Steinheim Bernauer: „Die Bewerbung in Heidenheim war ein Fehler“

Seinen Schreibtisch im Steinheimer Rathaus würde Olaf Bernauer gerne behalten. Im Oktober wird gewählt.
Seinen Schreibtisch im Steinheimer Rathaus würde Olaf Bernauer gerne behalten. Im Oktober wird gewählt. © Foto: Sabrina Balzer
Steinheim / Carolin Wöhrle 21.07.2018
Bürgermeister Olaf Bernauer spricht über die Wahl im Herbst, seinen Umgang mit Kritik und darüber, wo's für Steinheim in nächster Zeit hingehen soll.

Herr Bernauer, vor ein paar Monaten dachten noch alle, Sie würden sich nicht mehr für eine zweite Amtszeit in Steinheim bewerben, sondern als Erster Beigeordneter nach Heidenheim wechseln. Haben Sie diese ganze Angelegenheit mittlerweile hinter sich gelassen?

Olaf Bernauer: Heidenheim war ja damals aus den Reihen der Stadträte an mich herangetragen worden. Und das habe ich als Chance gesehen. Das hat sich alles dann anders entwickelt als ich mir das vorgestellt hatte – aus den bekannten Gründen. Für mich selbst habe ich dieses Thema, nachdem ich meine Bewerbung zurückgezogen hatte, sofort abgeschlossen. Es war klar: Wenn aus dieser Chance nichts wird, dann war es, dann ist es und dann wird es einzig und allein immer Steinheim sein. Ich weiß, was ich hier habe und es gibt noch viel zu tun.

Sie selbst haben das Thema Heidenheim also abgeschlossen. Aber glauben Sie, dass es für die Steinheimer noch eine Rolle spielen könnte, wenn sie im Herbst ihr Kreuzchen machen?

Das ist sicherlich nicht auszuschließen. Der eine oder andere wird sich fragen, ob ich irgendwann wieder woanders hingehen möchte, wenn ein entsprechendes Angebot kommt. Ich kann aber ganz klar sagen: Nein, das wird nicht passieren – egal wer oder was da kommt. Und genauso klar kann ich sagen: So wie es sich dann am Ende entwickelt hat, war die Bewerbung in Heidenheim ein ganz klarer Fehler.

Sie sehen sich in letzter Zeit recht häufig Kritik ausgesetzt. Im Gemeinderat kommt immer wieder das Thema mangelnde Transparenz zur Sprache. Einige bemängeln, sie würden gerne früher in Entscheidungen eingebunden werden. Wie stehen Sie dazu?

Also Kritik ist ja grundsätzlich etwas Gutes und etwas, das einen weiterbringen kann – wenn sie denn sachlich und konstruktiv ist. Wenn sie das aber irgendwann nicht mehr ist, dann geht sie ins Persönliche und dann wird es bedenklich. Es wird ja eine Sache nicht wahr, nur weil man sie dauernd wiederholt.

Wie meinen Sie das?

Es ist einfach so, dass wir innerhalb der Hauptsatzung der Gemeinde gewisse, klar definierte Zuständigkeiten haben: Was liegt in der Hand der Verwaltung, was in den Ausschüssen, was muss in den Gemeinderat?

Scheinbar ist man sich da aber immer wieder uneins.

Ja, offensichtlich gibt es da im Moment unterschiedliche Auffassungen bei der Frage, was der Bürgermeister darf und wann der Gemeinderat zwingend beteiligt oder wenigstens informiert werden muss. Wobei ich hier klarstellen möchte, dass diese Kritik nicht von „dem Gemeinderat“, sondern von einzelnen Teilen des Gemeinderats kommt.

Aber nicht alle Kritik war ungerechtfertigt. . .

Nein, natürlich gab es auch Dinge, die offensichtlich schief gelaufen sind. Für die habe ich mich auch entschuldigt. Aber was andere Angelegenheiten anbelangt, die einfach in meinen direkten Zuständigkeitsbereich fallen, die werden nun einmal abgehandelt – weil sie immer im Sinne Steinheims und seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger gemacht werden müssen. Da mache ich einen Haken dran und das ist dann auch nicht böse gemeint.

Der Haken an den Hochwasserschutz lässt schon sehr lange auf sich warten. Einige Bürger beklagen, auch zu Recht, dass ihnen das alles viel zu langsam geht.

Absolut. Und solche Kritik, auch solchen Unmut, nehmen wir ernst. Gerade beim Hochwasser haben wir bestimmte Straßenzüge, die immer wieder betroffen sind. Wir fahren da auch hin, wir schauen es uns vor Ort an und prüfen auch, ob der Eigenschutz des betroffenen Hauses so ist wie er sein sollte. Das ist leider auch nicht immer der Fall.

Ich möchte aber auch nochmal daran erinnern, wie schnell wir beim Hochwasser 2016 geholfen haben – akut und danach auch finanziell, wenn der Versicherungsschutz nicht da war.

Was jetzt die kommenden großen Maßnahmen anbelangt, ist das etwas anders: Die benötigen so viele Voruntersuchungen, wir müssen dann auf die Fördermittel warten. Erst danach dürfen wir ja überhaupt tätig werden. Das vermittelt natürlich den Eindruck in der Bevölkerung – und, wie Sie sagen, auch zu Recht –, als würde es sich ewig hinziehen.

Bürokratie spielt immer eine Rolle in einer Gemeindeverwaltung, das ist schon klar. Aber wenn es dann mal ans Hab und Gut der Menschen geht, ist das doch schwierig zu vermitteln.

Ganz klar. Ich möchte aber auch nochmal hinzufügen: Bei allem, was wir jetzt planen und vorhaben, wir werden, gemessen an diesen Klimaveränderungen, niemals eine absolute Sicherheit haben.

Was im Vergleich dazu dann doch relativ unbürokratisch von Statten ging, war die Söhnstetter Bürgerwerkstatt – auch wenn es eine Weile gedauert hat bis erste Ergebnisse da waren. Wie läuft's denn gerade?

Wie sich die Bürger und einige Gemeinderäte da eingebracht haben, das war einfach eine tolle Sache. Hut ab. Im Bereich Mobilität haben wir ja jetzt mit der Mitfahrzentrale schon ein erstes konkretes Ergebnis. Da sind wir aktuell auf der Suche nach Fahrern.

Wobei man ja schon das Verhältnis sehen muss, oder? Die Mitfahrzentrale in Heidenheim funktioniert offenbar gut, aber das ist eine Stadt. Bei Söhnstetten reden wir von einem 1800-Einwohner-Dorf.

Die Mitfahrzentrale soll ja aber auch nur eine Ergänzung sein zum Bürgerbus und zum Car-Sharing, das kommen wird. Zunächst wollen wir deshalb auch nur mit einem Fahrtag in der Woche starten. So sehen wir, wie's angenommen wird, und wo wir gegebenenfalls anpassen müssen.

Und wie läuft es in den anderen Arbeitsgruppen?

Die Gruppe „Leben im Alter“ hat den Reparatur-Treff entwickelt und mittlerweile die Arbeit aufgenommen. Im Bereich Bildung und Schule läuft derzeit vieles im Hintergrund in Zusammenarbeit mit dem Planer. Die Idee ist ja, alles im Bereich Bildung und Betreuung möglichst zentral um die Schule herum zu haben. Deshalb prüfen wir gerade beispielsweise die Substanz der Schule, prüfen mögliche Abrisskosten für den Kindergarten und so weiter. Das wird im Hintergrund alles abgewogen. Für die Bürgerwerkstatt generell gilt: Das alles muss leben und sich weiterentwickeln und das wird es auch.

Es wird sie also in ein paar Jahren auch noch geben?

Das hoffe ich. Viele Ziele sind kurzfristig, viele aber auch mittel- und langfristig.

Sie hatten vorhin das Car-Sharing erwähnt: Sie hatten den Steinheimern ja drei Autos versprochen. . .

Moment, nein. Habe ich nicht. Ich habe es in Aussicht gestellt. Ich verspreche grundsätzlich gar nichts. Das fliegt einem sonst um die Ohren.

So oder so: In Gerstetten ist die Auslastung des E-Autos nicht ganz so, wie man sich das erhofft hat. Das könnte Steinheim genauso ergehen – zumal es ja drei sein sollen.

Das stimmt. Deshalb überlegen wir derzeit auch, erstmal nur mit zwei Autos zu starten, für Söhnstetten und Sontheim. Aber gemessen an dem finanziellen Aufwand, den wir mit diesem Modell haben werden, ist es das absolut wert. Wenn's nachher nicht funktioniert, dann geben wir die Autos zurück und gut war's. Zwei Jahre Zeit, um das zu testen, wollen wir uns aber schon nehmen.

Ganz aktuell musste der TV Steinheim seine Pläne fürs Sportvereinszentrum wieder aufgeben. Woran ist das alles denn aus Ihrer Sicht gescheitert?

Als der Anruf von Bernd Ortlieb (Anm. d. Red: Vorsitzender des TV) kam, habe ich auch nochmal alles Revue passieren lassen. Wie viele Besprechungen wir hatten, wo wir überall hingerannt sind: zu den Fördermittel-Stellen, zum Regierungspräsidium. Es war schon auch für die Verwaltung ein enormer Aufwand mit viel Manpower und Zeit. Es ist schade, dass es jetzt an der Bürgschaft und an der Deckungssumme gescheitert ist. Ich meine: Es wäre eine Bereicherung für uns alle gewesen. Aber offensichtlich haben die Mittel nicht ausgereicht, obwohl selbst wir jetzt noch einmal 100 000 Euro draufgelegt und damit 200 000 Euro zur Verfügung gestellt hätten – sofern es der Gemeinderat mitgetragen hätte.

Wie in vielen anderen Gemeinden hat man auch in Steinheim das Gefühl, das Gesicht des Ortes verändert sich: Große Neubauten am Tannenweg, auf dem Mühlenareal und im Pfarrgarten, voraussichtlich auch an der Hellensteinstraße. Nicht jedem gefällt das. Ihnen?

Es liegt immer im Auge des Betrachters. Über Ästhetik lässt sich meiner Ansicht nach streiten. Das ist der eine Punkt. Der andere ist: Es haben über Jahrzehnte hinweg Wohnungen gefehlt, nicht nur in Steinheim. Für die Ansiedlung von Unternehmen ist es ein Standortfaktor, ob ihre Arbeitskräfte eine bezahlbare Wohnung bekommen können. Auf der anderen Seite haben wir auch viele ältere Menschen, die im Alter in Steinheim bleiben wollen. Deshalb sind diese Wohnung so unglaublich wichtig. Aber irgend jemand muss sie ja auch bauen. Wir als Kommune sind kein Bauträger. Und dass für einen Investor natürlich immer auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielt, ist klar.

Ich würde all diese Neubauten nicht mittragen, wenn sie aus meiner Sicht nicht ins Ortsbild passen würden. Aber ich verstehe auch die andere Meinung.

Angenommen, es kommt eine zweite Amtszeit im Herbst: Stecken Sie sich jetzt bereits Ziele?

Die Ziele ergeben sich aus dem, was wir jetzt aufs Gleis gesetzt haben und im Herbst auch noch aufs Gleis setzen werden.

Zum Beispiel?

Wir haben mit allen Trägern einen Kindergartenbedarfsplan aufgestellt, der uns sagt, wie viele Plätze wir in den kommenden Jahren noch brauchen und wo wir diese schaffen müssen. Das andere Thema sind die Straßen, die auch mit dem Hochwasser-Thema zusammenhängen. Dann wollen wir ja ein weiteres Pflegeheim nach Steinheim holen – mit 45 Pflegeplätzen, 10 Tagespflegeplätzen und neun Wohneinheiten für betreutes Wohnen. Das werden wir gemeinsam mit dem Träger, der Stiftung Haus Lindenhof, im September der Bevölkerung vorstellen.

Gleichzeitig wollen wir, nachdem die innerörtliche Nachverdichtung geklappt hat, wieder in die Außenbereiche gehen und Plätze für Einfamilienhäuser schaffen. Klar: Auf der einen Seite im Bereich Ziegelhütte ab 2022, worauf ich mich jetzt schon sehr freue. Auf der anderen Seite stecken wir derzeit auch mitten in Verhandlungen mit Grundstückseigentümern in Söhnstetten im Bereich Breite-Süd und hier in Steinheim im Bereich Königsbronner Feld.

Es gäbe also noch viel zu tun, sollten Sie im Herbst wiedergewählt werden. Und was, wenn nicht? Haben Sie einen Plan B?

Darüber habe ich mir, ganz ehrlich, so konkret noch keine Gedanken gemacht. Es schwirren viele Überlegungen im Kopf herum, aber ich glaube, das ist in der Situation, in der ich mich gerade befinde, auch normal. Lassen Sie es mich so sagen: Es hat sich für mich immer bewährt, mich um manche Fragen erst dann zu kümmern, wenn sie sich auch stellen.

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