Energie Bayerns größter Bürgerwindpark ist eingeweiht

Zöschingen / KARIN GRETH 03.05.2013
Nach 13 Monaten Bauzeit wurde am Freitag der Windpark im Zöschinger Staatsforst eingeweiht. Bayerns größter Bürgerwindpark soll Strom für rund 10.000 Haushalte liefern.

Dichter Nebel lag über dem Wald. Viel zu sehen gab es bei der Eröffnungsfeier deshalb nicht für die 135 geladenen Gäste, darunter der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der Dillinger Landrat Leo Schrell, Vertreter der bayerischen Staatsforsten sowie Journalisten. Die tatsächliche Größe des Windparks konnten die Ortsfremden deshalb nur erahnen. Lediglich ein einziges der insgesamt acht Windräder war vom kleinen Festplatz im Wald aus im Nebel zu sehen – 120 Meter hoch mit einem Rotordurchmesser von 117 Metern.

In seiner Eröffnungsrede wandte sich Georg Honold an die Bürger der umliegenden Gemeinden, um ihnen für die gute Zusammenarbeit und ihre große Geduld während der Bauarbeiten zu danken. Besonders bedanken wolle man sich bei den Nattheimern, betonte der Seniorchef der Windkraftanlagen-Gesellschaft. Durch ihren Ort habe man die meisten Baufahrzeuge schicken müssen – an manchen Tagen bis zu 100 Lastwagen, dazu Schwertransporte in der Nacht. Dennoch sei es nie zu Problemen gekommen, im Gegenteil.

Die Nattheimer hätten sich sehr aufgeschlossen und interessiert gezeigt: „Es kamen während der Bauarbeiten jeden Tag rund 50 Leute zur Baustelle, um zuzuschauen, wie der Windpark entsteht“, so Honold. Man habe keinen einzigen Fall von Vandalismus erlebt und nicht einen einzigen Diebstahl. Der Bau stand auch sonst offenbar unter einem guten Stern: „Es gab während der 13 Monate keine Verletzungen. Wir haben nicht mal ein Pflaster gebraucht.“

Georg Honold junior präsentierte danach noch genauere Zahlen, die einen Eindruck vermittelten vom Umfang der Bauarbeiten: 30 000 Tonnen Schotter wurden mit 1200 Lkw herangefahren, dazu 14 000 Tonnen Beton mit 800 Spezial-Lkw. Drei Monate lang seien jede Nacht die Teile der Windkraftanlagen mit bis zu 60 Meter langen Schwertransportern angeliefert worden, 116 Schwertransporte insgesamt.

Die Anlage wurde im März in Betrieb genommen, berichtete Georg Honold – die Werte, die man bisher ermittelt habe, seien sehr gut. Die Gesamtleistung des Windparks liege bei 19,2 Megawatt.

„Wir erwarten eine jährliche Stromproduktion von rund 40 Millionen Kilowattstunden“, konkretisierte Christian Böhm, Geschäftsführer der Vensol Neue Energie GmbH. Der Netzanschluss erfolgt über das Umspannwerk Kleinkuchen.

Eine Besonderheit des Windparks ist die Finanzierung: Das Gesamtinvestitionsvolumen von rund 32 Millionen Euro wurde ausschließlich regional gestemmt. Sechs Beteiligungsgesellschaften und über 600 private Anleger stehen hinter den Windkraftanlagen. Das dazu noch notwendige Fremdkapital wurde von regionalen Volks- und Raiffeisenbanken zur Verfügung gestellt.

Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner lobte in seiner Rede anschließend den Zöschinger Windpark als ein „echtes Leuchtturmprojekt“ und zitierte den Philosophen Karl Popper mit den Worten: „Wir sind jetzt verantwortlich für das, was in der Zukunft geschieht.“

Natürlich gebe es auch Vorbehalte und Widerstände gegen Windkraftprojekte, so der Minister: „Aber wer A zur Energiewende sagt, muss auch B sagen.“ Windkraftanlagen seien eine wichtige Möglichkeit, um umweltfreundliche Energie „aus der Region für die Region“ zu produzieren. Mit dem Windpark habe die Bevölkerung in Zöschingen nun ein klares Bekenntnis zur notwendigen Energiewende abgegeben.

Info Am morgigen Sonntag ist die Bevölkerung ab 14 Uhr zu einem „Windfest“ bei den Anlagen eingeladen. Vor Ort besteht die Möglichkeit, sich ausführlich über das Projekt zu informieren und alles zu besichtigten. Für ein familienfreundliches Rahmenprogramm und das leibliche Wohl sorgen die örtlichen Vereine.
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