sollte das bei der Hitlerjugend neu geschaffene Amt eines „Kriegseinsatzführers“ bekleiden. – eine Aufgabe, von der „zunächst keiner wusste, was sie mit mir anfangen sollen“. Doch dann galt es für den Jugendlichen unter anderem, Kinder zu begleiten, die den Ort verlassen sollten.

Flucht nach Westen

Im Januar 1945 flohen die Mutter und die Geschwister Richtung Westen, zwei Tage später wurde auch Bernhard Pampuch aufgefordert, sich in einen Zug zu setzen. Der Vater war als Bäcker für unabkömmlich eingestuft worden, starb 1946 in russischer Gefangenschaft.

Der Jubilar erinnert sich an seine schwierige Flucht. Drei Tage sei der Zug in verschiedene Richtungen gefahren, doch am Ende kam Pampuch in Ziegenhals an, wo sich auch die Familie aufhielt: „Stellen Sie sich diese Fügung vor“, erinnert er sich heute noch fast ungläubig.

Mit dem Güterzug ins Flüchtlingslager

Weiter führte der Weg dann nach Österreich, und Bernhard Pampuch, der damals seine Feuerwehr-Uniform trug, erzählt, dass ihn bei allen Kontrollen seine Bestätigung als Kriegseinsatzführer gerettet habe. Und bald musste man wie andere deutsche Familien auch das Nachbarland verlassen. „Wir sind eine Woche mit dem Güterzug durch Deutschland gefahren“ – eine Irrfahrt, deren Endstation ein Flüchtlingslager bei Esslingen war.

Der damals 18-Jährige besuchte ab 1946 die Lehrer-Oberschule in Schwäbisch Gmünd und machte drei Jahre später seinen Abschluss – „als Bester. Mit 21 Jahren war ich schon ein ausgebildeter Lehrer.“

Pampuch war zu Beginn der jüngste Lehrer

Nach verschiedenen beruflichen Stationen bewarb sich Pampuch 1958 an die Dischinger Schule und zog samt seiner noch jungen eigenen Familie dorthin. Die Schule in der Härtsfeldgemeinde war vierzügig mit jeweils zwei Klassen im Kombi-Unterricht: „Das war nicht einfach: eine Klasse mit 52 Schülern.“ Und Bernhard Pampuch war mit Abstand der jüngste Lehrer. 1964 machte er die Fachgruppenprüfung zur Befähigung für den Unterricht an Realschulen.

Die folgende lange Zeit war eine Zeit der Veränderungen: Mit der Gemeindereform wurden die Dorfschulen unter Dischinger Führung zusammengelegt. Schließlich sei die alte Schule an der Ortsdurchfahrt zu klein geworden und die Gemeinde baute 1980 die Egauschule, die der Jubilar noch bis zum Jahr 1986 leitete.

Kirchenchöre und Orgelspiel

Vielfältig war das Engagement, das der Jubilar für seine Heimat auf dem Härtsfeld, aber auch für andere Gemeinden aufbrachte. Die schon lange zurückreichende Liebe zur Kirchenmusik ließ ihn nicht nur in Kirchenchören mitsingen, sondern über Jahrzehnte auch deren Leitung übernehmen. Und darüber hinaus betätigte er sich an verschiedenen Orten – vor allem von 1958 bis 2015 an der historischen Hoeß-Orgel in der Dischinger Pfarrkirche – als Organist in der Musica sacra bei Gottesdiensten und Konzerten.

Als Nachfolger übernahm dann Enkel Björn die Ämter des Chorleiters und Organisten in St. Johannes Baptist.

Auch Fußball mochte er

Bernhard Pampuchs weitere Interessen galten unter anderem der Heimatgeschichte und -forschung und dem Fußball. Eine große Öffentlichkeit erreichte er mit seinen unzähligen Artikeln in Zeitungen und anderen Publikationen. So schrieb der heutige Rektor a. D. auch über 50 Jahre für die Heidenheimer Zeitung und die Heidenheimer Neue Presse. Als Konzert-Autor reichte seine Spannweite von den Opernfestspielen über die Niederstotzinger Musiktage bis zu Klosterkonzerten in Neresheim. In der Redaktion in Heidenheim sei einst über ihn gewitzelt worden: „Der meistbeschäftigte und bestbezahlte nebenberufliche Berichterstatter.“

Seit 2009 ist Pampuch Ehrenbürger in Dischingen

„Wie er das alles unterbrachte, weiß ich nicht“, sagt Ehefrau Christa Groll. Die Gemeinde Dischingen ernannte Pampuch dann auch 2009 für seine vielfältigen Verdienste zum Ehrenbürger.

Mit 90 fühlt sich Bernhard Pampuch seelisch und geistig sehr fit, körperlich ist es nicht ganz so, wie der Jubilar es gerne hätte. Gefeiert wird jedenfalls mit fünf Kindern, sechs Enkeln und fünf Urenkeln am Samstag in der dem Wohnhaus benachbarten Begegnungsstätte St. Martin in Oberstotzingen.

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