Dettingen / Maximilian Haller  Uhr
Wie konnten Schwermetalle ins Trinkwasser der Dettinger Grundschule und des anliegenden Kindergartens gelangen? In der Lindenhalle stand das Gesundheitsamt Rede und Antwort.

Als Ende Mai bekannt wurde, dass das Trinkwasser in der Dettinger Grundschule sowie dem anliegenden Kindergarten verunreinigt ist, war der Ärger groß. Schon länger war braunes Wasser aus den Leitungen geflossen, was die Gemeinde schließlich dazu veranlasste, eine mikrobiologische Untersuchung in Auftrag zu geben. Das Ergebnis: Die Werte von Blei, Cadmium und Eisen sind zu hoch, das Wasser verunreinigt. Die Folgen: Das Wasser darf weder getrunken noch zum Duschen verwendet werden. Lediglich Händewaschen und Toilettenspülung sind in den Einrichtungen weiterhin erlaubt.

Bei einer Informationsveranstaltung in der Dettinger Lindenhalle informierten am Donnerstagabend die Gemeindeverwaltung sowie das Heidenheimer Gesundheitsamt über den aktuellen Stand der Dinge.

Was sind die Ursachen?

Christoph Bauer vom Gesundheitsamt Heidenheim vermutete, dass die Schwermetalle im Wasser hauptsächlich auf korrodierte Leitungen zurückzuführen sind, in denen das Wasser stagniert. Insbesondere das Klassenzimmer der dritten Klasse sowie die Kinderkrippe seien davon betroffen. In der Krippe sei der Eisenwert um das 45-fache des Normwerts erhöht, der Bleigehalt um das 39-fache. In der dritten Klasse seien die Bleiwerte zeitweise sogar um das 560-fache erhöht gewesen. Diese Konzentration, so Bauer, sei jedoch nicht zu jedem Zeitpunkt in den Leitungen nachweisbar. Das Ortsnetz in Dettingen sei im Übrigen unbelastet.

Besteht Gesundheitsgefahr?

Die Frage, die den Eltern und Lehrern an diesem Abend jedoch am meisten unter den Nägeln brannte, war die nach den potenziellen Gesundheitsrisiken. Christoph Bauer konnte hier beschwichtigen: „In der Gesamtbetrachtung ist das Risiko überschaubar.“ Jeder Mensch nehme über das ganze Jahr verteilt 7,3 Milligramm an Blei durch Trinkwasser zu sich. „Das ist völlig konform mit der Trinkwasserverordnung.“

Selbst bei täglichem Verzehr von bleihaltigem Wasser wie dem, das im Klassenzimmer der dritten Klasse gemessen wurde, würden dabei lediglich 2,76 Milligramm an zusätzlicher Bleibelastung im Körper nachweisbar sein.

Warum so lange gewartet?

Warum, fragte ein Elternteil, habe die Gemeindeverwaltung denn nicht schon längst eine Wasseruntersuchung veranlasst, wenn schon seit Monaten bekannt sei, dass rostiges Wasser aus den Leitungen komme. „Wir waren damals zwar nicht gerade beruhigt, aber niemand hat eine Gefährdung gesehen,“ erklärte Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek. „Rückblickend war das eine Fehleinschätzung der Situation, für die wir Sie um Entschuldigung bitten.“

Ein anderer Zuhörer wollte eine persönliche Einschätzung von Polaschek und Bauer hören: „Wenn Sie an unserer Stelle wären, wären Sie nach diesem Vortrag beruhigt?“ Er würde es zwar vorziehen, wenn die Grenzwerte im Trinkwasser nicht überschritten wären, antwortete Bauer, aber er würde sich keine Sorgen machen. Polaschek schloss sich dem an: „An Ihrer Stelle wäre ich jetzt deutlich beruhigter. Wir haben hier einige der kompetentesten Menschen aus dem Kreis bei uns.“

Wie geht es nun weiter?

Als Nächstes wird eine sogenannte Gefährdungsanalyse erstellt. Mittels dieser soll unter anderem herausgefunden werden, wie sich die Wasserqualität so rasant verschlechtern konnte. Bei der letzten routinemäßigen Untersuchung im Jahr 2015 waren die Werte alle im grünen Bereich. Darüber hinaus steht der Austausch der kompletten Trinkwasserinstallation an. Nach derzeitigem Stand erfolgen die Umbauarbeiten in den Sommerferien.

Nicht nur in Dettingen, sondern auch in Heldenfingen weist das Trinkwasser der Schule und des Kindergartens erhöhte Werte von Blei, Cadmium und Eisen auf. Es wurden einige Vorsichtsmaßnahmen angeordnet.

Im Trinkwasser der Dettinger Grundschule wurden erhöhte Werte von Eisen, Cadmium und Blei festgestellt. Das Wasser darf nicht mehr getrunken werden.