Königsbronn Belastung auf mehr Schultern verteilt

Königsbronn / Gerhard Stock 13.04.2018
Künftig agieren drei Beisitzer statt eines stellvertretenden Vorsitzenden. Am kommenden Samstag startet in Königsbronn die Sanierung des Flammofenhauses.

Mit der Sanierung der Friedhofsmauer und Friedhofskapelle in Itzelberg sowie insbesondere mit der Umgestaltung des historischen Flammofenhauses auf dem Werksgelände der SHW zum Industriemuseum will der Kulturverein auch heuer wieder zur Mehrung der Königsbronner Sehenswürdigkeiten beitragen – wie gewohnt durchweg ehrenamtlich mittels Bürgerfleiß.

Derweil reagiert der rührige Verein in Form einer strukturellen Veränderung auf das Ausscheiden des langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Rall. Da ein direkter Nachfolger für ihn nicht gefunden werden konnte, wählte die Hauptversammlung ersatzweise drei zusätzliche Beisitzer: Viktor Wagner, Josef Seibold und Friedemann Blum. Ziel ist, die mit dem Vize-Amt verbundene Belastung künftig auf mehr Schultern zu verteilen. Diese Strategie wird notgedrungen von immer mehr Vereinen verfolgt.

Weitere drei Jahre wird sich Günther Frieß als Kassierer um die Finanzen des Vereins kümmern und Thomas Kübler, Aktivposten des Feilenschleiferei-Teams, macht auch als Beisitzer weiter. Dank hohem Spendenaufkommen, solider Geschäftsführung, kreativem Umgang mit steuerlichen Möglichkeiten, Sparsamkeit und respektablem Vermögensbestand stehe, so Frieß, der Kulturverein auf solider finanzieller Grundlage. Für geboten hält er jedoch die Steigerung der Mitgliederzahl auf 250, derzeit stagniere diese bei etwa 230.

Mit Bedauern nahmen am Montagabend in der Klosterschenke die zur Hauptversammlung erschienenen Mitglieder Ralls Entscheidung zur Kenntnis, sich nach zehn Jahren intensiven ehrenamtlichen Engagements für die alte Pfisterei aus der aktiven Mitarbeit zurückzuziehen. Im Notfall werde er aber gerne weiter aushelfen, versicherte Rall und freute sich über anerkennende Worte sowie ein Geschenk, das ihm Vorsitzender Ulrich Knöller überreichte.

Für das Königsbronner Kannenmuseum (KKM) rechnet Rall künftig mit Besucherzahlen in etwa auf dem Niveau von 2017, als rund 1200 Personen gezählt wurden. Seit 2012, als sich noch weit über 2000 Besucher für die in der Region einzigartige Porzellansammlung interessierten, habe der Andrang erwartungsgemäß nachgelassen. Analog dazu verlief die Entwicklung im Museumscafé, bei dem man die Konkurrenz durch das Café Veredelt durchaus spüre. Nicht mehr ganz so viel wie früher, aber immer noch alle Hände voll zu tun hatte erneut das neunköpfige Pfisterei-Bauteam, das 1800 Stunden ehrenamtliche Arbeit leistete (im Jahr 2010 waren es 3000).

„Saubere Trennung“ angestrebt

„Macht weiter so“, lobte Vorsitzender Knöller die agile Seniorentruppe, die unverdrossen auf Verstärkung durch Jüngere hofft. Mit anpacken will weiterhin auch das zweite Bauteam um Walter Kolb. Im vergangenen Jahr hat es die Fassade des Torbogenmuseums auf Vordermann gebracht.

Durchweg positiv fiel Ulrich Knöllers Rückblick auf das arbeitsreiche Jahr 2017 aus. Als Neuerung brachte es mit einer von Viktor Wagner sorgfältig gepflegten Homepage die Präsenz des Kulturvereins im Internet mit sich. Einziger Wermutstropfen aus Sicht des Vorsitzenden beim Rückblick: Zwar konnte die Schmiede fertiggestellt werden, doch habe die Kooperation mit dem Schmied nicht wie erhofft funktioniert. Als einzig richtige Lösung habe man sich deshalb zu einer „sauberen Trennung“ entschlossen. „Keine einfache Geschichte“, so Knöller, doch sei man auf dem besten Weg zu einer einvernehmlichen Lösung.

Zweites Industriemuseum

Einiges vor hat heuer auch das Team Feilenschleiferei, wie dessen Sprecher Gerd Robl erläuterte: Beleuchtung, Ecke für Kinder, Außenanlagen, Präsentationen an den Wänden. Im Blick nach vorne dominieren jedoch die weiteren Arbeiten an der Mauer und Kapelle des Friedhofs Itzelberg. Dorfverein und Pfannaglopfer haben 2017 an der Mauer in fünf Einsätzen schon reichlich Vorarbeit geleistet, doch bleibt in Zusammenarbeit mit Gemeinde und Denkmalschutz noch einiges zu tun. Die Kapelle soll als solche wieder genutzt werden können und ein Ort der Begegnung werden, mit 120 000 Euro ist der kalkulierte Kostenaufwand dafür erheblich.

Kraft und Zeit kosten wird heuer zudem die planmäßige Sanierung des Flammofengebäudes, wo am Samstag, 14. April, der erste Arbeitseinsatz erfolgt. Sofern mit der Neugestaltung alles gut klappt, soll das dann zweite Industriemuseum in Königsbronn am 8. September eingeweiht werden.

Bereits am 4. Mai wird in der Klosterschenke die Ausstellung zur Geschichte der Klosterbrauerei eröffnet. Und am 12./13. Mai ist der Kulturverein mit dem Langen Haus und dem Torbogengebäude Gastgeber für die WCM-Open, eine Ausstellung von Heidenheimer Künstlern, die damit erstmals nach 19 Jahren außerhalb der Stadt Heidenheim stattfindet. Außerdem im Aktivitäten-Angebot des Kulturvereins: eine heimatgeschichtliche Broschüre zum Rathaus Königsbronn von Dieter Eberth.

Klosterhof als Kulturzentrum

Bürgermeister Michael Stütz zeigte sich aufgeschlossen gegenüber der Anregung des Kulturvereins, die Kommune möge sich bei der Fremdenführung künftig mehr einbringen. Vielversprechend, so Stütz, verlaufen die Bemühungen der Gemeinde, dem Musikverein im Klosterhof eine neuen Bleibe zu verschaffen. Aussichtsreich sei auch die Idee, die Theaterspielgruppe im ehemaligen Forstamt zu etablieren. So könne der Klosterhof inklusive alter Pfisterei geradezu ein kleines Kulturzentrum werden.